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Vor 50 Jahren
Bergleute sind die Geburtshelfer des Sees

Blick auf den künftigen Senftenberger See.  Damals hieß der Senftenberger See noch Niemtscher Restloch: Eine Aufnahme am Tagebau von 1969.
Blick auf den künftigen Senftenberger See. Damals hieß der Senftenberger See noch Niemtscher Restloch: Eine Aufnahme am Tagebau von 1969. FOTO: Archivfoto: Schulze/RUNDSCHAU / Schulze
Senftenberg/Niemtsch. Heute vor 50 Jahren haben die Kumpel das erste Wasser aus der Schwarzen Elster in den ausgekohlten Tagebau Niemtsch geleitet. Es ist die Geburtsstunde des Senftenberger Sees und damit auch des Lausitzer Seenlandes. Von Kathleen Weser

Für Karl-Heinz Meinert (79) aus Senftenberg ist am heutigen 15. November ein besonderer Tag. Vor genau 50 Jahren haben die Bergleute aus dem Revier das erste Wasser aus der Schwarzen Elster in den ausgekohlten Tagebau Niemtsch geleitet und damit begonnen, den Senftenberger See zu fluten. Das war eine reife Leistung, sagt der Obersteiger im Unruhestand sichtlich stolz und bewegt. Er ist einer der Geburtshelfer des Lausitzer Seenlandes.

Als junger Bergbau-Ingenieur ist der Zittauer nach Senftenberg gekommen. Denn in den 50er-Jahren, als Karl-Heinz Meinert gerade den Schulabschluss der mittleren Reife ordentlich in der Tasche hatte, wurden in der im Aufbau befindlichen Lausitzer Braunkohle-Industrie neue Fachkräfte gebraucht. So hat der Zittauer 1954 sofort weiter die Schulbank gedrückt in der hiesigen Ingenieurschule für Bergbau. Kombiniert mit einer Lehrausbildung im Braunkohlenwerk Senftenberg.

Der historische Schieber der Flutungsleitung für den Alttagebau Niemtsch.
Der historische Schieber der Flutungsleitung für den Alttagebau Niemtsch. FOTO: Steffen Rasche / Rasche Steffen

Im Alter von 20 Jahren ist Meinert dann ins Arbeitsleben gestartet. „Ich habe in der Brikettfabrik zuerst die Presse geschmiert wie jeder andere“, erzählt er. Dann ist der Bergbautechniker plötzlich in die Chef-Etage des Werksitzes gerufen worden. Die ungeplante Nachtschicht in der Grube Koschen, versunken im heutigen Geierswalder See, erwartete ihn dort. Denn hier war Hans Birke, ein hervorragender Boxer bei Aktivist Brieske/Senftenberg, von einem Sportwettkampf im Westen nicht an seinen Arbeitsplatz zurückgekehrt. Karl-Heinz Meinert fuhr als Steiger so anstatt des abtrünnigen DDR-Vizemeisters - damals noch unter Tage - ein und wurde später auch für den Grubenbetrieb des Tagebaus Koschen verantwortlich. Damit ist der Obersteiger dann 1967 auch für die letzten Sanierungsarbeiten am ausgekohlten Tagebau Niemtsch zuständig geworden. Und die historische Stunde, in der der gewaltige Wasserschieber der Flutungsleitung für den Senftenberger See vor genau einem halben Jahrhundert mit Muskelkraft geöffnet wurde, hat er miterlebt - und noch gut in Erinnerung. An die Kollegen, die den Zukunftsplan vom heutigen Lausitzer Seenland mit geschmiedet und befördert haben, denkt er gern zurück.

Karl-Heinz Meinert bestätigt: Die Idee, aus dem ausgekohlten Tagebau einen See für die Naherholung zu machen, ist ein Wunsch der hier lebenden Menschen gewesen. Weit vor der legendären Ideenskizze, die der Landschaftsplaner Otto Rindt im Jahr 1960 auf dem Koschenberg mit Blick auf die Grube gezeichnet hat. Und die Kumpel haben den Visionär, der heute gern als der Vater des Lausitzer Seenlandes bezeichnet wird, mit ihren Ideen gefüttert. „Aber auch Otto Rindt hat seine Gedanken uns gegenüber immer ausgesprochen“, sagt Karl-Heinz Meinert. Hilmar Zabinski, der Direktor des Braunkohlenkombinates Senftenberg (BKK), habe nachdrücklich dafür gesorgt, dass der Bergbau die Nachnutzung der ausgekohlten Grube immer auf dem Arbeitsplan behielt. Und Hannelore Wagner, die Bürgermeisterin und spätere Vorsitzende des Rates des Kreises Senftenberg, habe ganze Koffer voller Wünsche bei den Bergleuten abgeladen. Die erste Fußgängerbrücke über die Schwarze Elster zum neuen See am alten Wehr stammt aus dem Tagebau Koschen. Und das zweite Bauwerk, das einen kurzen Weg zum entstehenden Badesee über den Heimatfluss am „Seeblick“ frei machte, ist aus der ausgedienten Hörlitzer Schrägbandanlage von den Kumpeln in den Werkstätten am Kostebrauer Römerkeller gebaut worden.

„Das ist unser See“, sagt der Senftenberger. „Er ist in bergmännischer Herkunft auf den Weg gebracht worden. Das wird oft vergessen. Und das tut den alten Bergleuten weh“, sagt Meinert. Deshalb ist es ihm wichtig, dass zum Tage an den Start der Flutung des Senftenberger Sees erinnert wird.

Beginn der Flutung des Tagebaus Niemtsch im November 1967.
Beginn der Flutung des Tagebaus Niemtsch im November 1967. FOTO: Erika Springer/Kreismuseum OSL / Kreismuseum OSL

Festakt zum 50. Jahrestag
des Flutungsstarts
des Senftenberger Sees,
15. November 2017, 10 Uhr,
am Flutungsschieber zwischen
Gaumensegel und See-Bauhof