| 02:34 Uhr

BTU-Informatiker programmieren Sieger-App

Diese innovativen Jungunternehmer aus Brieske sind für ihre App-Entwicklung während der Computermesse Cebit in Hannover von der Initiative Mittelstand ausgezeichnet worden (v. l.): Steffen Thurian, Marc Richter, Jonathan Philipps und Thomas Purps.
Diese innovativen Jungunternehmer aus Brieske sind für ihre App-Entwicklung während der Computermesse Cebit in Hannover von der Initiative Mittelstand ausgezeichnet worden (v. l.): Steffen Thurian, Marc Richter, Jonathan Philipps und Thomas Purps. FOTO: Steffen Rasche
Brieske. Die erst Ende 2012 gegründete Firma Time4Innovation mit Sitz in Brieske hat einen Senkrechtstart hingelegt. Während der weltgrößten Computermesse Cebit in Hannover hat sie sich bei dem von der Initiative Mittelstand ausgelobten Innovationspreis IT 2014 in der Kategorie Apps gegen namhafte Mitbewerber durchgesetzt und für ihr Baukasten-Prinzip den Siegerpreis errungen. Manfred Feller

Wer das mobile Internet in Form eines Smartphones mit sich herumträgt, erledigt darüber oft Feierabend- oder Freizeitaktivitäten. Ein Fingerdruck auf die Handy-App (vergleichbar mit der größeren Internetpräsenz am Heim-PC) und man erfährt, wie lang ganz aktuell die Wartezeit beim Lieblingsfriseur ist. Oder: Ein Patient hat einen Arzttermin kurzfristig abgesagt. "Sie können sofort kommen", informiert der Mediziner. Oder: Plötzlich steht Besuch vor der Tür. Der will das Seenland per Rad erkunden. Über die App (Applikation) des touristischen Anbieters ist sofort zu sehen, ob und wie viele Fahrräder momentan mietbar sind.

App aus dem Baukasten

Thomas Purps und Jonathan Philipps, zwei der drei Gesellschafter und Gründer der Firma Time4Innovation mit Sitz in Brieske, wissen, dass auch viele Klein- und Kleinstunternehmen, Genossenschaften und sogar Vereine über das mobile Internet den direkten Draht zu ihren Kunden oder Mitgliedern wünschen. "Sie wollen zwar eine individuelle Softwarelösung, aber sie können sie nicht bezahlen", weiß Thomas Purps aus Gesprächen mit Gewerbetreibenden. Der Preis läge im unteren fünfstelligen Bereich. Vielen sei das zu viel.

Genau da haben die vier Entwickler, allesamt ehemalige oder derzeit noch Informatik-Studenten der BTU am Standort Senftenberg, angesetzt. Sie haben, analog dem Gestalten von Web-Seiten, einen "Baukasten" entwickelt, mit dem in Zukunft jeder seine eigene App erstellen kann. Die Einmalkosten liegen im dreistelligen Bereich, plus monatlicher Pflege- und Weiterentwicklungskosten. Die Wissenschaftler, Branchenexperten und Fachjournalisten der für die Initiative Mittelstand tätigen Jury während der Cebit in Hannover beurteilten diese Entwicklung als so wertvoll für die Wirtschaft, dass das junge oder auch Startup genannte Unternehmen aus Brieske in der Kategorie Apps den Innovationspreis IT 2014 zugesprochen bekam. Um den Sieg in den insgesamt 41 Preiskategorien hatten sich nicht weniger als 5000 Unternehmen aus dem Bereich Informationstechnik mit ihren Arbeiten beworben.

Nachwuchs von der BTU

Die drei jungen Leute als Gesellschafter der Firma Time4Innovation sowie der eine Angestellte haben nach eigenen Angaben etwa ein Jahr lang Zwölf-Stunden-Arbeitstage und Geld, auch von der Hausbank und vom Land, als Vorleistung investiert. Dahinein sei auch das Honorar aus dem ersten großen Auftrag eines Konzerns geflossen. Dieser hatte eine mobile Applikation für die Allergieprävention in Auftrag gegeben und erhalten.

Derzeit, so erzählt Jonathan Philipps, seien die Entwickler in hoffnungsvollen Verhandlungen sowohl mit Standorten namhafter Verkaufsketten der Unterhaltungselektronik und der Hotellerie als auch mit lokalen und regionalen Gewerbetreibenden. Thomas Purps (35) aus Drebkau, Jonathan Philipps (25) aus Torgau (jetzt Senftenberg), Marc Richter (25) aus Bad Liebenwerda und Steffen Thurian (26) aus Frankfurt (Oder) haben bereits als Hochschul- und später als BTU-Studenten in Senftenberg gemeinsam an Projekten gearbeitet. "Mit unserer Qualifikation hätten wir bundesweit Arbeit finden können", sagt Jonathan Philipps. Doch die Entwickler wollten auf eigenen Füßen stehen und weiterhin die hervorragende Kooperation zum beiderseitigen Vorteil mit der Universität nutzen. Von dort erhoffen sie sich in der Zukunft auch Verstärkung für ihre kleine, aber bereits preisgekrönte Mannschaft.

Da es sich auf einem Bein schlecht steht, haben die vier Männer bereits neue Pläne. Im medizinischen Bereich sehen sie noch Potenzial. Die Firma Time4Innovation solle kontinuierlich und stabil wachsen. "Wir schauen optimistisch in die Zukunft", sagt Thomas Purps selbstbewusst.