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Blaumeisen machen sich rar

Brutmöglichkeiten und Nistkästen gibt es auf dem Grundstück von Horst Gärtner aus Lauchhammer in Hülle und Fülle.
Brutmöglichkeiten und Nistkästen gibt es auf dem Grundstück von Horst Gärtner aus Lauchhammer in Hülle und Fülle. FOTO: Kupfer
Lauchhammer. Die Inventur in der heimischen Vogelwelt bei der "Stunde der Gartenvögel" wurde erfolgreich abgeschlossen. Stare und Haussperlinge am stärksten vertreten. Rudolf Kupfer

Zu den Naturfreunden, die am Wochenende der Frage nachgegangen sind, wie es um die heimische Vogelwelt bestellt ist, gehört Horst Gärtner aus Lauchhammer. Bereits zum 8. Mal beteiligt sich der 68-Jährige an der bundesweiten Aktion "Stunde der Gartenvögel". Exakt nach der Vorgabe hat Gärtner am Sonnabend Vormittag eine Stunde gezählt. Das fällt ihm nicht schwer, weil er den Bestand aus dem Effeff kennt. Auf Tuchfühlung mit seinen gefiederten Freunden geht er schließlich an 365 Tagen im Jahr. Dazu gehört der Buchfink Hermann, der seit Jahren über der Tür an seiner Werkstatt brütet. Er hat auch das Gewitter vom 12. Mai mit seinem Ruf "Dreck, dreck,dreck!" frühzeitig angekündigt.

Der Gesang der Nachtigallen im benachbarten Schlosspark ist nachts so intensiv, dass zeitweise die Fenster geschlossen werden müssen. Sein Augenmerk gilt besonders den Schwalben, auf die er in diesem Jahr vergeblich lange Ausschau gehalten hat. Erst am 10. Mai um 8.35 Uhr sind zwei Mehlschwalben eingeflogen. Einen Monat später als üblich, aber noch rechtzeitig vor der Zählung. Sorgen bereiten ihm in diesem Zusammenhang die Waschbären, die die Schwalbenbrut immer wieder zerstören.

Am Wochenende hat Horst Gärtner 17 verschiedene Arten mit insgesamt 52 Vögel auf seinem Grundstück erfasst. Dieses positive Ergebnis hat viele Ursachen, so der Naturschützer. In Notzeiten wird gefüttert, ständig steht Tränkwasser zur Verfügung und es gibt bei ihm Möglichkeiten zum Brüten für die Vögel, auch Nistkästen. Besonders freut er sich über den Bestandszuwachs im benachbarten Schlosspark. Die großen Verluste nach dem verheerenden Orkan Kyrill 2007 wurden in den vergangenen Jahren wieder ausgeglichen.

Auch der in der Region mit seinem Starenkasten bekannte Kameramann Klaus Hirsch in Großkoschen hat am Wochenende den Vogelbestand in seinem Hausgarten gezählt. Sorge bereitet ihm, dass er dieses Mal keine einzige Blaumeise beobachtet hat. Alle vorhandenen sechs Nistkästen sind bisher ungenutzt. Bei elf Arten waren die Stare mit 13 Stück am stärksten vertreten.

Ganz im Trend der letzten Jahre liegen die Ergebnisse des 14-jährigen Tobias Hanisch, die er mit seinem Opa in Lindenau gemacht hat. Hier dominiert mit Abstand der Haussperling. Immerhin wurde ein Schwarm von 21 Exemplaren gezählt. Auch acht Mehlschwalben sind in der Scheune heimisch und willkommen.

Die Bestandsentwicklung der heimischen Vogelwelt ist von vielen Faktoren abhängig, betont Ornithologe Werner Blaschke aus Lauchhammer. Die Erfahrungen, die es in der Region gibt, die Bestände zu erhalten und vom Aussterben bedrohte Vögel zu schützen, müssen noch intensiver genutzt werden. Die Vogelzählung macht in besonders auf diese Zusammenhänge aufmerksam. Der Vorsitzende des NABU- Regionalverbandes Senftenberg, Karl-Heinz Marschka, ist gespannt auf die Ergebnisse vom Wochenende. "Die bundesweite Aktion nutzen wir für unsere weitere Arbeit," so der Vorsitzende. Um die in ihrem Bestand gefährdeten Schwalben zu schützen, wird 2017 erneut die Plakette "Schwalben willkommen" vergeben.