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| 21:34 Uhr

Diebstähle
Bronzeskulpturen jetzt unter Verschluss

Im vergangenen Jahr hatten es Diebe erneut auf das Bronzeporträt an der Hermann-Kuhnt-Stele am Parkplatz Mingau abgesehen. Anders als 2013 blieb es dieses Mal aber beim Versuch.
Im vergangenen Jahr hatten es Diebe erneut auf das Bronzeporträt an der Hermann-Kuhnt-Stele am Parkplatz Mingau abgesehen. Anders als 2013 blieb es dieses Mal aber beim Versuch. FOTO: Jan Augustin / LR
Senftenberg. Dreiste Metalldiebe machen in und um Senftenberg auch vor Kunstwerken und Denkmalen nicht Halt. Deshalb stellt die Stadt ihre Kunst vorsorglich lieber sicher. Die Originale sollen nun durch weniger wertvolle Kopien ersetzt werden. Von Jan Augustin

Der quadratmetergroße Sockel im Senftenberger Schlosspark sieht erbärmlich aus. Der Putz bröckelt an allen Stellen, gelöste Mauersteine liegen neben dem Fundament, die Betonplatte ist kaputt. Das Bauwerk wittert vor sich hin, weil ihm im Sommer vergangenen Jahres der Sinn genommen wurde: der „Sitzende weibliche Akt“ des in Lauchhammer geborenen Bildhauers Siegfried Krepp. Kunsträuber, die es vermutlich allein auf den Metallwert abgesehen haben, ließen die fast lebensgroße Figur über Nacht verschwinden. Der Schaden: rund 40 000 Euro. Für die Kunstsammlung Lausitz ist der Diebstahl ein „großer Verlust“. Von der Statue und den Tätern gibt es bis heute keine Spur. Das bestätigt Museumsdirektor Stefan Heinz.

Keine 50 Meter entfernt, vor der ehemaligen Galerie am Schloss, wartet ein weiterer Sockel, ebenso trostlos, auf seine Bestimmung.­ Bis Juni vorigen Jahres war hier die Betonskulptur „Mutter mit Kind“ fest verankert. Vandalen rissen sie achtlos zu Boden. Nun liegt sie behütet im Schlosshof und soll, wenn das Podest wieder repariert ist, wieder aufgestellt werden. Passiert ist seitdem trotz Zusage des Eigentümers, des Landkreises Oberspreewald-Lausitz, aber noch nichts.

Die Liste geklauter und beschädigter Denkmäler in Senftenberg ist noch länger. Im vergangenen Jahr hatten es Diebe erneut auf das Bronzeporträt an der Hermann-Kuhnt-Stele am Parkplatz Mingau abgesehen. Anders als 2013 blieb es dieses Mal aber beim Versuch. Die Platte wurde trotzdem beschädigt und musste wieder repariert werden. Verschwunden sind im vergangenen Jahr zudem die Bronzeplastiken „Badende Jungen“ von Ernst Sauer vor dem Eingang des Senftenberger Erlebnisbades und „Die Stehende“ von Jürgen von Woyski am Haupteingang der Stadtwerke.

Aus Angst noch mehr Kunst zu verlieren, hat die Stadt die Reißleine gezogen. Ihre bleibenden Bronzeplastiken stehen seitdem fest verschlossen in Sicherheit: „Die Hockende“ (Jürgen von Woyski) ehemals vor dem Stadtwerke-Eingang, die vier Bronzefiguren „Spiele am Wasser“ (Ernst Sauer), die am Neumarkt standen, sowie die überlebensgroße Bronzefigur am Mahnmal für die Opfer des Faschismus und Militarismus im Schlosspark von Ernst Sauer. „An dieser Plastik wurden Spuren eines möglichen Diebstahls entdeckt“, erklärt Stadtsprecher Andreas Groebe. Während „Die Stehende“ nachgegossen wird und das mit der Plastik „Badende Jungen“ ebenfalls geplant ist, gibt es noch eine andere Idee: Von allen Bronzeplastiken könnten Kopien aus weniger wertvollem Material angefertigt werden, um sie dann wieder im öffentlichen Raum aufzustellen, sagt Groebe. Die Originale sollen weiter unter Verschluss bleiben. „Vom Wiederaufstellen der derzeit sichergestellten Bronzeplastiken im unbeschränkt zugänglichen öffentlichen Raum wird momentan abgesehen“, so Groebe.

Senftenberg ist nicht die einzige Stadt, die ein Problem mit Metalldieben hat. In der Kriminalitätsstatistik für die Lausitz nimmt der Landkreis Oberspreewald-Lausitz in diesem Bereich einen vorderen Platz ein. Nur in Cottbus/Spree-Neiße registrieren die Beamten noch mehr Delikte. In Großräschen sind im vergangenen Jahr Innenschriften und Gedenktafeln geklaut worden. „Es ist aber kein Massenphänomen“, sagt Bürgermeister Thomas Zenker (SPD). Ähnlich wie in Senftenberg sollen die Gedenktafeln aus Metall nun durch Kunststoffkopien ersetzt werden. Auch Lauchhammer bleibt nicht verschont. 2016 war hier die Statue „Mann am Martinsofen in der Grünanlage Grünewalder Straße erheblich ramponiert worden. Ein Jahr später wurde der Sockel der „Germania“ am Dietrich-Heßmer-Platz beschädigt, Anfang dieses Jahres die Froschstatue an Sandsteinbrunnen. „Da die Statuen sehr gut befestigt sind, war der Versuch des Diebstahls auch bisher wohl eher erfolglos, was allerdings die Beschädigung provoziert hat“, teilt Stadtsprecherin Rotraud Köhler mit. Überlegungen, die Figuren durch Nachbildungen zu ersetzen, gebe es derzeit nicht. „Vandalismus ist durch Ersatzskulpturen letztendlich auch nicht auszuschließen“, sagt Köhler.

Der Putz bröckelt an allen Stellen, gelöste Mauersteine liegen neben dem Fundament: Von der „Sitzende weibliche Akt“ im Schlosspark ist nur noch der kaputte Sockel übriggeblieben.
Der Putz bröckelt an allen Stellen, gelöste Mauersteine liegen neben dem Fundament: Von der „Sitzende weibliche Akt“ im Schlosspark ist nur noch der kaputte Sockel übriggeblieben. FOTO: Jan Augustin / LR
Vor der ehemaligen Galerie am Schloss wartet ein weiterer Sockel auf seine Bestimmung. Bis Juni vorigen Jahres war hier die Betonskulptur „Mutter mit Kind“ fest verankert. Vandalen rissen sie zu Boden.
Vor der ehemaligen Galerie am Schloss wartet ein weiterer Sockel auf seine Bestimmung. Bis Juni vorigen Jahres war hier die Betonskulptur „Mutter mit Kind“ fest verankert. Vandalen rissen sie zu Boden. FOTO: Jan Augustin / LR