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| 14:37 Uhr

Streit um Zukunft der stählernen Landmarke bei Hörlitz
Denkmal oder Schrott?

 Für die Eigentümer-Kommunen bleibt es dabei: die Tage des „Blauen Wunders“ sind gezählt. Der Schaufelradbagger ist für Senftenberg, Großräschen und Schipkau Sicherheitsrisiko und Kostenfaktor zugleich. Für Brandenburgs oberste Denkmalschützer indes ist er ein Leuchtturm der Lausitz und genießt damit strengsten Schutz.
Für die Eigentümer-Kommunen bleibt es dabei: die Tage des „Blauen Wunders“ sind gezählt. Der Schaufelradbagger ist für Senftenberg, Großräschen und Schipkau Sicherheitsrisiko und Kostenfaktor zugleich. Für Brandenburgs oberste Denkmalschützer indes ist er ein Leuchtturm der Lausitz und genießt damit strengsten Schutz. FOTO: Rasche Fotografie / STEFFEN RASCHE
Hörlitz. Explosiver Zoff um das Schicksal des Schaufelradbaggers bietet immer mehr Zündstoff. Eigentümer-Kommunen bereiten Antrag auf Aufhebung des Denkmalschutzes vor. Von Andrea Budich

Denkmal oder Schrott, Top oder Flop - der Streit um den stählernen Zeitzeugen am Ortsrand von Hörlitz besitzt eine Woche nach dem Eintrag in die Brandenburger Denkmalliste soviel Sprengstoff, dass die Wogen immer höher schlagen. Die Denkmalschützer wollen den stählernen Giganten als „antike Stätte der Zukunft“ retten, die drei Eigentümer-Kommunen Senftenberg, Großräschen und Schipkau knicken nicht ein und wollen den Schaufelradbagger nach wie vor in die Luft sprengen. In diesem Spannungsfeld steckt Zündstoff. Zündstoff, der den Umland-Kommunen ein unverhofftes blaues Wunder mit ihrem vor 16 Jahren geretteten „Blauen Wunder“ beschert.

Brandenburgs technischer Denkmalpfleger Dr. Matthias Baxmann indes sieht keine zwingenden Gründe, den Bagger abzureißen. Der Schaufelradbagger ist für ihn ein herausragendes Denkmal der Technik- und Wirtschaftsgeschichte der Region und darüber hinaus. Auch wenn der Bagger inzwischen einen „morbiden Charme des Verfalls“ ausstrahlt, ist dies für Baxmann mitnichten ein Grund, an der Standsicherheit des Großgeräts zu zweifeln. „Er wird noch in 300 Jahre stehen“, zeigt er sich überzeugt. In der Landmarke sieht Baxmann zudem ein besonderes Symbol für den Strukturwandel. Der 50 Meter hohe Tagebauriese war einst im Vorschnitt an der Zerstörung der Lausitzer Landschaft beteiligt. Später, von 1999 bis 2002, war er in der Sanierung der inzwischen ausgekohlten Meuroer Grube eingesetzt und an der Geländeprofilierung des Großräschener Sees beteiligt. „Die Symbolhaftigkeit des Denkmals ist also unheimlich groß“, sagt Baxmann. Mit einem kontrollierten Verfall will er den Bagger vor dem Sprengstoff retten.

 Der technische Denkmalpfleger des Landes Brandenburg, Matthias Baxmann, fordert eine öffentliche Debatte  zum Erhalt  des Baggers und keine Basta-Politik.
Der technische Denkmalpfleger des Landes Brandenburg, Matthias Baxmann, fordert eine öffentliche Debatte zum Erhalt des Baggers und keine Basta-Politik. FOTO: Rasche Fotografie / STEFFEN RASCHE

Für die drei Eigentümer-Kommunen ist dies keine Option. Der plötzliche Platz in der Denkmalliste hat in Großräschen, Senftenberg und Schipkau  Verwunderung und Kopfschütteln ausgelöst. Sie bleiben dabei, den Problem-Bagger  zügig zu beseitigen, weil er eine Gefahr darstellt. Es sind bereits einzelne schwere Metallteile herab gestürzt, bestätigt Schipkaus Bauamtsleiter Martin Konzag. Die Eigentümer berufen sich auch auf renommierte Maschinenbau-Ingenieure, die das Sicherheitsrisiko gleichfalls bestätigen. „Wir werden in Kürze einen Antrag auf Aufhebung des Denkmalschutzes stellen und diesen mit allen rechtlichen Mitteln durchsetzen“, erklärt Konzag. Rückendeckung bekommt er auch vom Großräschener Bürgermeister Thomas Zenker (SPD), der die Unterschutz-Stellung scharf kritisiert. Für ihn hat die „Lausitz als alleiniges Museum keinerlei Zukunft“.