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| 16:24 Uhr

Gemeinde fordert Stilllegung des Agrarbetriebes
Biehlener haben die Nase endgültig voll

Molke aus Leppersdorf und Reste aus der Biogasanlage in Brieske werden in Biehlen verrührt und dann als Dünger auf die Felder gebracht.
Molke aus Leppersdorf und Reste aus der Biogasanlage in Brieske werden in Biehlen verrührt und dann als Dünger auf die Felder gebracht. FOTO: LR / Jan Augustin
Biehlen. Nach der erneuten Geruchs-Attacke und unklaren Verhältnissen hat die Gemeinde nun die sofortige Stilllegung des Landwirtschaftsbetriebes gefordert. Von Jan Augustin

Die Fronten im beschaulichen Biehlen haben sich verhärtet. Auf der einen Seite gibt es genervte Anwohner, denen in unregelmäßigen Abständen „ekelerregender Gestank“ in die Nase fährt. Auf der anderen Seite sieht sich die heimische Agrargenossenschaft als Verursacher des Molke-Dünger-Geruchs im Recht. Der Ärger führt nun seit mehr als einem Jahr immer wieder zu Streitigkeiten zwischen den Parteien und beschäftigt die Behörden bis auf Landesebene. Die Güllewolke am vergangenen Freitag hat das Fass jetzt zum Überlaufen gebracht. Die Gemeinde Schwarzbach/Biehlen hat in ihrer Vertretersitzung am Montagabend im Bürgerhaus die vorübergehende, sofortige Stilllegung der Anlage gefordert. Die Behälter, in denen die Flüssigkeit gelagert und verrührt wird, sollen abgepumpt werden.

„Die Geruchsbelästigung muss aufhören“, sagt Bürgermeistern Gabriele Theiss. Die Biehlener seien die letzten, die sich beschweren oder zur Wehr setzen, wenn es um Landwirtschaft geht, betont sie. Der Gestank aber, sie beschreibt ihn als eine Mischung aus faulen Eiern und Buttersäure, sei unerträglich. Theiss befürchtet zudem durch den Betrieb verursachte Umweltschäden. An das Gelände der Agrargenossenschaft angrenzende Bäume würden bereits eingehen. Sie mutmaßt, dass aggressive Säfte von Grassilage in den Boden sickern. „Das können wir nicht zulassen“, betont sie. Zwar haben zuletzt zwei Probenentnahmen am Biehlener Binnengraben keine Auffälligkeiten gezeigt. Die Wasserbehörde und die Bauaufsichtsbehörde des Landkreises wollen trotzdem kurzfristig noch einmal eine Vorort-Kontrolle durchführen. Das bestätigt der stellvertretende Ruhlander Amtsdirektor und Ordnungsamtschef Christian Konzack.

Den knapp 30 bei der Sitzung anwesenden Einwohnern übermittelt er noch eine Nachricht, die für ein Raunen im Saal sorgt: „Die gesamte Anlage hat keine immissionsschutzrechtliche Genehmigung.“ Die Anlage werde ihm zufolge daher momentan ohne Genehmigung betrieben. Das Amt für Umwelt und Bauaufsicht des Landkreises bestätigt das in einem Schreiben an die Agrargenossenschaft „Elsterland“. Nach RUNDSCHAU-Informationen fordert die Behörde darin den Betrieb auf, für erloschene Genehmigungen – etwa für einen Güllebehälter, drei alte Fahrsilos, eine Lagerhalle und drei einzelne Sammelbehälter – einen erneuten Bauantrag zu stellen. Denn für diese Gebäude und Anlagen bestehe für die weitere Nutzung beziehungsweise für die Wiederaufnahme der Nutzung eine Bauge­nehmigungspflicht. Als Frist ist der 15. November angegeben.

Betriebsleiter Georg Ruffen erklärt indes, er habe eine Genehmigung, die jedoch für die ehemalige Milchviehanlage gelte. Eine Nutzungsänderung für Biogasgülle habe er bereits beantragt. Die grünliche Flüssigkeit ist aus einem Gemisch von Molke aus dem Sachsenmilchbetrieb in Leppersdorf und Resten aus der Biogasanlage in Brieske zusammengesetzt, erklärt er. Einen Fehler, die Rührmaschine des offenen Güllebehälters am Freitagnachmittag angeschaltet zu haben und damit einige Nachbarn verärgert zu haben, räumt er ein. Nicht nachvollziehen könne er jedoch die grundsätzlichen Gräuel gegen ihn und den 18 Mitarbeiter starken Betrieb. Dass der Geruch zu Brechreiz geführt haben soll, sei Einbildung. „Das ist normale Landwirtschaft“, betont er. Gegen die von der Gemeinde erhobene Stilllegungs-Forderung kündigt Georg Ruffen rechtliche Schritte an. „Wenn die Gemeinde jetzt derart gegen uns schießt, werden wir einen Anwalt einschalten“, sagt er.

Das Düngen mit Molke, beziehungsweise mit dem Nebenprodukt Melasse, ist nach der Düngemittelverordnung erlaubt. Molke kann separat oder im Gemisch mit Gülle ausgebracht werden. Eingesetzt wird die geruchsintensive Flüssigkeit in der konventionellen Landwirtschaft, aber auch im ökologischen Landbau. Der Betreiber muss das Gemisch aber entweder gasdicht lagern oder er bringt es unmittelbar nach Abnahme auf den Flächen aus und arbeitet es ein.