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Silbersee in Annahütte
Kalkboot auf Fahrt gegen sauren Silbersee

Beim Beladen des Bekalkungskahns am Ufer des Silbersees   an vorderster Front dabei ist der  Chef  der Annahütter Anglerfreunde,  Ralf  Trizollek (l.),  mit seinem Stellvertreter Joachim Franz.
Beim Beladen des Bekalkungskahns am Ufer des Silbersees an vorderster Front dabei ist der Chef der Annahütter Anglerfreunde, Ralf Trizollek (l.), mit seinem Stellvertreter Joachim Franz. FOTO: Rasche Steffen
Annhütte. Mit schwimmendem Arbeitsgerät sorgen Annahütter Anglerfreunde im See vor der Haustür für klares Wasser. Nächste Bekalkungs-Aktion findet Ende Oktober statt. Erster Karpfen-Besatz noch in diesem Jahr. Von Andrea Budich

Das Kalkboot hat auf dem Silbersee Fahrt aufgenommen und zieht gut sichtbar eine lange Kalkfahne hinter sich her. Bei 4 bis 5 liegt der pH-Wert des Seewassers jetzt etwa. Vor der Erst-Bekalkung waren es saure 3,5. Mit Kalkmergel, der mittels der Propellerschraube mobil unter der Wasserlinie eingebracht wird, schreiten die Annahütter Anglerfreunde zur Tat, um den See in den neutralen Bereich zu bringen. Insgesamt 40 Tonnen des Kalkmergels werden mit dem Bekalkungskahn auf der rund 40 Hektar großen Wasserfläche verteilt.

Den Silbersee wieder in klares Fahrwasser mit einem guten Fischbesatz zu führen, hat für die Anglerfreunde um Vereinschef Ralf Trizollek derzeit Priorität. Denn die 60 Vereinsmitglieder der Gewässerfreunde 1970 haben etliche Jahre buchstäblich auf dem Trockenen gesessen. Ihre beiden vom Verein bewirtschafteten Teiche bei Klettwitz waren wegen Standsicherheitsproblemen durch die Bergbausaniererin LMBV gesperrt worden und damit für die Vereinsmitglieder nicht mehr nutzbar. Mit dem See vor der Haustür haben Annahüttes Angler daher einen richtig dicken Fisch an Land gezogen.

Der Silbersee war vor zwei Jahren vom Land Brandenburg an die Gemeinde Schipkau übergeben worden. Diese wiederum hat ihn mittels Fischereipachtvertrages in die Hand des Landesanglerverbandes Brandenburg gelegt. Gehegt und gepflegt wird er von den bis dato teichlosen Petrijüngern aus Annahütte. Der Silbersee ist das größte DAV-Gewässer im Gebiet des regionalen Anglerverbandes Senftenberg.

Mit voll beladenem Bekalkungskahn stechen Annahüttes Angler in See. Zwei große Bekalkungs-Aktionen haben sie bereits gestemmt. 20 Tonnen sollen noch einmal am 28. Oktober ausgebracht werden.
Mit voll beladenem Bekalkungskahn stechen Annahüttes Angler in See. Zwei große Bekalkungs-Aktionen haben sie bereits gestemmt. 20 Tonnen sollen noch einmal am 28. Oktober ausgebracht werden. FOTO: STEFFEN RASCHE / Rasche Steffen

Um den Schatz am Silbersee zu heben und ihn in ein Gewässer mit konstant fischverträglichem ph-Wert zu verwandeln, wird er in diesem Herbst in Regie des Landesanglerverbandes bekalkt. Das dafür im Einsatz befindliche Kalkboot wurde mit Unterstützung von Fördermitteln extra für seinen Dienst auf dem Silbersee angeschafft. Rund 20 000 Euro hat der Landesanglerverband in diesem Jahr für die Bekalkungs-Aktion auf dem Silbersee investiert. Die ersten 20 Tonnen Kalkmergel sind inzwischen eingebracht. Am 28. Oktober wird das Boot erneut zu Wasser gelassen, um weitere zehn Tonnen zu verteilen. „Wir werden auf dem Silbersee noch die nächsten Jahre zu tun haben“, bestätigt Kreisgewässerwart Ralf Stephan. Mit dem ersten Karpfen-Besatz liebäugelt er indes schon in diesem Herbst. Im nächsten Frühjahr sollen dann Hechte, Zander, Barsche und Schleie folgen.

„Petri heil!“ am Silbersee in Annahütte könnte es dann erstmals wieder in einem Jahr heißen. Die Gewässerfreunde um Ralf Trizollek können es kaum noch erwarten, im Heimatgewässer die Ruten auszuwerfen. Gezwungenermaßen fahren sie jetzt noch bis zu 100 Kilometer weit, um an Dahme oder Spree zu angeln. „Der Silbersee ist für uns tatsächlich ein Schatz“, erklärt der Vereinsvorsitzende. Von einem fischreichen See vor der Haustür erhofft er sich auch wieder mehr Zulauf von jungen Leuten. Schipkaus Bürgermeister Klaus Prietzel (CDU) indes hofft auf einen ganz großen Fang. Zu überbieten ist ein von ihm an Land gehievter knapp 90 Zentimeter langer Hecht. Der wahre Schatz am Silbersee für das Gemeindeoberhaupt ist aber ein naturnahes, idyllisches Gewässer mit hohem Naherholungswert.