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Bus-Chef blickt in Millionenabgrund

Letzter Rundgang in einer verlassenen Werkstatt: SBN-Chef Wilfried Opitz begutachtet resigniert den Senftenberger Betriebshof.
Letzter Rundgang in einer verlassenen Werkstatt: SBN-Chef Wilfried Opitz begutachtet resigniert den Senftenberger Betriebshof. FOTO: Jan Augustin
Senftenberg. Erst die Leistung im Landkreis verloren, jetzt auch noch das: Die Südbrandenburger Nahverkehrsgesellschaft (SBN) muss einen Batzen Fördergelder ans Land zurückzahlen. Geschäftsführer Wilfried Opitz gibt der Politik die Schuld. Jan Augustin

Den Blick aus seinem Bürofenster vermeidet SBN-Geschäftsführer Wilfried Opitz in letzter Zeit. Alle paar Minuten rauscht ein weißer Bus vor dem Betriebshof vorbei. Jeder gehört zur Flotte der Kraftverkehrsgesellschaft Dreiländereck (KVG). Das Unternehmen aus Zittau hatte vor acht Monaten die europaweite Ausschreibung für den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) im Landkreis Oberspreewald-Lausitz und für Senftenberg und Lübbenau gewonnen. Die SBN hatte sich nicht direkt beworben. Jedoch schickte - am Ende vergebens - der Mutterkonzern Netinera eine Tochterfirma ins Rennen, um den Busverkehr in den eigenen Händen zu halten. Das bestätigt Wilfried Opitz auf seine letzten Tage als Geschäftsführer am Donnerstag. Nach 47 Jahren bei der SBN hört der Kleinkoschener Ende September auf und geht in den Ruhestand. "Sicher hätte man gern weitergemacht", sagt der 63-Jährige resigniert am Schreibtisch.

Drei Leute arbeiten noch in der Senftenberger Zentrale. Flure, Büros und die Küche sind verwaist. In der Werkstatt stehen Maschinen still. Viele der rund 100 Mitarbeiter fangen als Busfahrer beim neuen Betreiber an, andere haben sich umorientiert, einige gehen in die Arbeitslosigkeit. Die SBN, sagt Wilfried Opitz, wird nicht abgewickelt. Viel übrig bleibt allerdings nicht. Eine Verwaltungsgesellschaft werde sich um die eigenen Immobilien kümmern und versuchen, sie zu vermarkten. Das aber sei schwierig, weil die Betriebshöfe für ÖPNV-Zwecke gebaut wurden.

Für Opitz stünden jetzt nur noch Restarbeiten an. Doch die haben es in sich. Das Land Brandenburg hat jetzt etwa eine Million Euro von der SBN zurückgefordert, bestätigt Wilfried Opitz. Grund sind die mit viel Fördergeldern sanierten Betriebshöfe in Senftenberg, Lübbenau, Calau und Großkmehlen, die nun nicht mehr gebraucht und auch vom neuen Betreiber nicht mehr genutzt werden. Absurd sei die Situation zum Beispiel in Großkmehlen. Dort schauen die Busfahrer heute auf einen fertig sanierten Betriebshof, den sie jahrelang angesteuert haben. Dann aber müssen sie auf dem Schotterplatz des Nachbargrundstückes halten und in einem Container ihre Pausen verrichten. "Einst hat sich die Politik dafür feiern lassen und der Steuerzahler Millionen geopfert, damit vernünftige Arbeitsbedingungen für die Mitarbeiter geschaffen wurden. Jetzt stehen wir vor einer Rückzahlungsforderung, weil die Zweckbindung nicht mehr erfüllt wird", schimpft der scheidende Geschäftsführer.

Die zu unterhaltenden Betriebshöfe mit Werkstätten und Tankstellen seien ein Grund, warum die SBN den Auftrag verloren habe. Die Gestaltung der Ausschreibung durch den Landkreis ein anderer, vielleicht der Entscheidende. Der Landkreis hatte damals auf eine Übernahmeklausel verzichtet - dafür wurde gefordert, dass der künftige Arbeitgeber seine Mitarbeiter nach dem Tarifvertrag Nahverkehr Brandenburg entlohnen muss. Der verlangt, gestaffelt nach Stufen, steigende Gehälter mit den Jahren. An sich richtig, sagt Opitz. Warum sich die SBN nicht direkt an der Ausschreibung beteiligt hatte, begründet er so: "Das hätte bedeutet, dass wir 500 000 Euro mehr an Personalkosten gehabt hätten, weil die SBN die langjährige Zugehörigkeit hätte anerkennen müssen." Der neue Betreiber braucht das aber nicht. Die Mitarbeiter gruppiert er zunächst in Stufe 1 ein, was bei erfahrenen, älteren Busfahrern Einbußen von rund 500 Euro monatlich bedeuten kann. Von einem fairen Wettbewerb könne keine Rede sein. "Grundsätzlich ist dem Landkreis rechtlich nichts vorzuwerfen. Was ihm aber vorzuwerfen ist, ist das mangelnde soziale Verständnis für die Mitarbeiter", sagt Opitz.