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Saisonstart der Motorradfahrer
Biker distanzieren sich von Radaubrüdern

Senftenberg. Mit dem Frühling sind die PS- und lautstarken Motorräder wieder auf Lausitzer Straßen auf Achse. Die meisten Biker sagen, sie halten sich an die Gesetze. Ein Senftenberger redet Tacheles.

„Motorradfahrer haben einen schlechten Ruf. Sie gelten als Rowdys, rasen und jagen den Menschen mit ihren lauten Maschinen Angst ein. Ich kenne diese Vorurteile“. Das sagt niemand Geringeres als Hubert Ambrosius, Vorsitzender des Senftenberger Freebiker-Vereins. Tatsächlich gibt es diese Typen auf Krädern, deren Lautstärke einem fast die Ohren abfallen lässt. Der bisher offiziell gemessene Spitzenreiter auf dem Klettwitzer Dekra-Testgelände bringt es laut Unternehmenssprecher Wolfgang Sigloch auf 102 Dezibel. Zum Vergleich: Ein Presslufthammer erzeugt 100 Dezibel, die Schmerzgrenze des menschlichen Ohres bewegt sich bei 130 Dezibel.

Die sieben Zentner wiegende Royal-Star-Maschine von Hubert Ambrosius bringt es indes auf eine Lautstärke von 80 Dezibel. „Genau so steht es in den Papieren“, erklärt der passionierte Biker. Europaweit sei der Senftenberger bereits in ein halbes Dutzend Kontrollen geraten, in denen direkt am Auspuff die Lautstärke gemessen wurde. Nie habe es dabei Probleme gegeben. Ambrosius schätzt, dass maximal fünf Prozent der Kradfahrer zu den eher unschönen Vorurteilen über Motorradfahrer beitragen. „Manche fahren durch die Stadt und lassen ihre Motoren mal so richtig knattern“, sagt der 69-Jährige. „Ich selbst finde, dass Motorräder einen geilen Sound haben. Aber ich habe auch Verständnis für Anwohner an Straßen, die solchen Geräuschen öfter ausgesetzt sind.“ Mehr noch: „Wie überall gibt es auch unter den Bikern ein paar ausgeflippte Leute. Aber diese muss man im Zaum halten.“ Schwarze Schafe gebe es ebenso unter den Autofahrern, die mit ihren getunten Kisten die Straßen unsicher machen.

Die meisten Motorradfahrer wollen einfach nur die Fahrt auf ihren Feuerstühlen genießen. Gesetzestreue besitze eine hohe Priorität. „Viele haben Familien und wollen wieder gesund bei Frau und Kindern ankommen“, begründet Ambrosius. Er und seine Vereinsmitglieder schätzten gerade die Kameradschaft in der Gruppe, wenn diese zu einem gemeinsamen Ausflug auf den Maschinen ausfahre.

Obwohl nach Meinung mancher Bürger die lautstarken Motorräder in der Region überhand nehmen, zeichnen die Zahlen ein anderes Bild. „In Klettwitz wird pro Jahr nur eine vernachlässigbar kleine Anzahl von Fahrzeugen zur Geräuschmessung vorgestellt“, sagt Dekra-Sprecher Wolfgang Sigloch. Das passiere immer dann, wenn die Polizei feststellt, dass das Standgeräusch um mehr als fünf Dezibel über dem in den Fahrzeugpapieren angegebenen Wert liegt. Oder aber massive Umbauten Zweifel aufkommen lassen. Der entsprechende Grenzwert bewege sich nach der alten Regelung bei 80 Dezibel, seit dem Jahr 2016 bei 77 Dezibel. Werden Motorräder manipuliert, geschehe dies zumeist am Schalldämpfer oder an den Auspuffklappen. Auf dem Prüfgelände in Klettwitz hätten die Experten in den vergangenen Jahren weder eine Zu- noch eine Abnahme der vorzustellenden Maschinen verzeichnet.

Nach Angaben der Polizeiinspektion Senftenberg führen die Beamten selbst keine Lärmmesskontrollen durch. Optisch und akustisch auffällige Fahrzeuge müssten aber auf dem Lausitzring bei der Dekra vorstellig werden. Innerhalb von zehn Tagen sei die Maschine durch eine Fachwerkstatt in Ordnung zu bringen. Zudem werde das Straßenverkehrsamt informiert. Konkrete Fallzahlen kann die Senftenberger Polizei indes nicht nennen. Aus dem Straßenverkehrsamt gibt es dazu keine Information.