Stein des Anstoßes bildet für viele Kunden aus dem ländlichen Raum einmal mehr die so genannte Behandlungsgebühr für Fäkalien, die seit Juli 2000 vom WAL unabhängig von der abgefahrenen Klärschlammmenge erhoben wird. Als Mengengrundlage gilt stattdessen der Frischwasserbezug des WAL-Kunden. Ob diese Abrechnung nun gegenüber jenen Bürgern, die am zentralen Abwassernetz angeschlossen sind, gebührengerechter ist oder doch nur ein „Abkassieren“ für nicht erbrachte Leistungen darstellt, lässt sich diskutieren.
„Tatsache ist jedenfalls, dass wir als Verband auch bei diesem Thema mit offenen Karten spielen wollen“ , ging WAL-Vorsteher Dr. Roland Socher gestern in die Offensive. Insgesamt habe sich das Fäkalienaufkommen im Verbandsgebiet seit 1998 von 38 000 Kubikmeter auf 53 000 Kubikmeter im Vorjahr stetig erhöht. Allein dieser Blick in die Statistik zeige die gewollte ökologische Lenkungswirkung der vor zwei Jahren beschlossenen Gebührenänderung. Socher: „Mit der neuen Staffelung ist offenkundig der Anreiz zur illegalen Entsorgung des hauseigenen Klärschlamms gemindert.“ Der Wasserverband halte in seinen Klärwerken ausreichende Kapazitäten vor, damit jeder Bürger seine Fäkalschlämme auf dem gesetzlich vorgesehenen Wege entsorgen könne.
Nach einer Modellrechnung des WAL kostet die jährliche Fäkalabfuhr aus einer abflusslosen Sammelgrube einen dreiköpfigen Haushalt mit einem Tagesverbrauch von 90 Liter Wasser pro Nase derzeit rund 550 Euro. Im Jahresvergleich liegt die Belastung aus den Schmutzwassergebühren beim zentralen Anschluss bei etwa 400 Euro. Dieser Vorteil in barer Münze verkehrt nach einem weiteren Rechenexempel von WAL-Vorsteher Socher ins Gegenteil, wenn besagte Durchschnittsfamilie einmal im Jahr pro Kopf realistische zwei Kubikmeter an Fäkalien aus der eigenen Klärgrube abpumpen lässt. Die Belastung läge hier noch bei 123,10 Euro.
Im Einzelnen bezahlen Grundeigentümer mit hauseigener Abwasserlösung im Verbandsgebiet eine monatliche Grundgebühr von 3,71 Euro je Wohneinheit (50 Prozent weniger als beim Vollanschluss) sowie die umstrittene Behandlungsgebühr von 39 Cent je Kubikmeter verbrauchtem Trinkwasser. Hinzu kommt die Abfuhrgebühr von aktuell 6,60 je Kubikmeter Klärschlamm. An der Gebührenhöhe wird sich nach Sochers Worten demnächst nicht viel ändern. (os)