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| 16:26 Uhr

Molke-Gülle stinkt zum Himmel
Biehlener tadeln Biogas-Gestank

Anwohner Enrico Tietze (l.) lässt sich von den beiden Betriebsleitern der Biehlener Agrargenossenschaft Georg Ruffen und Dennis Kattusch (r.) die Zusammensetzung der Gülle erklären. Im Behälter im Hintergrund wird Biogasgülle und Molke gemischt und in den nächsten Tagen auf die Felder eingebracht.
Anwohner Enrico Tietze (l.) lässt sich von den beiden Betriebsleitern der Biehlener Agrargenossenschaft Georg Ruffen und Dennis Kattusch (r.) die Zusammensetzung der Gülle erklären. Im Behälter im Hintergrund wird Biogasgülle und Molke gemischt und in den nächsten Tagen auf die Felder eingebracht. FOTO: LR / Jan Augustin
Biehlen. Etliche Anwohner haben am Pfingstwochenende über extremen Gülle-Geruch geklagt. Von Kathleen Weser und Jan Augustin

Im kleinen Dorf Biehlen an der Schwarzen Elster haben die Leute die Nase voll. Eine Mief-Wolke, die zum Himmel stinkt, breitet sich bei Hitze und Westwind über dem Ort aus. Am Pfingstwochenende ist wieder eine Ladung angekommen. „Das war richtig eklig und hat wie Buttersäure gestunken“, berichtet Anwohner Karl-Heinz Marschka. Von einem „penetranten Gestank“, spricht auch Enrico Tietze, der gleich neben der Biehlener Agrargenossenschaft wohnt. Dort haben sich jetzt mehrere Behördenvertreter eingefunden, um selbst eine Geruchsprobe zu nehmen. Auch das Landesumweltamt war mit Mitarbeitern vor Ort. Der Anfangsverdacht, dass der Gestank aus zwei riesigen Güllebehältern der ehemaligen Milchviehanlage die Luft derart verpestet, dass Kindern schlecht wird und Kopfschmerzen verursacht, hat sich allerdings nicht bestätigt.

Die grünliche Gülle blubbert am Dienstag in den beiden 2500 Kubikmeter fassenden Behältern vor sich hin. „Wir haben bewusst das Rührwerk angemacht, um das Maximale an Gestank rauszuholen“, sagt Betriebschef Georg Ruffen. Es riecht zwar streng, von kaum auszuhaltenden Ausdünstungen kann aber nicht die Rede sein. Zusammengesetzt ist die Flüssigkeit aus einem Gemisch von Molke aus dem Sachsenmilchbetrieb in Leppersdorf und Resten aus der Biogasanlage in Brieske, erklärt Ruffen. In den nächsten acht bis zehn Tagen werde die Gülle mit Scheibeneggen auf den Feldern eingebracht. Das sei die ganz normale Frühjahrsbestellung. Der zweite Betriebsleiter Dennis Kattusch ist sich indes sicher, dass alte Grassilage, die kurz vor Pfingsten auf den Feldern in unmittelbarer Nähe zum Dorf verteilt wurde, Ursache für das Geruchsproblem war.

Bürgermeisterin Gabi Theiss (SPD/MdL) will trotzdem, dass der stinkenden Sache auf den Grund gegangen wird. Sie zeigt sich zudem in Sorge um die Umwelt. Der Binnengraben sehe angegriffen aus. Fische gebe es nicht mehr. Bäume gingen ein. Sie fordert, dass die gärende Brühe analysiert wird und auch Bodenproben genommen werden.

Denn die verpestete Luft hat bei den Biehlenern für Brechreiz gesorgt. Ein Öffnen der Fenster war unmöglich. Wie in Lauchhammer-West hatten sich schon im vorigen Jahr auch die Biehlener beschwert. Das bestätigt Enrico Tietze, der beim Ordnungsamt des Amtes Ruhland Alarm geschlagen hat. „Wir hatten mehrere Beschwerde-Anrufe. Das ging früh um 7 Uhr los“, bestätigt Amtsleiter Christian Konzack. Dem bäuerlichen Betrieb ist das Zwischenlagern von Gülle erlaubt. Der Betreiber habe aber dafür zu sorgen, dass die Geruchsbelästigung nicht derartige Ausmaße annehmen könne. Da ist sich der Ordnungsamtsleiter sicher. „Die Behälter müssten mit Einstreu abgedeckt werden. Es ist auch möglich, den Gärprozess durch Zugabe chemischer Mittel zu verhindern“, erklärt er. Jedoch: Betriebschef Georg Ruffen betont sogar, dass eine dichte Abdeckung über beide Behälter die beste und einzige Lösung des Problems sei. Doch scheitere das Bauvorhaben bisher an der fehlenden Genehmigung.

Der Biehlener Enrico Tietze befürchtet derweil anhaltende Geruchsbelästigungen und betont, dass die Menschen „vom Dorf“ sehr wohl Verständnis für die Landwirtschaft haben und wissen, Felddüngung ist notwendig. Mit normaler Gülle sei die auch zu ertragen. „Dieser Geruch“, so sagt er, „ist im Gegensatz zu der aktuellen Belästigung sogar als angenehm einzustufen“.