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| 16:59 Uhr

Ein Hafenfest mit teuren Folgen
Senftenberger Politessen-Beschimpfer muss kräftig berappen und seine Frau muss auch vor Gericht

Senftenberg. Mit „Ihr Schweine“ soll ein Besucher vom Hafenfest Senftenberg im August zwei Politessen beschimpft haben. Vor dem Amtsgericht Senftenberg leugnet er das. Und am Ende des Gerichtstages hat auch die Ehefrau des Beschuldigten ein Verfahren am Hals. Von Jan Augustin

Es soll ein schöner Ausflug zum Senftenberger Hafenfest werden. August 2018: bestes Wetter. Die Sonne brennt, das Thermometer schafft wieder die 30 Grad-Marke. Karsten C.* aus Hoyerswerda, seine Ehefrau und der siebenjährige Sohn entschließen sich für den Besuch in der Nachbarstadt. Mit dem Auto geht’s Richtung Stadthafen. Doch wo parken? In der Buchwalder Straße sucht die Familie vergeblich nach einem Stellplatz – und beobachtet zwei Politessen, die gerade Knöllchen verteilen. Was dann passiert – darin unterscheidet sich die Meinung von Gericht und Staatsanwaltschaft und die des Angeklagten grundlegend.

Laut Anklage beschimpft Karsten C. die beiden Ordnungsamtsmitarbeiterinnen aus dem Auto heraus mit den Worten „Ihr Schweine“. Die Politessen, die als Zeuginnen geladen den Vorfall so erneut bestätigen, schreiben sich das Kennzeichen des Nummernschildes auf und erstatten Anzeige. Wenige Wochen später flattert der Strafbefehl bei Karsten C. ein: Er soll 1125 Euro an die Staatskasse zahlen. Doch er liegt Widerspruch ein, der Fall ist nun Sache für das Senftenberger Amtsgericht.

Es war alles ganz anders

Am Donnerstag hat die von Richter Harald Rehbein geführte Verhandlung stattgefunden. Der Angeklagte bleibt dabei: „Ich lüge nicht. Ich habe eine schneeweiße Weste“, beteuert der 55-Jährige. Ja, räumt er ein, die Parkplatzsituation sei anders gewesen als in den Jahren zuvor. „Überall Parkverbot“, moniert er. Die ihm vorgeworfene Beleidigung aber hätte er so nie in Anwesenheit seines Sohnes verwendet.

Vielmehr habe seine Frau „Ihr solltet Euch schämen“ aus dem Fenster gerufen. „Na gut, dann sind mir die Pferde durchgegangen“, gibt diese als Zeugin zu, den Satz gesagt zu haben, weil sie angenervt war von der Suche nach einem Parkplatz. Ihr Mann jedoch hätte es gar nicht gewesen sein können, weil er als Beifahrer das Fenster nicht öffnen habe können. Angeblich sei die Kindersicherung aktiviert gewesen, weil die Klimaanlage lief und die Scheiben geschlossen waren.

Frau muss sich jetzt wegen Falschaussage verantworten

So banal diese Aussage klingt – sie wird Folgen haben. Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft ist sie nämlich erlogen. Die Frau hat nun wegen des Verdachts einer Falschaussage vor Gericht ein Verfahren an der Backe, das mit einer mindestens dreimonatigen Freiheitsstrafe enden könnte. Karsten C. indes ist wegen Beleidigung zu einer Zahlung von 1125 Euro verurteilt worden.

Auch Richter Harald Rehbein glaubt dem Ehepaar nicht: „Aus meiner Sicht haben Sie gelogen.“ Es gebe keinerlei Veranlassung an der Glaubwürdigkeit und Beobachtungsgabe der beiden Politessen zu zweifeln, stellt Rehbein klar. Auch gebe es für die beiden Frauen keinen Grund, eine Anzeige zu erstatten, wenn diese Worte gar nicht gefallen sein sollen. *Name geändert