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| 15:35 Uhr

Molke als Düngemittel
Molke-Dünger aus Sachsen liegt in Biehlen im grünen Bereich

Die Agrargenossenschaft Elsterland in Biehlen nutzt ein Melasse-Gemisch als Dünger für ihre Felder. Bei einem Vor-Ort-Termin vor drei Wochen haben sich Behördenvertreter ein Bild von den Lagerbehältern gemacht.
Die Agrargenossenschaft Elsterland in Biehlen nutzt ein Melasse-Gemisch als Dünger für ihre Felder. Bei einem Vor-Ort-Termin vor drei Wochen haben sich Behördenvertreter ein Bild von den Lagerbehältern gemacht. FOTO: LR / Jan Augustin
Senftenberg/Biehlen. Nach der Geruchs-Attacke zu Pfingsten und dem folgenden Behördenbesuch ist nun klar: Die Agrargenossenschaft darf mit einem Molkegemisch düngen, Wasserproben waren unauffällig. Von Jan Augustin

Alles im grünen Bereich in Biehlen. Zusammengefasst ist das die Erkenntnis nach einem Behördenbesuch bei der Agrargenossenschaft Elsterland. Anwohner hatten sich massiv über „penetranten Gestank“ zum Pfingsfest beschwert und Vertreter von Land, Kreis und Gemeinde zusammengetrommelt. Bürgermeisterin und Landtagsabgeordnete Gabi Theiss (SPD) wollte der stinkenden Angelegenheit auf den Grund gehen. Sie befürchtet Umweltschäden. Der vorbeiführende, früher fischreiche, Binnengraben sehe wie sein unmittelbares Umfeld angegriffen aus. Die untere Wasserbehörde hat bei dem Vor-Ort-Termin vor drei Wochen jedoch „keine Auffälligkeit“ bei der Beprobung festgestellt. Das bestätigt Sarah Werner, Sprecherin des Oberspreewald-Lausitz-Kreises.

Grundsätzlich ist das Düngen mit Molke, beziehungsweise mit dem Nebenprodukt Melasse, nach der Düngemittelverordnung erlaubt. Das erklärt Thomas Frey vom Landesumweltamt. Molke könne separat oder im Gemisch mit Gülle ausgebracht werden. Eingesetzt wird die geruchsintensive Flüssigkeit in der konventionellen Landwirtschaft, aber auch im ökologischen Landbau. Der Betreiber hat das Gemisch aber entweder gasdicht, also geruchsneutral, zu lagern oder er bringt das Produkt unmittelbar nach der Abnahme auf den landwirtschaftlichen Flächen aus und arbeitet sie direkt ein, so Frey.

Der Anfangsverdacht, dass der Gestank aus zwei riesigen Güllebehältern der ehemaligen Milchviehanlage die Luft derart verpestet, dass Kindern schlecht wurde und Kopfschmerzen verursacht hatte, hat sich nicht bestätigt.

Für Betriebschef Georg Ruffen ist eine dichte Abdeckung der beiden riesigen Lager-Tanks die beste Lösung, wie er beim Behördenbesuch betonte. Doch scheitert das Vorhaben noch an der fehlenden Baugenehmigung. Es bestehe noch Abstimmungsbedarf zum laufenden Genehmigungsverfahren „Errichtung eines Stahlbetonbehälters“ zwischen dem Landesamt für Umwelt und der unteren Bauaufsichtsbehörde des Landkreises unter Mitwirkung des Bauherren, erklärt Kreissprecherin Sarah Werner dazu. „Sowohl der Betreiber als auch die Behörden prüfen, welche Maßnahmen gegen die Gerüche möglich sind“, teilt Thomas Frey vom Landesumweltamt mit.

Das Düngen mit dem Molke-Nebenprodukt Melasse hat für Landwirt Georg Ruffen einen entscheidenden Vorteil: Es ist biologisch. Die Melasse als Molke-Nebenprodukt bezieht die Agrargenossenschaft aus dem Sachsenmilchbetrieb in Leppersdorf. Dort fällt die Molke in der Käseproduktion an. Für die Herstellung von Molkenpulver-Produkten werden der Molke Eiweiß und Lactose entnommen. Übrig bleibt die Melasse.

„Diese verarbeiten wir in der Regel selbst in unserer Bioethanol-Anlage weiter“, erläutert Alexander Truhlar, Pressesprecher der Unternehmensgruppe Theo Müller. Die Melasse werde durch Zugabe von Hefe zu Alkohol vergoren und in einer Destillationsanlage von Wasser und Mineralien getrennt. „Letztlich entsteht zu 99,8 Prozent reines Bio-Ethanol, das ohne Weiterbehandlung als Kraftstoff eingesetzt werden kann“, erklärt Alexander Truhlar.

Trotz der großen Anlagenkapazität könne die anfallende Melasse in der Bioenthanol-Anlage nicht immer weiterverarbeitet werden. Diese überschüssige Menge werde dann verkauft. Zu den Preiseen und Absatzmengen will sich der Unternehmenssprecher nicht äußern.