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| 16:51 Uhr

Streit um stählernen Bergbau-Zeitzeugen am Ortsrand von Hörlitz
Kohlekumpel gegen Baggerabriss

 Dem einstigen Bagger-Schlosser Detlef Bergmann aus Klettwitz blutet das Herz beim Gedanken, dass der Tagebauriese in die Luft gesprengt werden soll. Für ihn geht damit Lausitzer Bergbaugeschichte unwiederbringlich verloren. Die Pläne der drei Eigentümer-Kommunen sind für ihn beschämend.
Dem einstigen Bagger-Schlosser Detlef Bergmann aus Klettwitz blutet das Herz beim Gedanken, dass der Tagebauriese in die Luft gesprengt werden soll. Für ihn geht damit Lausitzer Bergbaugeschichte unwiederbringlich verloren. Die Pläne der drei Eigentümer-Kommunen sind für ihn beschämend. FOTO: Rasche Fotografie / STEFFEN RASCHE
Hörlitz. Krach um die Zukunft der „Großen Schaufel“ wird immer lauter. Geplante Sprengung der Landmarke bei Hörlitz „als Armutszeugnis für die Region“ scharf kritisiert. Von Andrea Budich

Dieser hoch explosive Sprengsatz sorgt für Zündstoff: Denkmal oder Schrott - an dieser Frage scheiden sich die erhitzten Gemüter. Auf der einen Seite stehen die drei Eigentümer-Kommunen Großräschen, Schipkau und Senftenberg. Sie wollen den Problem-Bagger zügig beseitigen, weil er Sicherheitsrisiko und unkalkulierbarer Kostenfaktor zugleich ist. Auf der Gegen-Partei Brandenburgs oberster Denkmalschützer Matthias Baxmann, der zunehmend mehr Rückenwind von Bergbau-Rentnern und Traditionsvereinen erhält.

Die vom technischen Denkmalpfleger des Landes Brandenburg schon zu Jahresbeginn geforderte öffentliche Debatte zum Erhalt des Baggers nimmt Fahrt auf. Immer mehr einstige Kohlekumpel melden sich zu Wort. Der Krach um die Zukunft der „Großen Schaufel“, wie der Bagger auch genannt wird, wird lauter und unversöhnlicher.

 Von der Generalreparatur bis zum Abtragen der Höhe 304 in Rauno im Jahr 1984 sind alle wichtigen Daten im Leben des „Blauen Wunders“ im Brigadebuch festgehalten. Viele Einträge stammen aus der Hand von  Detlef Bergmann. Das Buch hütet er wie einen Schatz. Es belegt eindrucksvoll, welche Bedeutung dem Schaufelradbagger SRs 1500 im Tagebau Meuro zukam.
Von der Generalreparatur bis zum Abtragen der Höhe 304 in Rauno im Jahr 1984 sind alle wichtigen Daten im Leben des „Blauen Wunders“ im Brigadebuch festgehalten. Viele Einträge stammen aus der Hand von  Detlef Bergmann. Das Buch hütet er wie einen Schatz. Es belegt eindrucksvoll, welche Bedeutung dem Schaufelradbagger SRs 1500 im Tagebau Meuro zukam. FOTO: Rasche Fotografie / STEFFEN RASCHE

Für den Tagbau-Schlosser Detlef Bergmann aus Klettwitz ist das „Blaue Wunder“ nicht einfach ein Klumpen Eisen, den man in die Luft jagen kann. Der Bagger ist für ihn ein Stück Lausitzer Bergbaugeschichte und wichtiger Zeitzeuge des Braunkohlebergbaus im Lausitzer Revier. Die Pläne der Eigentümer-Kommunen sind für ihn daher „einfach nur beschämend“. Der 57-Jährige sucht nach Alternativen zur geplanten Sprengung. Er schlägt den Transport des Baggers zur F 60 nach Lichterfeld vor.

In die Diskussion schaltet sich auch Bergbaurentner und Elektriker Gerhard Renger aus Brieske ein. Der 74-Jährige hat ein neues Zuhause für den Bagger im Blick: die Friedhofstraße in Meuro. Dort sei der Kiefernwald bereits gerodet.

Die Ideensuche wird im Schipkauer Rathaus zwar zur Kenntnis genommen, ändert aber nichts an den Abbruchplänen. „Der Bagger ist durch Diebstahl und Vandalismus soweit beschädigt, dass er nicht mehr bewegt werden kann“, sagt Bauamtschef Martin Konzag.

 Der ins Feld geführte Standort Meuro gehört zudem zum Eigentum der Dekra, die dort den Bau eines Besucherparkplatzes und eines Empfangsgebäudes plant. Noch unrealistischer schätzt Konzag die Umsetzung des Großgerätes nach Lichterfeld ein. Da es keine freie Transporttrasse gibt, müssten die Autobahn und eine Vielzahl von Freileitungstrassen gekreuzt werden.

Dass der Tagebau-Riese mit vertretbarem Aufwand nicht mehr transportierbar ist, bestätigt indes auch Bergbauexperte Walter Karge. Der ehemalige LMBV-Länderbereichsleiter Brandenburg ist Bergmann durch und durch. Wenn er vom Schaufelradbagger SRs 1500 spricht, dann leuchten seine Augen. Der Bagger ist für ihn ein einzigartiges Symbol für den Bergbau rund um Senftenberg. Für den Bagger-Erhalt sieht er die Kommunen klar mit in der Pflicht. „Ein Traditionsverein allein kann das nicht wuppen“, sagt er. Den Bagger aber sang- und klanglos untergehen zu lassen, ist für Karge „ein Armutszeugnis für Senftenberg und Großräschen“.

Die drei Eigentümer-Kommunen arbeiten indes in diesen Tagen mit Hochdruck am Antrag zur Aufhebung des Denkmalschutzes. „Es ist höchste Zeit, einen möglichst gefahrenfreien Rückbau zu organisieren“, sagt Martin Konzag von der Gemeinde Schipkau.