Lübbenau. Indianer verteidigten einst mit Pfeil und Bogen ihr Land, Robin Hood und seine Gefolgsleute die Rechte der armen Leute. Beim Wettbewerb um den Spreewaldpokal in der Lübbenauer Sporthalle in der Pestalozzi-Straße zeigen geübte Sportbogenschützen, dass sie ihren "Urvätern" in Sachen Treffsicherheit in nichts nachstehen. Teilnehmer aus fünf Vereinen wetteifern in fünf Klassen um die Krone der besten Hallenbogenschützen in der Region. Abgesehen von Amors Pfeilen, die jeden treffen können, werden die Waffen beim zeitgenössischen Bogenschießen nicht mehr auf Personen gerichtet. Auf Zielscheiben, die in 18 Metern Entfernung aufgestellt sind und je nach Bogenklasse unterschiedliche Durchmesser besitzen, sollen die Pfeile landen. Dafür dürfen dem Schützen keine gravierenden Fehler unterlaufen. "Das Bogenschießen ist äußerst komplex. Pro Schuss können 20 verschiedene Sachen verkehrt gemacht werden", erklärt Martin Natusch. "Die richtige Dosis aus je rund einem Drittel Kraft, Technik und Konzentration entscheidet über Erfolg oder Misserfolg", so der 63-Jährige, der aufgrund einer Verletzung pausieren muss.Vom selben Schicksal getroffen ist auch Lübbenaus TSG-Abteilungsleiter Bogensport, Ralf Brehmer. Der amtierende ostdeutsche Meister in der Compound-Klasse Ü 45 hadert jedoch nicht mit dem Los. So ist es ihm nämlich vergönnt, das Wettkampfverhalten seiner Schützlinge genauer zu beobachten oder Kampfrichterin Heike Gleitsmann aus Spremberg mit seinem Fachwissen zu dienen. "Über die erzielten 534 Ringe von Nick Ratzmann freue ich mich riesig. Der Junge ist ein Rohdiamant, der es im Bogensport ganz weit nach vorn bringen kann", resümiert Ralf Brehmer. Im gleichen Atemzug erwähnt der 49-Jährige, dass Nick Ratzmann mit seinem Vater einen bestmöglichen Förderer hat. "Ich hatte mal meinen Neffen zum Training begleitet und bin dann selbst beim Bogenschießen hängen geblieben", erzählt Holger Ratzmann. Sein zweiter Platz (552 Ringe) bei den Compound-Schützen der Ü 45-Klasse lässt nicht darauf schließen, dass der Einstieg in den Sport erst knapp drei Jahre zurückliegt. Zudem ist der 48-Jährige auch als Bogenbau-Spezialist ein gefragter Mann. "Das Reparieren und Einstellen von Bögen sowie Pfeilebauen zählt zu seinem Metier. Durch die Familie Ratzmann hat unser Bogenschützenverein bedeutend an Substanz gewonnen", lobt Ralf Brehmer.Lübbenaus erster Bogenschütze wertet die vierte Durchführung des Spreewaldpokals als das lokale Winter-Ereignis zwischen zwei Höhepunkten: Der Einweihung der neuen Wettkampfanlage vor wenigen Monaten folgt am 4. Juli die Ausrichtung der Landesmeisterschaften nach den Regeln der F.I.T.A. (Federation Internationale de Tir A L´arc), bei der bis zu 100 Teilnehmer erwartet werden. "Wir sind erstmals Ausrichter des Wettbewerbs, hoffen, dass dieses gewichtige Sportereignis neugierig macht und sich anschließend Zaungäste für einen kostenlosen Schnupperkurs bei uns anmelden", sagt Ralf Brehmer. Uwe Hegewald