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Tourismus-Entwicklung
Förder-Irrsinn bremst auch Lausitzer Gastgeber

Mandy Schulze hat das Schwarzbacher Gutshof-Cafe mit viel Herzblut liebevoll aufgebaut. Aus eigener Kraft mit Hilfe der Familie. In die viel gepriesenen Fördertöpfe zu greifen, indes gelingt ihr als Kleinstunternehmerin nicht.
Mandy Schulze hat das Schwarzbacher Gutshof-Cafe mit viel Herzblut liebevoll aufgebaut. Aus eigener Kraft mit Hilfe der Familie. In die viel gepriesenen Fördertöpfe zu greifen, indes gelingt ihr als Kleinstunternehmerin nicht. FOTO: Steffen Rasche
Schwarzbach. Landesprogramm für Kleinstunternehmen der Tourismusbranche an Radwegen ist ein Witz. Von Kathleen Weser

Im Lausitzer Seenland mit den gut ausgebauten Radwegen sind Touristen gut und gern unterwegs. Da sollte die Botschaft, dass die Radtourismus-Förderung des Ministeriums für Wirtschaft und Energie taufrisch „ausgedehnt“ worden ist, auch bei den bemühten Gastgebern für Freude sorgen. Das aber ist mitnichten der Fall. Denn die  vollmundig für „kleine Unternehmen“ angepriesene Landesförderung ist für die Zielgruppe mehr als nur eine Nummer zu groß. Perfekter kann ein Förderpaket, das nicht ausgeschöpft werden soll, nicht geschnürt werden.

Das stellt auch Mandy Schulze (43), Inhaberin des liebevoll eingerichteten „Cafès am Gutshof“ in Schwarzbach enttäuscht fest. Vor zwei Jahren hat die Hotelfachfrau, die lange in Nordrhein-Westfalen gearbeitet und ihre Familie in der alten Heimat gegründet hat, ein gemütliches Café eröffnet. Die Mutter, eine begnadete Konditorin und Köchin, hatte die Idee von einem Urlaub an der Ostsee mitgebracht. Dort hatte ihr eine kleine, feine Gastronomie sehr gefallen. „Wir haben geplaudert und uns gesagt, das können wir hier auch auf die Beine stellen“, erzählt Mandy Schulze. Die Fachfrauen in Küche und Hotel haben die ganze Familie angesteckt - Schritt für Schritt ist ausschließlich aus eigenen Mitteln mit ureigener Kraft die Scheune ausgebaut worden. Und das hübsche Café mit 30 Plätzen, in dem vorerst ausschließlich an Sonn- und Feiertagen selbst gebackener Kuchen und die legendären Torten der Mutter zum frischen Kaffee krendenzt werden, wird hauptsächlich von Radtouristen angesteuert. Und das ausnehmend gern. Überregionale Radler-Routen liegen fast direkt am Weg. Mandy Schulze ist damit prädestiniert für die neu aufgelegte Radtourismus-Förderung. Denn nunmehr hat sie ins Auge gefasst, den nächsten Schritt zum Qualitäts-Imbiss mit Mittagsangeboten zu wagen. Doch die Finanzspritze kann sie praktisch vergessen.

Die Unternehmerin führt zwar den „radtouristisch ausgerichteten Betrieb“ - wie gefordert - innerhalb der 7-Kilometer-Zone eines der 29 Fernradwege auf brandenburgischem Boden. Die Mindest-Investitionssumme von 60 000 Euro aber ist für einen Kleinstbetrieb so extrem hoch, dass ein Antrag unrealistisch ist. „Die Förderbedingungen sind auch in anderen Programmen so bürokratisch, dass sich kleine Einzelunternehmer gar nicht wirklich damit befassen können“, stellt Mandy Schulze fest. Die Hotelfachfrau kennt das Geschäft. Sie stattet Feiern aus - vom blütenweißen Tischtuch bis zum Kellnerservice. Mit der familiären Gastronomie, von der sie allein nicht leben könnte, macht sie ihr Hobby zum Beruf. Und Mandy Schulze, die die Küche längst dafür flott gemacht und das auch teilweise kreditfinanziert hat, wird das Radler-Mittagangebot auch ohne öffentliche Zuschüsse stemmen. Daran lässt die couragierte Frau keinen Zweifel. Denn sie liebt ihren Heimatort Schwarzbach und will hier auch alleinstehende Senioren, die das Kochen selbst aufgeben mussten, gern mit versorgen. Die Daseinsfürsorge im ländlichen Raum lässt im Lebensalltag immer stärker zu wünschen übrig. „Ich tüftle schon an den Rezepten, die gesunde Hausmannskost und unbedingt regional sein sollen“, erzählt sie. Partnerschaften mit heimischen Erzeugern und Handwerkern sind der kritischen Frau dabei sehr wichtig. Dass die Ruhlander Traditionsbäckerei Jacobi die kleinen Brotlaibe für die herzhaften Suppen liefert, das steht schon fest. Durch den Fall hat sich Mandy Schulze bereits durchgekostet. Vielleicht kann sie dann auch Politikern, die an der teils irrsinnigen und realitätsfremden Förderpolitik etwas ändern könnten, das wahre Leben in der gastronomisch noch unterentwickelten Reiseregion schmackhafter machen.