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| 16:27 Uhr

Lebensgefahr am Lausitzring-Bagger
Bürgermeister planen Demontage des Blauen Wunders

 Der Lausitzring-Bagger „Blaues Wunder“ befindet sich im bergbaulichen Sperrgebiet. Einen gefahrlosen Blick auf den Stahlkoloss können Interessenten vom Hörlitzer Aussichtsturm werfen. Dieser ist täglich geöffnet und befindet sich am Nordende des Ortes.
Der Lausitzring-Bagger „Blaues Wunder“ befindet sich im bergbaulichen Sperrgebiet. Einen gefahrlosen Blick auf den Stahlkoloss können Interessenten vom Hörlitzer Aussichtsturm werfen. Dieser ist täglich geöffnet und befindet sich am Nordende des Ortes. FOTO: Torsten Richter-Zippack
Schipkau. Ein maroder Schaufelradbagger gefährdet Zuschauer am Lausitzring. Politker planen die Demontage des „Blauen Wunders“. Doch Denkmalschützer sind dagegen. Denn theoretisch könnte die Landmarke auch saniert werden. Von Torsten Richter-Zippack

Zuschauer am Lausitzring leben gefährlich. Und zwar wegen eines 3000 Tonnen schweren Stahlkolosses, der sich mehrere 100 Meter von der Rennstrecke entfernt befindet. Denn vom Schaufelradbagger 1473, der einst im Tagebau Meuro im Einsatz war und seit 16 Jahren als Landmarke dient, droht Lebensgefahr.

Konkret gesagt von dessen maroden Nietverbindungen, die das Großgerät zusammenhalten. „Die Nietköpfe haben Durchmesser zwischen 40 und 50 Millimetern“, erklärt der Sachverständige für Tagebaugroßgeräte, Günter Jossa.

„Wenn diese Teile wegfliegen, wirken sie wie Geschosse. Menschen, die sich selbst noch 500 Meter vom Bagger entfernt befinden, können tödlich getroffen werden“, warnt er. Bis zum Lausitzring ist es vom „Blauen Wunder“, wie der Bagger aufgrund seiner Farbe im Volksmund bezeichnet wird, indes kein halber Kilometer.

Lausitzring-Bagger „Blaues Wunder“ ist extrem marode

Dass das Großgerät tatsächlich eine Gefahr für Leib und Leben darstellt, steht für Günter Jossa außer Frage. Denn die gesamte Konstruktion ist extrem marode.

Noch größer präsentiert sich die Gefahr für diejenigen, die sich direkt am „Blauen Wunder“ illegal zu schaffen machen. Die inzwischen das letzte Gramm Kupfer entwendet und diverse weitere Teile geklaut haben. Die den zwei Meter hohen Absperrzaun einfach ignorieren und via Smartphone Selfies vom Bagger und sich selbst schießen.

Erschwerend kommt hinzu, dass selbst Teile, die der Stabilität dienen, inzwischen verschwunden sind. „Die Tragfähigkeit der gesamten Konstruktion ist nicht mehr gegeben“, fasst Günter Jossa die Bedrohungslage zusammen. Daher müsse der Bagger zeitnah demontiert werden.

Gutachten zum Zustand des „Blauen Wunders“

Jossa hat im Auftrag der Eigentümergemeinschaft ein Gutachten zum Zustand des „Blauen Wunders“ erstellt. Die Ergebnisse sind ernüchternd. „Wir sind dermaßen in der Pflicht, dort tätig zu werden“, bringt es Klaus Prietzel (CDU), Bürgermeister der Gemeinde Schipkau, auf den Punkt.

Schipkau bildet gemeinsam mit Senftenberg und Großräschen die Eigentümergemeinschaft. Die drei Bürgermeister haben indes eine Ausschreibung für die Demontage des Baggers veranlasst.

 Schipkaus Bürgermeister Klaus Prietzel lässt das Bagger-Umfeld regelmäßig durch den Bauhof kontrollieren.
Schipkaus Bürgermeister Klaus Prietzel lässt das Bagger-Umfeld regelmäßig durch den Bauhof kontrollieren. FOTO: Konzag/Gemeinde Schipkau / Martin Konzag

Laut Klaus Prietzel stehen bereits drei Firmen Gewehr bei Fuß. Käme es zur Demontage, müsse ein großer Kran herangeschafft werden. Anders könne am Bagger nicht mehr gearbeitet werden. „Zu gefährlich“, sagt der Senftenberger Bürgermeister Andreas Fredrich (SPD). Die drei Rathaus-Chefs rechnen trotz des avisierten Schrottertrages von knapp einer halben Million Euro letztendlich mit einer roten Zahl bei den anfallenden Kosten.

Wäre da nicht der Denkmalschutz. Die Behörde hat Anfang 2019 den Bagger zum Denkmal erklärt. Das bedeutet, dass das Großgerät bis zu seinem unkontrollierten Zusammensturz erhalten bleiben soll. Dagegen setzt sich die Eigentümergemeinschaft zur Wehr. Sie bezeichnet diese Entscheidung als „unzumutbare Belastung“.

Lausitzring-Bagger soll nicht ganz aus der Region verschwinden

Indes solle das „Blaue Wunder“, dessen Standzeit als Landmarke von Beginn an auf 15 bis 20 Jahre datiert worden war, nicht gänzlich aus der Region verschwinden. Den Bürgermeistern schwebt vor, diverse Teile, beispielsweise die Typenplatten und den Führerstand, zu erhalten und der Öffentlichkeit zu präsentieren.

Das begehrte Schaufelrad könne indes nicht geborgen werden. Das sei aufgrund des Verfalls der entsprechenden Teile technisch nicht mehr möglich, sagt Sachverständiger Jossa.

Nach Angaben des Großräschener Bürgermeisters Thomas Zenker (SPD) gab es in seinem Rathaus bereits Anfragen von privaten Interessenten. „Aufgrund seines Durchmessers von rund 11,5 Metern und des Gewichtes von 80 Tonnen dürfte das Schaufelrad kaum in einem Garten Platz finden“, sagt Thomas Zenker.

Theoretisch könnte der 1473er-Schaufel­radbagger auch saniert werden. „In einem solchen Fall müsste aber ein zweistelliger Millionenbetrag aufgebracht werden“, stellt Günter Jossa dar.

In der Region haben sich inzwischen mehrere Protagonisten für den Erhalt der Konstruktion in Stellung gebracht. Dennoch gebe es für die drei Rathauschefs nur die Demontage. Sie hoffen auf ein Einlenken der Denkmalschützer. Sollte alles wie am Schnürchen laufen, würde der Abriss frühestens im Spätherbst 2019 beginnen. Vorausgesetzt, der Bagger fällt nicht vorher in sich zusammen.