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| 02:37 Uhr

Burkini-Schwimmkurs schlägt Wellen

Burkini aus synthetischen Geweben sind eine zulässige Badekleidung.
Burkini aus synthetischen Geweben sind eine zulässige Badekleidung. FOTO: dpa
Senftenberg. Den öffentlichen Badebetrieb eingeschränkt. Männliche Mitarbeiter verbannt. Fenster gegen neugierige Blicke zugehängt. Soweit die brodelnde Gerüchteküche zum Schwimmkurs muslimischer Frauen im Erlebnisbad Senftenberg. Doch es ist ganz anders. Manfred Fellerund Kathleen Weser

Mit den Schwimmfähigkeiten der Menschen aus muslimischen Ländern ist es nicht weit her. Erst im August des Vorjahres war ein afghanischer Asylbewerber unweit des Stadthafens im Senftenberger See ertrunken.

Gegenwärtig erlernen zehn Frauen muslimischen Glaubens das Schwimmen im Erlebnisbad. Sie erscheinen im Burkini oder anderer geeigneter Kleidung, die ähnlich viel vom Körper bedeckt. Von vielfältigen Extraregelungen und Einschränkungen für andere Badegäste ist seit geraumer Zeit die Rede.

Nichts von alledem stimmt, entgegnet Badleiterin Daniela Ulrich. Ein Verein sei an die Stadtverwaltung herangetreten und diese wiederum an das Bad, ob ein Kurs vorstellbar sei. Ist er. Der Schwimmkurs findet montags statt, an dem ohnehin kein öffentlicher Betrieb herrscht - stets vor dem Senioren- und dem Vereinsschwimmen.

"Es handelt sich um eine nicht vermietete Zeit im ersten Schulhalbjahr", sagt Daniela Ulrich. Diese Stunden würden gern auch von Kindertagesstätten, Schulgruppen, der Universität und anderen genutzt. "Uns geht es allein um die Badauslastung", so die Leiterin. Für sie sei es ohne Belang, woher die Frauen, die etwa zwischen 20 und 40 Jahre alt sind, kommen, ob sie hier schon lange leben oder Asylbewerberinnen sind. Einige sprächen gutes Deutsch. Ein Dolmetscher werde nicht gebraucht.

Der zehnstündige Kurs mit den muslimischen Frauen werde dem Bad ganz normal mit 150 Euro pro Person vergütet, wie es bei Erwachsenen üblich sei.

"Welche Badebekleidung als solche zählt, entscheidet der diensthabende Schichtleiter. Das war schon immer so", stellt Daniela Ulrich fest. Folglich sei auch lange Bekleidung wie der Burkini gestattet, sofern sie extra mitgebracht, farbecht und sauber sei. "Ansonsten müssten wir auch das Kleiderschwimmen der Wasserwacht und der Feuerwehr sowie den Fasching verbieten", sagt die Leiterin. Darüber hinaus werde auch anderen Frauen nach Absprache gestattet, im geeigneten T-Shirt ins Wasser zu gehen, wenn diese es zum Beispiel aus ästhetischen Gründen wünschten.

Viel mehr Sorgen würde so manch ein Badeshortsträger bereiten, der im Sommer gern, ohne sich umzuziehen, gleich ins Wasser springen möchte oder die Unterwäsche anbehalte. "Das ist genauso unhygienisch, wie nicht duschen zu gehen", relativiert Daniela Ulrich Kritik am Burkinischwimmen. Bei jenem Kurs würden weder die männlichen Kollegen aus dem Hallenbereich verbannt noch die Fenster zugehängt. Parallel dazu finde ein Aqua-Fitness-Kurs statt, allerdings nur mit Frauen.

Mittlerweile komme zur öffentlichen Badezeit eine Frau zum Schwimmen im Burkini sogar mit ihrer Familie. Einzelnen passe diese Bekleidung nicht. Dies würden sie gegenüber dem Personal auch äußern. "Wir nehmen keine öffentliche Badezeit weg und verbiegen uns auch nicht", stellt Leiterin Daniela Ulrich abschließend fest.

Für das Hallenfreizeitbad Lauchhammer hat es diesbezüglich noch keine Anfragen gegeben, antwortet Bürgermeister Roland Pohlenz (parteilos). Die ausgehängte Badeordnung schreibt vor, dass Shorts, Badehose, Badeanzug oder Bikini während der öffentlichen Besuchszeit zu tragen sind. Fremdsprachler können sich an Piktogrammen orientieren.

Ähnlich eindeutig liest sich die Haus- und Badeordnung im Spreeweltenbad Lübbenau. Die badegerechte Bekleidung endet oberhalb des Knies. Ausnahmen sind bedingt zulässig. Ein Schwimmkurs im Burkini sei noch nicht nachgefragt worden, so Prokurist Axel Kopsch. Käme eine Anfrage, dann werde man damit sensibel umgehen. "Ich habe eher das Gefühl, dass sich unsere Gäste anpassen", sagt er.

Im Lausitzbad Hoyerswerda frönen auch Muslime im Burkini dem Badespaß. Ganz selbstverständlich. "Das ist eine Badebekleidung wie jede andere auch", stellt Matthias Brau, der Chef über den Badebetrieb fest. Das Haus bietet für Gäste in Not auch Burkinis zum Verkauf an. Badesachen aus Leinen und Baumwolle werden allerdings nicht akzeptiert. "Das ist eine Frage der Sicherheit. Diese Stoffe werden im Wasser zu schwer", erklärt er.