Ein imposantes Bohrgerät arbeitet derzeit in unmittelbarer Nähe der Cottbuser Brücke, die in Sedlitz die Bundesstraße 169 nach Cottbus und die Bahntrasse überspannt. In einem abgesperrten Bereich neben dem Bauwerk dringt der Bohrer tief in das Erdreich ein - auf der Suche nach unterirdischen Bergbaustrecken. "Es handelt sich dabei um Relikte des Altbergbaus, also aus der Zeit von vor 1945", erklärt Uwe Steinhuber, der Sprecher der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV). Werde ein Hohlraum festgestellt, werde dieser verfüllt. Dabei kommt Braunkohlenfilterasche zum Einsatz. "Dies ist ein erprobtes und zugelassenes Verfahren", erklärt der LMBV-Sprecher.

Verwahrt werden soll die ehemalige, um das Jahr 1923 errichtete Pumpenkammer der Braunkohlengrube Anna-Mathilde. Diese befinde sich 47 Meter unter der Erde. Ein massives Bauwerk in der Größe von fünf mal sieben mal zweieinhalb Meter muss verfüllt werden.

Beim Anbohren der Kappendecke ist es vor einigen Tagen zum Nachsacken von Erdmassen gekommen. "Die Gefahrenstelle wurde umgehend gesichert und die Vertiefung wieder verschlossen", sagt LMBV-Projektmanager Hartmut Rebol.

Eine potenzielle Bedrohung, also eine Sackungsgefahr, werde mit der Verwahrung beseitigt. Der nahe Radweg am Südufer des Großräschener Sees und die Cottbuser Brücke sind während der Verfüllarbeiten weiter nutzbar. Ebenso ist die nur einen Steinwurf entfernte Erinnerungsstätte für den in den 1980er-Jahren devastierten Sedlitzer Ortsteil Anna-Mathilde weiter zugänglich.

Bereits in den vergangenen Jahren waren in Sedlitz unterirdische Hohlräume verschlossen worden. Ortsvorsteher Wolfgang Kaiser erinnert sich unter anderem an entsprechende Arbeiten im Bereich der künftigen Lagune am Sedlitzer See.

Auch anderswo in der Lausitz besteht die Problematik unterirdischer Strecken. "Diese können durch den weiteren Grundwasseranstieg, aber auch aufgrund der langen Standzeit, möglicherweise eine Gefahr darstellen", sagt Uwe Steinhuber. Viele Verwahrungen seien zu DDR-Zeiten nur mit Sand durchgeführt worden und somit nicht ausreichend gesichert. Weitere Nachkontrollen seien daher geboten.

Die unterirdischen Strecken dienten ab dem Beginn des 20. Jahrhunderts zur Entwässerung der Tagebaue. Durch Pumpstationen wurde das Wasser abgeleitet. Erst später sei dies durch Filterbrunnen und Rohrleitungen geschehen, erklärt Harmut Rebol. Ein komplettes Altbergbaugebiet wird derzeit komplett überbaggert. Betroffen ist das Areal am unmittelbaren östlichen Standrand von Welzow, das im Zuge des Tagebaufortschritts bis voraussichtlich zum Jahr 2016 in Gänze verschwunden sein wird.

Zum Thema:
Die unterirdischen Hohlräume sind Altbergbau-Lasten (Abbautätigkeit vor 1945), für die die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV) nicht Rechtsnachfolgerin ist, obwohl die Bohrpunkte auch auf LMBV-Flächen liegen.