ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 19:06 Uhr

Bei jedem Sturm vom Stromnetz getrennt
Bürokratie legt sechs Lausitzer Dörfer lahm

Erdkabel statt der Freileitung. In die sturmsichere Energieversorgung wird auch an der sächsisch-brandenburgischen Landesgrenze kräftig investiert. Denn die Dörfer werden bei jedem Sturm, meist Tage, vom Stromnetz getrennt. Doch die Baustelle ruht: Für wenige Meter der insgesamt etwa zehn Kilometer langen Leitung lassen die Genehmigungen auf sich warten.
Erdkabel statt der Freileitung. In die sturmsichere Energieversorgung wird auch an der sächsisch-brandenburgischen Landesgrenze kräftig investiert. Denn die Dörfer werden bei jedem Sturm, meist Tage, vom Stromnetz getrennt. Doch die Baustelle ruht: Für wenige Meter der insgesamt etwa zehn Kilometer langen Leitung lassen die Genehmigungen auf sich warten. FOTO: Julian Stratenschulte
Schwarzbach. Der Bau einer Stromversorgungsleitung an der sächsisch-brandenburgischen Landesgrenze dauert jetzt schon Jahre. Und ein Ende ist nicht abzusehen. Von Kathleen Weser

Der Sturm der Entrüstung hat sich zwar aktuell gelegt in den Dörfern zwischen Bernsdorf (Kreis Bautzen) und Schwarzbach (Oberspreewald-Lausitz). Doch im Gebiet an der sächsisch-brandenburgischen Landesgrenze wird der nächste starke Wind bereits gefürchtet. Denn die Bewohner sind seit Jahren über Tage energielos, wenn die Naturgewalt die Luft in Wallung bringt. Und das nervt die Leute extrem.

Das Orkantief Kyrill hatte die Dörfer Wiednitz, Hohenbocka, Schwarzbach, Guteborn, Grüngräbchen und Grünewald vor nunmehr elf Jahren ganze vier Tage vom Netz getrennt. Ende vergangenen Jahres war Herbststurm Herwart in die Stromversorgung gefegt und hat die kleinen Orte anderthalb Tage lahm gelegt. Im Januar diesen Jahres fuhr Friedericke in den Wald an der alten Freileitung. 22 Bäume kippten um, die Stromversorgung war wieder ganze zwei Tage unterbrochen.

„Die Leute haben sich zwar untereinander in der Not vorbildlich geholfen“, sagt Gabi Theiss (SPD/MdL), die Bürgermeisterin der betroffenen Gemeinde Schwarzbach. Nachbarn, die sich vom guten alten Kohleofen zum Glück noch nicht getrennt haben, haben die Babynahrung für den Säugling junger Eltern auf Temperatur gebracht, weil im modernen Haushalt nichts mehr ging. „Aber das ist kein Zustand“, sagt die Gemeinde-Chefin, der auch selbst schon vor dem nächsten  Wintersturm graut. „Und der kommt gewiss“, mahnt Gabi Theiss.

Die Mittelspannungsfreileitung vom Umspannwerk Bernsdorf nach Wiednitz und Hohenbocka ist das große Problem, an dem der Netzbetreiber, die Mitteldeutsche Netzgesellschaft Strom, zwar schon seit 2014 arbeitet - aber auf wenigen Metern sowohl auf sächsischem als auch brandenburgischen Terrain bürokratisch gebremst wird.

Die Stromversorgung der betroffenen Dörfer erfolgt aus dem Umspannwerk Bernsdorf. Die Orte sind an einem Mittelspannungsring angeschlossen, der die Orte Wiednitz, Hohenbocka, Schwarzbach, Guteborn, Grüngräbchen und Grünwald verbindet. Der Ring dient dazu, die Kunden relativ schnell wieder mit Energie zu versorgen, indem von der jeweils anderen Seite Strom zu den Orten fließt. Das erläutert Unternehmenssprecherin Evelyn Zaruba. Doch die alte, teilweise aus den 60er-Jahren stammende Freileitung wird schon bei Stürmen geringer Windstärke von umstürzenden Bäume getroffen.

Auch deshalb wird eine Versorgungsleitung in die Erde gelegt. Das Projekt läuft schon im fünften Jahr. Im ersten Bauabschnitt vom Umspannwerk Bernsdorf nach Wiednitz und Hohenbocka ist verkabelt. Etwa 5,7 Kilometer Mittelspannungskabel sind verlegt. Doch auf einem ungefähr 200 Meter langem Abschnitt zwischen Bernsdorf und Wiednitz und einem weiteren 900 Meter langen Abschnitt zwischen Wiednitz und Hohenbocka „konnten die Kabel auf Grund fehlender Genehmigungen leider noch nicht verlegt werden“,  so Zaruba. „Wenn die noch fehlenden Kabelstrecken gebaut sind, können 5,1 Kilometer Freileitung demontiert werden“, so Zaruba weiter. Etwa 500 000 Euro werden dann investiert sein.

 Im zweiten Bauabschnitt sind bislang vom Umspannwerk Bernsdorf nach Wiednitz, das betrifft den unterer Teil des Ringes nach Guteborn, Grüngräbchen und Schwarzbach, zwei Kilometer Mittelspannungskabel verlegt. Auch hier steht der Bau derzeit still. „Auf dieser Trasse konnten weitere 200 Meter wegen fehlender Genehmigungen noch nicht gebaut werden“, sagt die Mitnetz-Sprecherin. Das Investitionsvolumen hier: etwa 255 000 Euro. 2,2 Kilometer Freileitung können erst nach dem noch offenen Lückenschluss außer Betrieb genommen und demontiert werden.

Ursache der Not sind die langen Genehmigungsverfahren für den Bau von Stromleitungen: Der Netzbetreiber kann keinen normalen Bauantrag stellen. Er muss jede Behörde, die von dem Bau berührt sein könnte, extra beteiligen. Um die Auflagen von Forstwirtschaft, Naturschutz und Verkehrsbehörden dann abzuarbeiten, müssen wiederum einzeln Anträge gestellt werden.