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| 02:54 Uhr

Bewährungsstrafe wegen des Besitzes von Kinderpornografie

Lübben/Lübbenau. Zehn Monate Haft, ausgesetzt auf vier Jahre Bewährung samt einer Vorstellung beim Sexualtherapeuten – es gibt schönere Geburtstagsgeschenke als die, die ein 33-jähriger Mann aus Lübbenau am Mittwoch bekam. Der Angeklagte musste von der Polizei herbeigeschafft werden. Jan Gloßmann

Sie heißen "teen", "blas" oder "jung". Solche Dateien hatte ein Lübbenauer auf mehreren Handys gespeichert. Die, die sie gesehen haben, sind sich sicher: Kinderpornografie. Auch verschickt hat sie der eher klein gewachsene Mann mit Vollbart, eher ungepflegte Erscheinung, aber berufstätig. Sechs Mobilfunkgeräte hatte der jetzt 33-Jährige vor gut drei Jahren im Einsatz, hat zwischen September 2010 und Mai 2012 Bilder und Filme empfangen und sie anderen zur Verfügung gestellt.

"Entschuldigung, Entschuldigung" sind die ersten Worte, die er am Mittwoch kurz nach halb zehn Uhr zu Protokoll gibt. Diese Entschuldigung gilt jedoch nicht den Opfern. Mehr als eine Stunde zu spät erscheint er zum Prozess, eskortiert von zwei Polizisten, die ihn aus Lübbenau geholt haben.

Staatsanwalt Frank Schöning zählt die so unappetitlichen wie schockierenden Details auf, die auf Bildern und Filmdateien zu sehen seien - missbraucht und zur Schau gestellt werden Mädchen, die deutlich jünger sind als 14 Jahre.

"Was soll ich dazu sagen." "Ich wollte es nicht." "Ich weiß nicht, warum ich das gemacht habe." Der Lübbenauer stammelt herum, sagt, er "blicke manchmal selber nicht durch. Manchmal bin ich völlig daneben, ich weiß nicht warum." Er spricht von Angst, die ihn befallen habe, als Polizisten im Mai 2012 ihn auf Arbeit be- und durchsuchten, später sein Zimmer unter die Lupe nahmen. "Was lag denn ihrer Angst oder ihrem schlechten Gewissen zugrunde?", fragt Richterin Katrin Ehlers. "Ich bin nicht stolz drauf", antwortet der Mann. "Haben sie denn das gemacht, was ihnen der Staatsanwalt vorwirft?" "Ja."

Über ein Chat-Angebot bei einem privaten Fernsehsender will er auf Handynummern gestoßen sein, die er - wohl auch auf der Suche nach einer Frau - kontaktiert habe. Zwei Beziehungen seien in die Brüche gegangen, die Letzte vor nunmehr zehn Jahren. Zunächst habe er nur "getextet"; später habe ihm jemand Bilder gesendet. Diese hat er sowohl gespeichert als auch weiter verschickt - gegen die Adressaten wird ebenfalls ermittelt. Ein Zusammenhang mit dem gerade viel diskutierten Fall des früheren Bundestagsabgeordneten Sebastian Edathy bestehe aber nicht, so der Staatsanwalt.

Die Aufnahmen mit den Kindern habe er behalten, sagt der Angeklagte, "vielleicht als ‚Beweismittel'". Er stehe aber "nicht auf kleine Kinder und Jugendliche, echt nicht, ehrlich nicht". Man könne ihn ruhig an einen Lügendetektor anschließen.

Staatsanwalt Schöning hakt nach und sagt, der Mann müsse sich von einem Therapeuten auf seine sexuellen Neigungen hin untersuchen lassen. Worauf der Lübbenauer antwortet: "Ich stehe auf Frauen, in meiner Größe, ich möchte später mal Kinder haben."

Vertreter der Justiz dürfen bei solchen Sätzen nicht mal schmunzeln. Sie können aber die Stirn krausziehen. Und weiter fragen. Schließlich gebe es eine Textpassage, in der stehe: "mag ab 14". "Ich würde nie im Leben was mit unter 18-Jährigen anfangen. Ich weiß nicht, was ich da gemacht habe." Gleich will er schwören, "keine solche Neigungen zu haben". Die Dateien will er "nie angeguckt" haben.

Dennoch ist das Urteil deutlich: zehn Monate Freiheitsentzug, ausgesetzt auf vier Jahre Bewährung. Dazu muss sich der Mann einem Sexualtherapeuten vorstellen und je nach Diagnose ambulant behandeln lassen. "Wir sind gehalten, potenzielle Opfer zu schützen", sagt die Richterin. Es sei "ein typischer Fall, das jemand einräumt, solche Bilder besessen und verbreitet zu haben, aber nicht nach den Gründen fragt, sondern nur sagt: Ich steh' nicht drauf." Die Auseinandersetzung des Angeklagten mit sich selbst müsse erst noch kommen.