ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 13:46 Uhr

BTU-Mobbing-Studie zeigt: Reden und kooperieren hilft

Prof. Ludwig Bilz und Saskia Fischer von der BTU Cottbus-Senftenberg mit ihrer Studie zu Mobbing an Schulen
Prof. Ludwig Bilz und Saskia Fischer von der BTU Cottbus-Senftenberg mit ihrer Studie zu Mobbing an Schulen FOTO: Jan Augustin
Senftenberg. Hänseln, sticheln, prügeln – in Deutschlands Schulen geht’s oft ziemlich rüde zu. Mobbing-Fälle unter Schülern jedoch werden seltener. Wissenschaftler der BTU Cottbus-Senftenberg haben zum Thema geforscht und jetzt eine Studie veröffentlicht. Jan Augustin

Wenn Lehrer Gewalt und Mobbing zwischen Schülern beenden wollen, sollten sie statt zu autoritären Mitteln zu kooperativen Ansätzen greifen. Das ist das Ergebnis der dreijährigen Studie "Lehrerhandeln bei Gewalt und Mobbing". Der Bildungsforscher Prof. Dr. Wilfried Schubarth von der Universität Potsdam und der Psychologe Prof. Dr. Ludwig Bilz von der BTU Cottbus-Senftenberg haben die Abschlussergebnisse der von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Studie nun vorgelegt.

Andere einbeziehen hilft besonders

Die Studie gibt Antworten auf die Frage, wie Lehrkräfte in Gewalt- und Mobbing-Situationen agieren. Schubarth und Bilz haben gemeinsam mit ihren Teams mehr als 2000 Schüler und 550 Lehrkräfte in Sachsen gefragt, wie Lehrer in Mobbing-Situationen reagieren, welche Auswirkungen ihr Handeln hat und wie ihre Kompetenz zur Intervention gestärkt werden könnte. Das Ergebnis: Die mit Abstand häufigste Reaktion ist das Gespräch mit den beteiligten Schülern, unabhängig von der Gewalt- oder Mobbing-Art.

Mit deutlichem Abstand folgen minimale gestische oder mimische Interventionen und andere Maßnahmen zur Disziplinierung. Kooperationen mit Kollegen, der gesamten Klasse und langfristige Maßnahmen auf Klassen- oder Schulebene sind dagegen eher selten, obwohl diese, so die Forscher, am nachhaltigsten sind. "Es ist kein Wunder, dass die ergriffenen Maßnahmen oftmals verpuffen und nicht die erhoffte Wirkung erzielen. Auf Dauer wirksamer ist es, die gesamte Klasse und das Kollegium einzubeziehen.

Einzelhilfen dominieren bisher

Bisher dominieren Hilfsangebote für Einzelne in der Praxis, während nur knapp 20 Prozent der Schülerschaft von kooperativen Angeboten berichten. Rund 30 Prozent haben autoritäre Reaktionen durch Lehrkräfte beobachtet", erläutert Schubarth. "Wir haben herausgefunden, dass Lehrkräfte besonders dann intervenieren, wenn ihr Verständnis von Gewalt breit ist und sie beispielsweise soziale Ausgrenzung und Hänseleien erkennen.

Lehrer, deren Verständnis für Gewalt sich auf körperliche Gewalt beschränkt, greifen seltener ein", fasst Bilz zusammen. "Das hat Folgen für die Schüler: In den Klassen, in denen Lehrer ein breites Gewaltverständnis besitzen, gibt es deutlich mehr Mädchen und Jungen, die bei einer Mobbing-Situation einschreiten würden. Wir empfehlen deshalb die Arbeit am Gewaltverständnis der Lehrer und Schüler, um so die Sensibilität zu erhöhen."