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Brieske ist das Wasserdorf

Brieske. Das Dorf Brieske gilt heute als einer der reizvollsten Stadtteile, die Senftenberg zu bieten hat. Idyllisch erstreckt sich der Ort mit seinen alten Bauernwirtschaften an Wollschinka und Schwarzer Elster. Doch beide Wasserläufe brachten in alten Zeiten nicht selten Ungemach. Torsten Richter-Zippack

Die Menschen sind in der Regel froh, wenn der Winter zu Ende geht und das Frühjahr kommt. Doch in Brieske haben die Menschen der wärmeren Jahreszeit noch vor 170 Jahren mit sehr gemischten Gefühlen entgegengesehen. Anlass zur Sorge bildete die Lage des Dorfes in unmittelbarer Nähe der Schwarzen Elster und der Wollschinka, einem winzigen Nebenfluss, der mehr einem Graben gleicht. Denn wenn im Quellgebiet der Elster, südlich von Kamenz, die Schneeschmelze einsetzte, brachte der Fluss das nunmehr flüssige Element nach Brieske.

Aus dem Geschichtsbuch

Was dann passierte, hat der Senftenberger Hauptlehrer Paulitz zu Beginn des 20. Jahrhunderts wie folgt beschrieben: "Dann stürzten die Wasser aus dem Höhenland bebend zu Tale, aber in dem flachen Tale hatten sie einen langsamen Lauf und blieben hier oft acht bis 14 Tage stehen, wenn sie die Gegend überflutet hatten." Aufgrund der langen Zeitspanne verfaulte das Futter, und das Vieh musste darben. Nicht zuletzt soll so manche alte Hütte von den Fluten mitgerissen worden sein.

Im Urstromtal gelegen

Grund für diese missliche Situation war die Briesker Lage inmitten des Lausitzer Urstromtals. Wegen des geringen Gefälles floss das Wasser nur sehr langsam ab und konnte somit große Schäden anrichten.

Ähnliches ist auch aus benachbarten Orten wie Naundorf (heute Schwarzheide-Ost), Ruhland, Dolsthaida (Lauchhammer-Süd), Mückenberg (Lauchhammer-West) und Plessa bekannt. In schlechten Jahren passierte dies sogar mehrfach. So glich das Land an der Schwarzen Elster gar nicht selten dem Spreewald.

Regulierung der Elster

Erst im Zuge der Regulierung und Begradigung des Flusses in der Mitte des 19. Jahrhunderts besserte sich die Situation. Seitdem gleicht die Schwarze Elster eher einem Kanal als einem natürlichen Fließgewässer. Für die Briesker, so schreibt Paulitz, brachte diese Maßnahme erhebliche Vorteile. "Dadurch steigerten sich die Erträge von Wiese und Feld", schreibt der Heimatforscher.

Landschaftliche Veränderung

Doch bereits um die vorvorige Jahrhundertwende folgten die Vorboten der nächsten massiven Landschaftsveränderung. Denn in der Briesker Flur gab es Bohrungen, die nicht unerhebliche Kohlevorkommen versprachen. Durch den Aufschluss der Grube Marga nördlich von Brieske musste das Grundwasser massiv abgesenkt werden.

Pumpen im Einsatz

Um das Jahr 1910 kamen dazu 20 große Pumpen zum Einsatz. Diese entzogen dem Boden pro Minute um die 20Kubikmeter Wasser. "Was in alter Zeit die Briesker Flur an Wasser zu viel hatte, hatte sie nun wieder zu wenig", kommentierte Paulitz. Die Böden wurden zunehmend trockener und damit auch ertragsärmer.

Bereits um das Jahr 1930 soll der Grundwasserspiegel im Briesker Dorf wieder leicht angestiegen sein, da sich das Kohleabbaugeschehen nach Osten verlagert hatte. Allerdings wurde die alte, ausgekohlte Grube per Spülverfahren zugeschlemmt. Möglicherweise hatte dieses Verfahren auch einen gewissen Anstieg des Wasserspiegels zur Folge.

Aktuelle Wasserkämpfe

Heute kämpfen die Briesker erneut mit dem Wasser. Besonders in Brieske-Ost, nahe dem Wollschinka-Graben, gibt es inzwischen zahlreiche feuchte Keller. Durch das Ende der Kohlenförderung im Senftenberger Revier sowie durch den nahen Senftenberger See, so wird vermutet, befinde sich das nasse Element wieder auf dem Vormarsch.

Um diesem Phänomen nachhaltig zu begegnen, planen die Bergbausanierer von der LMBV zwei Brunnenanlagen, die die über 150 betroffenen Gebäude dauerhaft trockenhalten sollen. Das überschüssige Wasser, so die Idee, werde dann nach einer Reinigung in die Schwarze Elster abgeleitet.

Deiche schützen

Apropos Schwarze Elster: Hochwasser führt der Fluss hin und wieder auch in der heutigen Zeit. Doch die Briesker sowie weitere Anwohner des Flusses sind durch entsprechende Deiche geschützt. Der "Briesker Spreewald" dürfte damit nur noch in den Geschichtsbüchern für Aufsehen sorgen.