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| 20:16 Uhr

Bergbausanierung
Braunkohlen-Arbeitskreis wird dreistellig

Wolfgang Klepsch (l.) und Norbert Tschirner sind beide von Anfang an im Arbeitskreis Meuro/Seengebiet dabei. Sozusagen seit 100 Sitzungen.
Wolfgang Klepsch (l.) und Norbert Tschirner sind beide von Anfang an im Arbeitskreis Meuro/Seengebiet dabei. Sozusagen seit 100 Sitzungen. FOTO: Catrin Würz / LR
Senftenberg/Großräschen. Ein besonderes Jubiläum: Der Braunkohle-Arbeitskreis Meuro/Seengebiet tagt am heutigen Mittwoch zum genau 100. Mal. Schon seit dem Jahr 1991 steht dieses Gremium für Transparenz und öffentliche Mitwirkung im Braunkohlen- und Sanierungsbergbau der Region. Von Catrin Würz

An die allererste Sitzung kann sich Dr. Norbert Tschirner noch gut erinnern. „Die hat im Juni 1991 in der Gaststätte ,Seestern“ in Großkoschen stattgefunden. Da ging es im Wesentlichen auch darum, sich erstmal zu finden und die eigenen Aufgaben und Ziele zu definieren“, erinnert sich der heute 73-Jährige aus Brieske. Tschirner - Bergmann, Ingenieur, promovierter Geotechniker und damals Mitglied des Senftenberger Kreistages - hat als Mann der ersten Stunde den Vorsitz im neu gegründeten Arbeitskreis Meuro/Seengebiet übernommen. Nahezu 24 Jahre stand er danach an der Spitze dieses Gremiums, in dem er auch heute noch ehrenamtlich mitarbeitet und nun die 100. Sitzung mitbestreitet. Vier Sanierungspläne - von der Restlochkette Sedlitz-Skado-Koschen, über Meuro-Süd und Meuro bis Heide - hat der Briesker in dieser Zeit mit begleitet. Er hat von allen vier Dokumenten noch immer ein Exemplar zu Hause. „Der Arbeitskreis - das ist eine spannende Aufgabe, bei der man immer Neues kennenlernt. Eine ehrenamtliche Arbeit, mit der man auch etwas für seine Heimat bewirken kann“, sagt Norbert Tschirner heute.

Kurz nach der politischen Wende 1989/90 wurde der Ruf nach einem öffentlichen Mitspracherecht zu den Themen Braunkohlenbergbau und Bergbausanierung laut. „Es gab natürlich auch während der DDR-Zeit schon Betriebspläne und Abschlusspläne für die Bergbaunachfolge, Aber in diese Dokumente bekamen fast ausschließlich amtliche Stellen und Behörden Einblick“, erinnert sich Wolfgang Klepsch, der heute den Arbeitskreis Meuro/Seengebiet leitet. 1990 wurde deshalb der Braunkohlenausschuss Brandenburg gegründet, der seinen Sitz im Zentrum des Lausitzer Bergbaureviers in Cottbus bekam. Dem Ausschuss gehörten von nun an neben den betroffenen Kommunen, dem Bergamt oder Gewässerverbänden eben auch Kirchen, Unternehmer- und Wirtschaftsverbände, Naturschutzverbände und beispielsweise die Domowina als Vertreter der Sorben an. Um konkret und regio­nal arbeiten zu können, wurden acht regionale Arbeitskreise gebildet: Einer davon ist der Arbeitskreis Meuro/Seengebiet. Ein zweiter Arbeitskreis in der Senftenberger Region beschäftigt sich mit dem Raum Lauchhammer und Tröbitz-Domsdorf. „Auch dieser Arbeitskreis wird nächste Woche zum 100. Mal tagen“, weiß Christiane Gottschalk, Sachbearbeiterin beim Landkreis Oberspreewald-Lausitz für den Bereich Bergbau- und Sanierungsplanung. Bei ihr laufen seit vielen Jahren die organisatorischen Fäden für beide Arbeitskreise zusammen.

Wolfgang Klepsch - bis zu seinem Ruhestand 2009 beim Landkreis OSL für Planungsfragen zuständig - arbeitet inzwischen auch schon 24 Jahre im Arbeitskreis mit und übernahm vor knapp drei Jahren die Leitung. „Ich erinnere mich noch genau an die Anfänge: Es sind sehr viele gegensätzliche Interessen aufeinander geprallt. Es gab eine große Ungeduld, was nach dem Bergbau in unserer Region kommen mag - und viele kühne Ideen. Nicht alle waren zu verwirklichen.“ Lächelnd erinnert sich der 68-Jährige zum Beispiel an das Karl-May-Land - eine Idee für den Geierswalder See. Oder an den Vorschlag, eine befahrbare Röhre durch den Großräschener See zu bauen. Manche kühne Vision war technisch oder finanziell nicht umzusetzen.

Realisiert sind jedoch heute die schiffbaren Verbindungen zwischen den Seen, ein Hafenbecken für Großräschen mit einer See­brücke, die aus den Teilen des letzten Absetzers im Tagebau Meuro errichtet wurde. Eine besondere Erinnerung wert ist für Wolfgang Klepsch und Christiane Gottschalk auch das kleine Eichenwäldchen im Osten des Tagebaus Meuro, für dessen Erhalt der Arbeitskreis einst besonders gerungen hatte. „Wir sehen uns als Mittler und Moderator. Wir haben die Chance, Vorschläge, Anregungen, Stellungnahmen und Kritik zu den Sanierungsplänen, Flächennutzungen und den Wasserhaushalt einzubringen“, so Klepsch. Zwar habe der Arbeitskreis keine beschließende Kraft. „Aber es geht um Meinungsaustausch, Transparenz und regionale Mitwirkung.“ Wie bei einem Scharnier, das die Sanierungsbergleute, die Kommunen, die Fachämter, die Gesetzgeber und den Bürger miteinander verbindet. Und das seit 100 Sitzungen.