Von Catrin Würz

Das diesjährige Theaterspektakel „Fontane am Zug“ der Neuen Bühne Senftenberg ist nicht nur in den Augen der Zuschauer und Kritiker, sondern auch in der Bilanz der blanken Zahlen ein großer Erfolg gewesen. Zu den diesmal nur sieben Spektakel-Aufführungen innerhalb von neun Tagen sind insgesamt 2222 Zuschauer gekommen. Vier der sieben Vorstellungen waren restlos ausverkauft. Und insgesamt kann die neue Bühne für diese Inszenierung eine Besucherplatz-Auslastung von fast 92 Prozent verbuchen. „Das ist eine großartige Zahl, die man als Theater nicht so oft erreicht“, freut sich neue-Bühne-Intendant Manuel Soubeyrand.

Das diesjährige Theaterspektakel im Fontane-Jahr war freilich in vielerlei Hinsicht ein besonderes. Erstmals seit langer Zeit sind die Senftenberger Theaterleute dafür wieder an einen Ort außerhalb des angestammten Bühnenareals gezogen – auf das Senftenberger Bahnhofsgelände.  „Das war eine sehr große Herausforderung für die logistische Vorbereitung“, gesteht der Intendant ein. Elektrischen Strom und Wasseranschlüsse heranführen, das Urbarmachen des seit Langem brach liegenden Geländes und die Ausstattung Jahrzehnte lang ungenutzter Räume war alles zusammen ein sehr großer Kraftakt für die Theatermacher. „Zum Glück haben viele Partner mit uns am Strang gezogen: die Stadt, die Unternehmen, denen Teile des Bahnhofsgeländes gehören, und auch die Bahn selbst.“ Mit zahllosen Kulissen und Ausstattungsgegenständen wurden das Gelände am Güterbahnhof, die alte Bahnhofsmitropa und der Passagiertunnel zu fünf zauberhaften Spielstätten umfunktioniert. Für das Publikum war das Spektakel insofern eine doppelt interessante Erkundung – zu Fontanes Leben und Werk einerseits, und zum Bahnhof, der seit Jahren eher als Schandfleck, statt als würdiger Verkehrsknotenpunkt wahrgenommen wird, andererseits.

Aus verschiedenen Gründen – unter anderem auch wegen der frühen Sommerferien – war das diesjährige Spektakel der Neuen Bühne zeitlich sehr nach vorn gerutscht: bereits in den Anfang des August. Daraus resultierte eine kurze, sehr konzentrierte Probenzeit für die Schauspieler. Zugleich kam das Theater damit auch mehr in die warmen Sommernächte, was ein Bonus für Theaterleute und Publikum war. Für das nächste Spektakel 2020 ist inzwischen auch schon klar: Es wird in der zweiten Augusthälfte stattfinden.

„Weil das Spektakel nun schon vorbei ist, haben wir zugleich mehr Freiräume im September und Oktober für weitere Premieren“, benennt Manuel Soubeyrand die Vorteile aus Theatermacher-Sicht. Die Pläne für den Senftenberger Theaterherbst sind indes sehr anspruchsvoll: Zwei Premieren sind geplant: Am 21. September wird „Aus dem Nichts“ auf die Bühne kommen. Die Theaterfassung von Fatih Akins mehrfach preisgekröntem Film dürfte ein außergewöhnlich interessantes Projekt für die Bühne werden. Das Stück erzählt die ergreifende Suche nach der Wahrheit durch die Hauptfigur Katja, deren türkischstämmiger Ehemann und kleiner Sohn Opfer von Terroranschlägen des Nationalsozialistischen Untergrunds wurden. Für die kleine Rolle des Nuri sucht das Theater derzeit noch einen (Laien)Darsteller (siehe Info-Box). Das Theater in Senftenberg ist deutschlandweit erst die zweite Bühne, die die Theaterfassung von Armin Petras in der Regie von Samia Chancrin inszenieren wird.

Als zweite Premiere steht für den 12. Oktober Friedrich Schillers Trauerspiel „Kabale und Liebe“ im Programm