Von Andrea Budich

Maibäume gelten als Symbol für das Leben und die Liebe. Eigentlich. In Schipkau war wenig Liebe im Spiel, als in der Walpurgisnacht 2018 die Fäuste  flogen und zwei Verletzte blutend am Boden lagen. Die Quittung für die Maibaum-Schlägerei haben die beiden Angreifer am Montag vor dem Senftenberger Amtsgericht wortkarg mit gesenktem Blick einkassiert.

Der brutale Angriff kam aus heiterem Himmel. Entsponnen hat sich alles an der scheinbar harmlosen Frage, nach einem Passbild. Ein Spruch aus der Jugendsprache, bei dem ziemlich viel Stress in der Luft liegt, erklären es die Zeugen Strafrichter Harald Rehbein. Aus vollem Lauf hat dann der 24-jährige Marc F. (Namen geändert) einem 33-jährigen Erzieher  aus Schipkau mit der Faust ins Gesicht gedroschen. Bewusstlos und völlig schutzos am Boden liegend, wird er dann von Marc F. und seinem Bruder Tobias mit Füßen traktiert. Das haben am Montag vor dem Amtsrichter drei Zeugen bestätigt. Da nützte es dem Schipkauer Brüder-Duo nichts, dass es vor dem Strafrichter die Fußtritte bestritt. Das Gericht verhängte für die gemeinschaftlich begangene gefährliche Körperverletzung für den einen Schläger ein Strafmaß von einem Jahr und vier Monaten, die der Trockenbauer jetzt absitzen muss. Sein jüngerer Bruder bleibt indes auf freiem Fuß. Seine Freiheitsstrafe von acht Monaten wird zur Bewährung ausgesetzt.

Dabei begann das Schipkauer Maifest vor einem Jahr friedlich und entspannt.  Die Bänder der Maikrone flattern im Wind,  auf dem Außengelände  der Feuerwehr an der Ruhlander Straße versammeln sich immer mehr Schipkauer. Auch die drei Zeugen stehen mit einer Bekannten im Kreis vor dem Bierwagen – nichtsahnend, dass dieser bald zum Tatort wird.  Nach zwei, drei Bier wollen die Freunde ihre Runde auflösen und weiterziehen. Dann aber tritt plötzlich Marc F. auf die Gruppe zu. Man kennt sich, denn Schipkau ist  nicht groß. Der gereizten Passbild-Frage folgen verbale  Provokationen. Dann geht alles  ganz schnell. So schnell, dass die Zeugenaussagen  nach fast einem Jahr nicht  zu  hundert Prozent übereinstimmen. Im Kern aber, und das ist am Ende für Strafrichter Harald Rehbein entscheidend, ist der Tatablauf stimmig. Demnach  schlägt der jüngere Bruder des Täter-Duos so kräftig zu, dass ein junger Mann aus der Zeugen-Gruppe schlagartig zu Boden geht, das Bewusstsein verliert und dabei offenbar einen zweiten, neben ihm stehenden jungen Mann mitreißt. Bis dahin lässt sich der Angeklagte Marc F. auch vor Gericht ein. Dass  er später gemeinsam mit seinem älteren Bruder Tobias auf die zwei völlig schutzlosen am Boden liegenden jungen Männer mit den Füßen eingetreten haben soll, bestreitet er jedoch. Auch sein großer Bruder bleibt bei seiner Aussage, die Rangelei mit einem Glas Bier in der Hand aus einiger Entfernung unbeteiligt verfolgt zu haben.

Bewusstlos am Boden liegend, treffen ein Opfer die Fußtritte der beiden Angreifer im Gesicht besonders heftig. Der 21-jährige Anwärter der Bundespolizei muss nach einer Nacht im Krankenhaus Senftenberg mit gebrochener Augenhöhle und Augenwand zur Gesichtschirurgie ins Carl-Thiem-Klinikum Cottbus  transportiert werden.

Für die gemeinschaftlich ausgeführte gefährliche Körperverletzung, bei der zwei Männer  körperlich misshandelt und  gesundheitlich geschädigt wurden, sind beide Angreifer am Montag verurteilt worden. Weil aber beide unterschiedlich viel auf dem Kerbholz haben, liegt das Strafmaß weit auseinander.

Der jüngere Bruder mit bisher weißer Weste hat zumindest die ersten Schläge gestanden. Er kommt daher mit einem blauen Auge davon.  Seine  achtmonatige Freiheitsstrafe kann zur Bewährung ausgesetzt werden. Zusätzlich muss er 100 Stunden gemeinnützige Arbeit ableisten.

Sein großer Bruder indes ist bereits zwölf Mal rechtskräftig verurteilt worden. Darunter mehrere gefährliche Körperverletzungen. Ein Geständnis konnte bei ihm nicht strafmildernd in die Waagschale geworfen werden. „Irgendwann ist Feierabend. Dann muss es in den Knast gehen“, bringt es Strafrichter Rehbein in der Urteilsverkündung auf den Punkt. Er schickt den Maibaum-Schläger für ein Jahr und vier Monate ins Gefängnis.

Gegen das Urteil können noch Rechtsmittel eingelegt werden.