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| 14:02 Uhr

Bürger kämpfen um den Schmalen See

In den Schmalen See wird derzeit nachweislich ockerhaltiges Wasser aus dem Drainagesystem Kleinleipisch eingeleitet.
In den Schmalen See wird derzeit nachweislich ockerhaltiges Wasser aus dem Drainagesystem Kleinleipisch eingeleitet. FOTO: Mirko Sattler/sam1
Kleinleipisch. Die Kleinleipischer Bürger sind sauer. Denn in den neutralen Schmalen See, einem Bergbaufolgegewässer mit Wasser von höchster Güte, wird saures Grundwasser aus der Tiefendrainage des Ortes eingeleitet. 555 der 596 Einwohner protestieren mit ihrer Unterschrift. Kathleen Weser

Braune Brühe sickert in den Schmalen See bei Kleinleipisch. Roland Wobst und Siegfried Bloch sind in Sorge um den kleinen Bergbaufolgesee nahe des Ortsteils der Stadt Lauchhammer. Denn den Plänen der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV) zufolge soll gesammeltes Grundwasser aus der fertiggestellten Tiefendrainage, die die Wohnhäuser in der Ortslage dauerhaft trocken halten soll, in den Schmalen See (Restloch 104) abgeleitet werden. Vor dem Jahreswechsel meldete die Bergbausaniererin, dass das Pumpsystem anschlussreif sei. Die wasserrechtliche Erlaubnis, also der Behördensegen des Landkreises Oberspreewald-Lausitz, für das Einleiten des aus dem geschütteten Erdreich gehobenen Grundwassers in den Bergbaufolgesee stehe allerdings noch aus. Beantragt sei das bereits seit dem Jahr 2014. Das "anfallende Drainagewasser" werde deshalb "bis zur Erteilung der ausstehenden Genehmigung anderweitig abgeleitet".

Doch ockerhaltiger Schlamm fließt derzeit nachweislich weiter in das Gewässer. Dieses hat den Messungen der Kleinleipischer zufolge einen pH-Wert von 7,0 und damit für ein Kohle-Restloch eine ausgesprochen gute Wasserqualität im absolut neutralen Bereich. Aus gutem Grund: "Der Seegrund des völlig ausgekohlten Tagebaus ist in den 60er-Jahren mit Ton und Lehm gegen anströmendes Wasser aus der Kippe gesichert worden", berichtet Roland Wobst. Die Filter- und Pufferwirkung hat die Versauerung, die mit dem ansteigenden Grundwasser im Umfeld einhergeht, deshalb gut abgewehrt. Durch das Einleiten von Drainagewasser, so Roland Wobst und Siegfried Bloch, ist nun aber eine über natürliche Prozesse hinaus zusätzliche Versauerung des Sees zu befürchten. Völlig unnötig, bekräftigen die Kleinleipischer. Denn das alte Strandbad (Restloch 42), das den Sanierungsplänen zufolge perspektivisch verfüllt werden soll, biete sich vorübergehend an - bis das gehobene sauere und eisenhaltige Grundwasser des Ortes wie vorgesehen über eine Rohrleitung in den Koyne See (Restloch 113) abfließen könne. Im natürlichen Gefälle sei dies ohne Pumpen möglich.

Der Ortsbeirat Kleinleipisch hat unterstützt vom klaren Bürger-Votum die Forderung aufgemacht, den Schmalen See zu verschonen. "Das biologische Verhalten des Schmalen Sees hinsichtlich des Grundwasserwiederanstieges sehen wir hier als eine naturbelassene Wiederherstellung des durch den Bergbau zerstörten Wasserkreislaufes an, der durch menschliches Zutun nicht noch negativ beeinflusst werden sollte", schreibt Ortsvorsteher Reiner Winkler an die Bergbausaniererin LMBV.

Der Regionalverband Senftenberg des Naturschutzbundes Deutschlands (Nabu) fährt scharfe Geschütze gegen den Grundwasser-Ableitungsplan auf. "Wir weisen darauf hin, dass das Umkippen des Schmalen Sees eine Biotopvernichtung und ein Verstoß gegen das Artenschutzgesetz ist", erklärt Karl-Heinz Marschka, der Erste Vorsitzende. Der See sei "eine Ausnahme unter den ansonsten sauren und lebensfeindlichen Gewässern der Kleinen Restlochkette" vom Bergheider See über Lauchhammer bis zur Schwarzen Elster.

Die Bedenken und die Kampfansage der Kleinleipischer sind auch der Genehmigungsbehörde für Einleitungen ins Gewässer beim Landkreis Oberspreewald-Lausitz übermittelt worden.

"Wir wollen die einzigartige Flora und Fauna am Schmalen See erhalten und mit bürgerschaftlichem Engagement eine Badestelle für die Kinder schaffen", betont Siegfried Bloch.