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| 13:06 Uhr

Ehrenamtler
Ein Feuerwehrmann ist vom Heiratsmarkt

Frank Schulz mit seiner frisch angetrauten Frau Karina bei ihrer Fahrt in den siebten Himmel mit dem Hubretter.
Frank Schulz mit seiner frisch angetrauten Frau Karina bei ihrer Fahrt in den siebten Himmel mit dem Hubretter. FOTO: Uwe Hegewald
Calau/Altdöbern. Ohne Ehrenamt wäre das Leben im Landkreis OSL nicht so bunt wie es ist. Für ihr Wirken wird verdienstvollen Bürgern regelmäßig gedankt. Doch wer sind diese engagierten Leute? Die RUNDSCHAU geht auf Personensuche. Heute: Frank Schulz (Calau). Von Uwe Hegewald

„Es ist der wichtigste und wertvollste Tag in meinem Leben“, fasst Frank Schulz die Ereignisse vom 8. September dieses Jahres zusammen. Im Französischen Garten des Schlossparks Altdöbern hat der 47-Jährige an diesem Tag seiner Karina das Ja-Wort gegeben. Kennengelernt hatten sich beide während einer Feuerwehrveranstaltung.

Zur Eheschließung ist Frank Schulz in seinen früheren Heimatort zurückgekehrt. „Ich bin in Altdöbern geboren, aufgewachsen und habe dort meine ersten Schritte in Ehrenämtern vollzogen“, erzählt der heutige Calauer. Bei der dortigen freiwilligen Feuerwehr gilt Frank Schulz als die Nummer 1 unter den Edelhelfern, belegt aber gleichzeitig auch die Plätze 2 und 3. Der Oberlöschmeister sieht sich selbst in der Pflicht, immer dann einzuspringen, wenn Hilfe benötigt wird. Seinen „Pieper“, den tragbaren BOS-Funkmeldeempfänger, habe er immer am Mann. „Nachts kommt das Gerät auf den Nachttisch“, so der Calauer, der von der Alarmierung bis zum Eintreffen im Feuerwehrdepot rund zwei Minuten benötigt.

Schulz lebt Feuerwehr, was Teilnahmebescheinigungen an sechs Kreis- sowie zwölf Landeslehrgängen in der Landesfeuerwehrschule Eisenhüttenstadt belegen. In der Regel sagen die DIN A4-Bögen nur wenig darüber aus, welche Anstrengungen in den einzelnen Ausbildungen oder Aktionen stecken. So etwa die Einweisung am erneuerten TLK 23-12, ein Einsatzfahrzeug mit Teleskopmast und Korb – kurz Hubretter genannt. Frank Schulz ist Stammmaschinist auf dem Fahrzeug und reiste „seinem Baby“ in die Schweiz hinterher, wo es einer grundhaften Wartung unterzogen wurde. „Diese ist alle zehn Jahre fällig“, so der Calauer. Er hatte sich ein paar Tage Urlaub genommen, um den Technikern in Zürich seine Erfahrungen im Umgang mit dem Hubretter zu schildern. Unterkunft fand er bei einem ehemaligen Schulkameraden, der inzwischen in der Schweiz lebt und arbeitet. „Acht Wochen später sind wir mit André Dreßler (stellvertretender OSL-Kreisbrandmeister) mit dem Flieger über Köln/Bonn nach Zürich geflogen und haben den TLK auf Achse wieder nach Calau zurückgeholt. Trotz elf Stunden Fahrt ein Highlight in meiner Dienstzeit bei den Rettern“, blickt er zurück.

Angefangen hat diese beim DDR-Katastrophenschutz, bei dem Frank Schulz anheuerte, als sein NVA-Grundwehrdienst anstand. Dank eines frühen Führerscheinerwerbs, für 70 DDR-Mark bei der GST (Gesellschaft für Sport und Technik), verfügte er über die erforderlichen Fleppen.

Die politische Wende kam – Schulz blieb. Sieben Jahre war er ehrenamtlich beim Katstrophenschutz tätig, um anschließend nahtlos in die Riege der Feuerwehr zu wechseln; mit allen schönen, aber auch bitterbösen Momenten: „Sieben oder acht Mal war ich bei Einsätzen anwesend, bei denen für Unfallopfer jede Hilfe zu spät kam. Beim ersten Mal traf es einen jungen Mopedfahrer, der hinter einem Lkw gehalten hatte und beim Zurückstoßen des Brummis nicht mehr die Zeit besaß, sich aus der Gefahrenzone zu bringen“, erinnert er sich. Heute hält ein Holzkreuz am Wegesrand die Erinnerungen an das schlimme Ereignis wach.

Wie sehr solche Bilder hinunterziehen können, hatte er bei einem jungen Kameraden erlebt, der nach seinem ersten Erlebnis mit einem Unfalltoten eine Woche lang über Albträume klagte. „Aufgrund der Tatsache, dass er irgendwann einmal bei einem Verkehrsunfall mit schwer verletzten Personen oder gar Toten zu tun haben wird, hatte er mich gebeten, ihn an das Opfer heranzuführen. Einen solchen Anblick steckt man nicht einfach so weg“, schildert Frank Schulz die damaligen Augenblicke.

Vielleicht ist damit auch sein Faible für Karnevalistisches zu erklären – Frohsinn und Fasching als Ventil, um Negativerlebnisse aus dem Kopf zu bekommen.

Beim KCA Karnevalclub Altdöbern ließ er sich für ein Mitwirken in der Prinzengarde überreden. „Funktionen im Elferrat oder als Büttenredner haben mich nie gereizt“, sagt er, „eine Ausnahme bildeten gelegentliche Sketche, an der Seite von Petra Pietrus (Missen) oder Jana Rex.“

Auf Empfehlung des Karnevalliebhabers und Feuerwehrmannes habe sich auch das Begleiten der Floriansjünger bei den Cottbuser Karnevalsumzügen entwickelt. „Rad-Engel“ werden die Sicherungsposten genannt, die dafür sorgen, dass keine Zehen- oder gar Fingerspitzen unter die Räder der Umzugswagen geraten. Beim KCA tragen die Rad-Engel Einsatzuniformen.

Die Rolle des Altdöberner Zug-Marschalls hat Frank Schulz inzwischen an einen Nachfolger abgetreten, um sich verstärkt Feuerwehr-Belangen zu widmen. „Bis zu 50 Einsätze sind es jährlich. Der spektakuläre Calauer Fernsehturmbrand gehörte dazu, aber auch Hochwassereinsätze“, so der Träger der Elbeflut-Medaille. Darüber hinaus gehörte er zu den zuverlässigen Unterstützern bei den Jugendfeuerwehr-Wettbewerben um den Calauer Schusterjungen-Pokal. Klar, dass er bei allen zehn Durchführungen in erster Reihe dabei war.