Von da aus gelangte er zu meiner Großmutter nach Dresden. Er war wohl ein Geschenk für ihren Gemüsegarten.
Da dieser Spaten ein kurzer Spaten ist, war er für meine kleine Großmutter „wie gemacht“ . Vom Blatt bis zum
T-Griff misst er etwa 80 Zentimeter. Der sauber gearbeitete Stiel ist aus bestem Eschenholz und das Blatt am Schaftansatz genietet.
Im Herbst 1968 habe ich dann den Spaten für den neuen Garten meiner Familie in Hoyerswerda bekommen. Unser Schrebergarten liegt am Stadtrand. Die Gartenanlage, in der er sich befand, sollte zur blühenden Landschaft an der Tagebaukante werden. Es war ein hartes Stück Arbeit. Natur pur, eine Lobby für die Natur - das war unsere Devise. Als Ur-Dresdener wollten wir beweisen, dass am Rande des entwässerten Tagebaus in der Lausitzer Braunkohleregion etwas Schönes wächst. Die Arbeit begann mit einem symbolischen „ersten Spatenstich“ und ging zügig weiter.
Beim Erwerb der Ziegel für meine Steinlaube setzte ich selbigen Spaten im Frühjahr 1969, als Groß Partwitz dem Tagebau weichen musste, noch einmal tatkräftig ein. Da er aber schon sehr betagt war, kam das gute Stück fortan nicht mehr zum Einsatz. Der Spaten wurde dann im späteren Verlauf im Schuppen aufbewahrt.
Jetzt gebe ich meinen hundertjährigen Spaten für immer aus der Hand. Wer weiß, vielleicht bringt er mir ja im „Fürst-Pückler-Land“ als Ausstellungsexponat an der Tagebaukante noch einmal Glück?