Punkt 12 Uhr ist Ruhlands-Riesenbombe in die Luft gejagt worden. Der Donnerschlag, der von dem 500-Kilo-Blindgänger ausging, war bis Senftenberg, Schwarzheide und Jannowitz zu hören. Die innere Unruhe, ob die eigenen vier Wände etwas abbekommen haben, hat die ersten evakuierten Bewohner schon eine Stunde später wieder zurückgezogen in ihr Zuhause. Gemeinsam mit Ruhlands Bürgermeister Thomas Höntsch (SPD) und dem amtierenden Amtsdirektor Christian Konzack haben sie am Nachmittag zum ersten Mal ihre evakuierten Häuser begutachtet - die allermeisten der 2400 Menschen konnten aufatmen, einige hat es aber hart getroffen.

Einige Ruhlander hat es hart getroffen

Zu ihnen gehört der blinde Christian Richter. Der 63-Jährige wohnt mit seiner Familie seit 25 Jahren in dem Klinkerhaus an der Güterbahnhofstraße, das nur einen Steinwurf entfernt von der Explosionsstelle steht. Den Vormittag verbringt er bei Bekannten in Schwarzheide. Als er Punkt 12 Uhr den Donnerschlag hört, steigert sich sein mulmiges Gefühl, die Unruhe, was ihn Zuhause erwartet, wächst. „Da machst du dir schon deine Gedanken“, streicht sich der Rentner, der Jahrzehntelang im Ruhlander Stahlbau gearbeitet hat, über seinen Sonnenhut.

Kaputte Fenster und Ziegel auf dem Dach

Die Druckwelle hat sein gelbes Klinkerhaus ordentlich zum Wackeln gebracht. Sechs der insgesamt acht Fenster an der Außenfront sind zerborsten, auf dem Dach liegen Trümmerteile und Ziegel stehen hoch.

Rüdiger Götz, der Wirt vom „Bus Pick“ ein paar Schritte weiter, ist im Wald bei Jannowitz Pilze suchen, als er den Donnerschlag aus Ruhland hört. Als er zurückgeeilt das Ausmaß der Schäden sieht, traut er kaum seinen Augen. Acht Fenster sind zu Bruch gegangen, sogar auf der Rückseite des großen Eckhauses.

Bauhof-Mitarbeiter schieben eine Sonderschicht

Ruhlands Bauhof-Mitarbeiter haben eine Sonderschicht geschoben, um die schlimmsten Schäden zu beheben. „Sie sind im Handumdrehen hier mit einer Hebebühne vorgefahren, haben die Scheiben herausgenommen und mit Sperrholz gesichert“, freut sich der Wirt über den unbürokratischen Hilfseinsatz.

In der Ruhlander Amtsverwaltung wird indessen die Aufnahme aller Schäden koordiniert. „Das Innenministerium hat eine detaillierte Schadensaufstellung angefordert“, bestätigt Christian Konzack. Er bittet darum, dass sich Betroffene möglichst schnell in der Amtsverwaltung melden. Das Bürgertelefon ist dafür in der kompletten nächsten Woche geschalten.

Es werden erneut alte Luftbilder ausgewertet

Die Bauarbeiten am neuen Bahnhofsvorplatz sind bereits am Freitagmorgen (18. Oktober 2019) planmäßig weitergegangen. Ob die Suche nach weiteren im Bahnhofsumfeld vermuteten Blindgängern fortgesetzt wird, soll in der nächsten Woche in Absprache mit dem Kampfmittelbeseitigungsdienst festgelegt werden. Dafür werden erneut alte Luftbilder ausgewertet. Auf Ruhlands Bahnhof hatte es 1944 einen großen Luftangriff gegeben. Dabei sollen etliche Bomben gefallen sein, die nicht explodiert sind. „Das haben mir ältere Ruhlander unter Tränen erzählt“, vermutet Sprengmeister Enrico Schnick noch verdammt viel Arbeit.

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