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| 09:49 Uhr

Fahrgastschiff auf dem Weg nach Niemtsch gestoppt
Inselteile rutschen in Senftenberger See

Rutschung am Senftenberger See FOTO:
Senftenberg/Niemtsch. Am Donnerstagmorgen haben sich Erdmassen und ganze Baumreihen gelöst. Das Gewässer bleibt vorerst im Bereich der Niemtscher Bucht im westlichen Teil sowohl see- als auch landseitig gesperrt. Von Catrin Würz und Jan Augustin

Am Senftenberger See sind schlimmste Befürchtungen jetzt wahr geworden: In den Morgenstunden des Donnerstag ist ein Teil der Insel vor dem Strandbereich Niemtsch in das Gewässer abgerutscht. Wie eine Allee reihen sich abgegangene Bäume und Büsche auf der Seefläche schwebend dort auf, wo zuvor nichts als Wasser war. Unter der Wasseroberfläche müssen sich zugleich Erdmassen von bislang noch unklarem Volumen bewegt haben - und sind wahrscheinlich weiterhin in Bewegung. Bergtechniker, Geologen und Sanierungsexperten haben gegen Mittag bei einer ersten Vor-Ort-Begehung auch noch ziemlich besorgt und ratlos die Köpfe zusammengesteckt. Über Ursache, Umfang und endgültige Konsequenzen dieses geotechnischen Ereignisses gibt es deshalb am Donnerstag zunächst nur sehr spärliche Informationen.

Die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV) bestätigt eine Böschungsbewegung, die sich jedoch innerhalb des von Bojen gekennzeichneten Sperrbereiches ereignet hat. Personen werden dabei nicht verletzt und auch Sachschäden sind nach bislang vorliegenden Informationen nicht zu beklagen. Dennoch hat die Rutschung wohl erhebliche Konsequenzen: Als erste Maßnahme nach dem Ereignis wird noch am Donnerstag der Bereich der Niemtscher Bucht im westlichen Teil des Senftenberger Sees sowohl see- als auch landseitig temporär gesperrt, teilt LMBV-Vizesprecherin Stefanie Klein mit. Weitere Untersuchungen sind angekündigt.

Klaus Brinschwitz, Inhaber und Leiter der Wassersportschule Senftenberger See am Strand von Niemtsch, dürfte am Donnerstagmorgen einer der ersten gewesen sein, die die Rutschung registriert haben. Gegen 7.20 Uhr nimmt der Wassersportler sein morgendliches Bad im See. „Und plötzlich war da diese Baumreihe im Wasser vor der Insel“, erzählt er. „Ich wusste sofort, was passiert war“, so Klaus Brinschwitz. Schon vor rund 15 Jahren hatte er einmal ein Setzungsfließen im Senftenberger See miterlebt. Er greift zum Telefon und informiert den Chef des Zweckverbandes Lausitzer Seenland.

Als später die ersten Fachleute der LMBV nach Niemtsch kommen, stellt Brinschwitz sein Rettungsboot für eine erste Erkundung auf dem Wasser zur Verfügung. „Da waren überall schwimmende Bäume im Wasser und Flachstellen, wo vorher noch keine waren“, schildert er seine Beobachtungen. Als dann plötzlich das Fahrgastschiff vor dem Senftenberger Stadthafen auftaucht, muss alles ganz schnell gehen. „Wir fuhren dem Schiff entgegen und stoppten es. Eine Weiterfahrt nach Niemtsch durch die neu entstandenen Untiefen und durch das Treibgut hätte böse ausgehen können“, erzählt der Wassersportlehrer.

Im See, der momentan einen sehr niedrigen Wasserstand aufweist, muss im Zuge der Rutschung ein kleiner „Mini-Tsunami“ aufgetreten sein. Die LMBV geht von einer Schwallwelle von einem halben bis zu einem Meter aus.

Gunther Sell, Inhaber der Fischerei Senftenberger See, hat um die mutmaßliche Zeit der Rutschung – nach um sieben Uhr morgens – in seiner Räucherei am Ufer gearbeitet. „Aber dort war nichts zu spüren, keine Erschütterung“, berichtet er. Erst als lauter Treibholz anlandet, bemerkt der Fischer das Geschehene. Seine Erschütterung kann er kaum verbergen. „Das macht mir Sorgen, was das nun für uns bedeutet.“

LMBV-Pressesprecher Uwe Steinhuber verweist gegenüber RUNDSCHAU auf die vor dem Saisonstart im Mai kontrovers geführte Diskussion um die Erweiterung des Sperrgebietes im See. „Die Insel ist gesperrtes Land und befindet sich noch im Bergrecht. Von den locker gelagerten Kippen geht weiter eine Gefahr aus, auch wenn das jetzt viele Jahre nicht zu spüren war“, erklärt er. Und: „Es war richtig, dass niemand dem touristischen Druck nachgegeben hat.“

Der gleichen Meinung ist Senftenbergs Bürgermeister Andreas Fredrich (SPD). „Die Sperrschilder stehen nicht umsonst“, betont er. Es könne in diesen Gebieten immer noch zu Gefährdungen kommen. Das Stadtoberhaupt zeigt sich in Sorge: „Ich appelliere an alle Bürgerinnen und Bürger, alle Gäste, die Sperrbereiche nicht zu betreten.“

Klaus Brinschwitz, Inhaber der Wassersportschule, hat verhindert, dass das Fahrgastschiff in die nach der Rutschung gefährlichen Untiefen und ins Treibholz bei Niemtsch steuert.
Klaus Brinschwitz, Inhaber der Wassersportschule, hat verhindert, dass das Fahrgastschiff in die nach der Rutschung gefährlichen Untiefen und ins Treibholz bei Niemtsch steuert. FOTO: LR / Catrin Würz
Rutschung am Senftenberger See FOTO: