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Berührungsängste waren nicht zu spüren

Schwarzheide.. Das Emil-Fischer-Gymnasium Schwarzheide unterhält seit einigen Jahren eine Partnerschaft zu einem Gymnasium in Krosno Odrzanskie in Polen. Kürzlich war eine Gruppe von Schülern und Lehrern dort zu Gast. Mit Spannung erwarteten 14 Schüler der 9. Bettina Martin, Jutta Sickora, Dr. Frank Behne

Klasse in Begleitung von Frau Martin, Frau Sickora und Herrn Dr. Behne den Bus nach Krosno Odrzanskie. Vom Gubener Grenzübergang aus waren es noch 30 Autominuten. Vorbei an Kiefernwäldern und verschlafenen Dörfern näherten sich die Schwarzheider der 20 000-Einwohner-Stadt. Das Nebenein ander teils gut restaurierter Altbauten, Plätze und Plattenbauten aus sozialistischer Zeit geben der Stadt ein uneinheit liches Gepräge. Über eine Eisenbrücke aus wilhelminischer Zeit - die Stadt gehörte bis 1945 zu Deutschland und hieß Crossen a. d. Oder - ging es über den Fluss. Die Spannung stieg, als man nach dreistündiger Fahrt die Schule erreichte und feststellte, dass sie sich äußerlich von Schulbauten in Schwarzheide kaum unterscheidet. Sofort wurden die Gäste von den polnischen Kollegen sehr freundlich begrüßt, und als die deutschen Schüler auf die Gastfamilien aufgeteilt worden waren, verflog die Aufregung, die Schüler verstanden sich auf Englisch.
In Arbeitsgruppen mit deutschen und polnischen Schülern und Lehrern wurden am Nachmittag des ersten Tages Exkursionen unternommen. Eine Gruppe beschäftigte sich in einem nahe gelegenen Naturpark mit den botanischen und geologischen Besonderheiten der Region, während sich die Geschichtsgruppe auf einem Rundgang mit der Historie des Ortes vertraut machte. Das ausgebrannte Schloss und der zerstörte Stadtkern lassen die Schrecken des Zweiten Krieges spüren. Im Schloss befindet sich heute ein Museum, das den Besucher einlädt, die fast tausendjährige Geschichte von Krosno zu erforschen. Die Schüler hatten kleine Aufgaben zu erledigen, die ihnen die wechselvolle deutsch-polnische Geschichte vor Augen führte. Den Abend verbrachten die Schüler in ihren Gastfamilien; die polnischen und deutschen Lehrer besprachen beim Abendessen die weiteren Aktivitäten der beiden Schulen in Krosno und Schwarzheide.
Der zweite Tag begann mit einer Exkursion aller Schülergruppen. Zunächst ging es in ein Museumsdorf südlich von Krosno, in dem die Lebensweise des 18. und 19. Jahrhunderts veranschaulicht wurde. In Miedzyrzecki/Meseritz wartete erlebte Zeitgeschichte. Kaum wahrnehmbar befindet sich in der Nähe des Ortes eine unterirdische Bunkeranlage, die über mehr als 160 Kilometer die Ostgrenze des Deutschen Reiches sichern sollte. Eine Hinterlassenschaft, die in vier Jahren von mehr als 4000 Arbeitern errichtet wurde und die vom Größenwahn einer Diktatur zeugt. Heute befindet sich in den Gängen und Bunkern das größte Fledermausreservat Europas. Es war beeindruckend, sich sechs Stockwerke unter der Erde bei neun Grad in Dunkelheit und Stille mit Taschenlampen fortzubewegen. Die Aktivitäten des Tages und die Präsentation der Arbeitsgruppen-Ergebnisse, die im Rahmen eines kulturellen Programms mit beiden Schulleiter n am nächsten Morgen stattfand, machte deutlich, dass es keine Berührungsängste gibt. Ende August wird eine polnische Delegation in Schwarzheide zu Gast sein.