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| 20:38 Uhr

Empörender Vorfall in Senftenberg
Busfahrer lässt Rolli-Oma stehen

Die Haltestelle in Brieske/Marga ist laut KVG nicht behindertengerecht.
Die Haltestelle in Brieske/Marga ist laut KVG nicht behindertengerecht. FOTO: LR / Jan Augustin
Senftenberg. 83-jährige Frau im Elektrorollstuhl darf in Brieske nicht einsteigen. Der Sohn ist empört. Von Jan Augustin

Trotz gesetzlicher Beförderungspflicht hat sich ein Busfahrer in Brieske geweigert, eine 83-jährige Frau mitzunehmen. Empört schildert Sohn Dirk Lange den Vorfall, den er kürzlich miterlebt hat. Der in Duisburg arbeitende Maschinenbau-Ingenieur sei extra in die Heimat gekommen, um seine halbseitig gelähmte Mutter, die in einem Elektrorollstuhl sitzt, vom Busfahren zu überzeugen. Doch das misslingt. „Der Fahrer hat sie nicht mitgenommen“, sagt der 52-Jährige. Die Mitnahme eines E-Rollis in dieser Größe sei an dieser Haltestelle nicht möglich, habe der Busfahrer ihm gesagt. Dirk Lange sieht das anders: „Das ist kein technisches Problem, sondern ein Faulheitsproblem des Fahrers“, schimpft er. Eine Stunde stehen beide in der Kälte und warten auf den nächsten Bus. Der nimmt sie mit.

Der Geschäftsführer der Kraftverkehrsgesellschaft (KVG) Dreiländereck, Alfons Dienel, kennt den Vorfall. Er betont: „Wir haben einen sehr hohen Qualitätsanspruch, der Fahrgast steht bei uns an vorderster Stelle.“ Das Unternehmen habe im Oberspreewald-Lausitz-Kreis 9,4 Millionen Euro in neue Busse investiert, die zu 99 Prozent barrierefrei seien. Sie verfügen über Absenkvorrichtung, Rollstuhlplatz und mechanische Einstiegsrampe. Die KVG erfülle jetzt schon die vom Gesetzgeber ab 2022 geforderte Barrierefreiheit im öffentlichen Personennahverkehr. „Aber Barrierefreiheit bedeutet auch, dass die Haltestellen durch die Kommunen behindertengerecht umgebaut werden müssen“, sagt Dienel. Das bedeute, dass die Einstiegshöhe zwischen 18 und 22 Zentimeter liegen müsse. Leider treffe dies auf diese Haltestelle nicht zu. Erschwerend komme noch hinzu, dass das Schnittgerinne nicht in der Haltebucht verläuft, sondern am Rand des Straßenverlaufs, „sodass der Bus auch noch nach links hängt und die Einstiegshöhe noch einmal verschlechtert“.

Alfons Dienel räumt aber auch ein: „Unabhängig davon bin ich der Meinung, dass man mit etwas guten Willen einen Rollstuhl in den Bus hinein bekommt, was ja dem nächsten Fahrer auch unfallfrei gelungen ist.“ Die Fahrer sollen jetzt nochmals geschult werden, „um sicherzustellen, dass zukünftig mit derartigen Situationen noch sensibler umgegangen wird“.