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| 17:08 Uhr

Chaos am Senftenberger See
Gesperrter Badestrand legt Tourismus-Geschäft lahm

 Der Großkoschener Badestrand am Senftenberger See ist am Freitag überraschend gesperrt worden. Wegen möglicher Rutschungsgefahr. Die Touristen und Badeausflügler haben Angst und bleiben dem ganzen See fern. Die Dienstleister beklagen das. Denn die Ursache sei das mangelhafte Krisenmanagement der Behörden.
Der Großkoschener Badestrand am Senftenberger See ist am Freitag überraschend gesperrt worden. Wegen möglicher Rutschungsgefahr. Die Touristen und Badeausflügler haben Angst und bleiben dem ganzen See fern. Die Dienstleister beklagen das. Denn die Ursache sei das mangelhafte Krisenmanagement der Behörden. FOTO: Rasche Steffen / STEFFEN RASCHE
Senftenberg/Großkoschen. Der zum Behörden-Dienstschluss vor dem Abschied der Verwaltungsmitarbeiter in das freie Wochenende noch eilends gesperrte Hauptbadestrand Großkoschen verhagelt den Tourismus-Dienstleistern am Senftenberger See komplett das Geschäft. Die Gäste sagen aus Angst vor Rutschungen ab. Von Kathleen Weser

Michael Kiraly, der Inhaber und Betreiber des neuen Wassersportparkes am Badestrand Großkoschen des Senftenberger Sees (Oberspreewald-Lausitz) erlebt ein doppelt schlimmes Wochenende. Völlig überraschend hat die Wasserbehörde des Landkreises, die ihm den Aufbau und den Betrieb der schwimmenden Freizeitanlage erst vor einigen Wochen angesegnet hatte, die Erlaubnis am Freitag mit einer Ordnungsverfügung ab sofort untersagt. Der genannte, aber bisher nicht belastbar untersetzte Grund: Rutschungsgefahr. Die Freizeitanlage auf dem Wasser könne den Seegrund und das Ufer unter besonderen Umständen ins Wanken bringen.

Seenland Reederin beklagt Ausbleiben der Gäste

 Die Behörden-Anordnung für den Badestrand Großkoschen schlägt auch bei der Reederei M. Löwa sofort negativ ins Kontor. Die Leute haben Angst vor Rutschungen am Senftenberger See und stornieren Buchungen für den Solar-Katamaran „Aqua Phönix“.
Die Behörden-Anordnung für den Badestrand Großkoschen schlägt auch bei der Reederei M. Löwa sofort negativ ins Kontor. Die Leute haben Angst vor Rutschungen am Senftenberger See und stornieren Buchungen für den Solar-Katamaran „Aqua Phönix“. FOTO: Steffen Rasche

Diese Botschaft reißt touristische Anbieter am ganzen Senftenberger See in einen Abwärtsstrudel. „Die Gäste haben Angst vor Rutschungen und bleiben aus“, bestätigt Marianne Löwa, die Seenland-Reederin, deren Crew mit zwei Fahrgastschiffen auf dem Senftenberger See unterwegs ist. Das ist eine mittlere Katastrophe, nachdem die Saison für die Seefahrten schon im vergangenen Jahr verkürzt wurde. Teile der gekippten und unsanierten Insel waren abgerutscht, weil der Wasserstand des Speicherbeckens Niemtsch den Grenzwasserstand unterschritten hatte, der die Standsicherheit der Böschungen garantiert.

Solidarität für den Betreiber des Wassersportparkes

Die Furcht vor Rutschungsgefahren ist groß. „Von der Behörden-Anordnung ist ein Strandabschnitt in Großkoschen auf 150 Metern Länge betroffen, nicht der ganze Senftenberger See“, stellt Marianne Löwa sachlich klar.

Dem Betreiber des Wassersportparkes versichern auch Gastronomen und weitere Freizeitanbieter am ganzen Senftenberger See ihre Solidarität. Der Unmut der Gemeinschaft, deren Existenz von einem funktionierenden Geschäft am etabliertestn See im Lausitzer Seenland abhängt, wächst. Denn das Krisenmanagement der Behörden sei erneut alles andere als professionell.

Auch schon 2018 See-Sperrung ohne Vorwarnung

Am Senftenberger See waren auch im vergangenen Jahr erst mehrere Tage nach der Rutschung an der Insel vor einem Wochenende plötzlich alle Ufer gesperrt worden. Die Freizeit-Anbieter konnten ihre Gäste nicht mehr vorwarnen.

Auch an diesem Wochenende strafen enttäuschteTouristen und Ausflügler die Tourismus-Dienstleister für die nicht nachvollziehbare Behörden-Entscheidung ab. „Das ärgert mich am meisten“, sagt Michael Kiraly. Über die sozialen Netzwerke arbeitet er jetzt daran, seinen lädierten Ruf als Unternehmer wieder gerade zu rücken.

Alarm auf der Grundlage einer Sachverständigen-Aussage

Das Landesamt für Bergbau, Geologie und Rohstoffe (LBGR) hatte auf der Grundlage einer Sachverständigen-Aussage, die eine Rutschungsgefahr auf dem gekippten See-Ufer Großkoschen beinhaltet, Alarm geschlagen. Demnach liegt es im Bereich des Möglichen, dass die mit Seilen an schweren Beton-Ankern vertäuten Schwimmkörper des Wassersportparkes so in Schwingung gebracht werden könnten, dass der Seegrund nachgeben und Teile des Ufers mit sich reißen könnten.

Schlechte Bewertungen für Freizeitanbieter sind die Folge

Die Gäste bleiben wegen der Angst vor Rutschungen aus und strafen die Freizeit-Anbieter mit schlechten Bewertungen. Dabei ist eine Gefahr am Großkoschener Strand bisher nicht belastbar begründet.

Michael Kiraly hat am Wochenende einen Gutachter gebeten, die Sicherheit des See-Ufers in Großkoschen konkret zu beurteilen. Denn an dem Wassersportpark hängt seine Existenz.