Von Torsten Richter-Zippack

Ist sie das? Oder ist sie es nicht? „Das ist sie“, entscheidet Ingeburg Müller und zeigt auf ein auf den ersten Blick unscheinbares Lämpchen in der Vitrine. „Die hat der Großvater meines Mannes getragen. Die Lampe wurde mit Acetylen befeuert“, sagt die Ehefrau des im Jahr 2013 verstorbenen Bergmanns und Sammlers Dieter Müller. Das Exemplar, auch als Karbidlampe bekannt, stammt aus dem Jahr 1924. „Großvater trug sie am Hut“, sagt Ingeburg Müller. „Schön, dass dieses Familienerbstück auch in der Ausstellung zu sehen ist.“

Die Troll-Briketts aus Niederlausitzer Produktion gleich nebenan verraten ihre Geheimnisse indes erst bei genauem Hinsehen. „Schauen Sie auf die kleinen weißen Punkte“, fordert Ingeburg Müller die Besucher auf. „Je nachdem, wo diese angeordnet sind, lässt sich die jeweilige Brikettfabrik ablesen, in der sie produziert worden waren.“ Ohnehin, die Zierbriketts: „Die hat mein Mann mit einer bestimmten Flüssigkeit konserviert. Ansonsten wären die Kohlen im Laufe der Zeit zerfallen“, sagt Müller. Darüber hinaus hatte ihr Mann die entsprechenden Symbole und Buchstaben nachgemalt. Kein Wunder also, dass die Briketts so aussehen, als wären sie gerade aus der Presse gekommen.

Insgesamt 1800 Einzelstücke umfasst die Bergbausammlung des Dieter Müller. Darunter befinden sich nach Angaben von Elke Rößiger aus dem Senftenberger Rathaus 1300 Schmuckbriketts und 90 Bergmannsleuchten. Seit Mitte Oktober werden in den sieben Vitrinen der neuen Ausstellung im Bürogebäude in der Knappenstraße um die 400 Exponate präsentiert.

Die Sammlung von Dieter Müller war nach seinem Ableben als Dauerleihgabe an die Stadt gegangen. Verbunden mit der Auflage, die Exponate einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren. Der jetzige Ausstellungsort in der Knappenstraße sei bewusst ausgewählt worden, da das Bürogebäude zum einen von zahlreichen Menschen besucht wird. Zum anderen, weil dort die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft mbH (LMBV) als Bergbausaniererin ihren Hauptsitz hat.

Zwischen 1996 und 2013 hat Dieter Müller ein kleines Bergbaumuseum in seinem Wohnort Niemtsch betrieben. Der gebürtige Thüringer war 43 Jahre im Bergbau tätig, unter anderem als Tagebauleiter der Gruben Niemtsch und Meuro.

Hans-Peter Rößiger, Vorsitzender des Senftenberger Heimatvereins, hat die Ausstellung im Auftrag der Stadt vorbereitet. Neben Schmuckbriketts, Bergmannslampen, Abzeichen, Schmuckgeschirr, diversen Figuren und vielem mehr wird auf mehreren Fahnen die Geschichte des Senftenberger Reviers erzählt. Diese beginnt mit dem ersten Fund von Braunkohle anno 1789 auf dem Bockwitzer Butterberg. Bisheriger Endpunkt bildet das Jahr 2016. Daher gibt es auch Informationen zum entstehenden Lausitzer Seenland.

Perspektivisch wäre ein Umzug der Ausstellung in die historische Waschkaue am Rande der Gartenstadt Marga wünschenswert, sagt Hans-Peter Rößiger. Darüber hinaus könnte in das Ensemble, zu dem auch die gegenüber befindliche Kraftzentrale gehört, die Gartenstadt-Ausstellung einziehen. „Wir dürfen nicht die letzten Zeugnisse des Bergbaus im Senftenberger Revier den Bach herunter gehen lassen“, betont Hans-Peter Rößiger.

Amtsleiter Falk Peschel von der Stadt Senftenberg verweist indes auf die Kulturstrategie Lausitz 2025. Dabei geht es vor allem um mögliche Kooperationen von Kultureinrichtungen. „Bezüglich der Waschkaue gibt es noch jede Menge Klärungsbedarf“, dämpft Peschel vorschnelle Erwartungen.

Die Ausstellung kann im Behörden- und Dienstleistungszentrum in Senftenberg, Knappenstraße, bis Ende 2020 jeweils montags bis freitags von 9 bis 18 Uhr besichtigt werden.