Auf dem Gelände von Lafarge am ehemaligen Kraftwerk stehen einige Lkw. Fast verloren wirken die wenigen Leute, die sich um das Beladen kümmern. Es wird noch gearbeitet im Gipsplattenwerk, das zum Ende des Jahres die Produktion einstellen soll. "Wir haben in Hochzeiten im Vier-Schicht-Betrieb gearbeitet, zurzeit sind die Schichten reduziert - Kurzarbeit", erklärt Bernd Raap, Direktor Produktion und Werksleiter in Lübbenau wie auch in Peitz. Er bescheinigt den Mitarbeitern, dass sie trotz der anstehenden Schließung weiterhin eine gute und zuverlässige Arbeit leisten.

"Qualität ist nie ein Problem am Standort Lübbenau gewesen", betont er. Doch die Entwicklungen am Markt würden keine andere Lösung als die Einstellung der Produktion zulassen, eine Reduzierung reiche nicht aus. Die Jahresproduktion in Lübbenau liege bei rund 24 Millionen Quadratmeter Gipsplatten, doch es habe einen Rückgang von Exporten in Höhe von rund 32 Millionen Quadratmetern gegeben. "Das sind anderthalb Werke", rechnet er vor.

"Der stagnierende Markt in Deutschland ist schon seit langem nicht mehr ausreichend für den Produktionsstandort", so Ralf Krenzin, Pressesprecher von Lafarge Gips/Lafarge Zement. Nur durch umfangreiche Exporte nach Großbritannien, Irland und in weitere Länder sei die Kapazität des Werkes Lübbenau ausgelastet worden. In Großbritannien und Irland sei der Bausektor unerwartet stark eingebrochen. "Die dortige Nachfrage kann daher künftig allein von den britischen Werken gedeckt werden", erklärt Krenzin.

Und genau dies sieht der Lübbenauer Betriebsrat als Knackpunkt. Überall dort, wohin Lafarge umfangreiche Exporte hatte, seien Werke errichtet worden, so Betriebsratsvorsitzender Klaus Paulick. In England werde in diesem Jahr ein Werk in Betrieb genommen, auch in Irland sei ein neues geplant. So habe sich Lafarge Überkapazitäten selbst geschaffen. "Der Wirtschaftsausschuss, dem Betriebsratsmitglieder angehören, ist am 15. Oktober über die beabsichtigte Schließung informiert worden, die Mitarbeiter in der Betriebsversammlung am 16.

Oktober", sagt Klaus Paulick. "Bisher haben wir noch keinen Stilllegungsplan, keinen Schließungsbeschluss gesehen", stellt Gerd Kullick, stellvertretender Betriebsratsvorsitzender fest. Deshalb habe der Betriebsrat auch in ersten Gesprächen mit der Unternehmensführung Erläuterungen zu vorgelegten Zahlen und Darstellungen gefordert. In der kommenden Woche soll es ein weiteres Gespräch geben. "Die Verhandlungen zum Sozialplan haben wir in die Hände des Gesamtbetriebsrats gegeben, die Beschlussfassung liegt bei uns", sagt Klaus Paulick.

"Lafarge wird sich um die Mitarbeiter kümmern, es wird eine Sozialauswahl getroffen werden", versichert Bernd Raap. Drei Mitarbeiter sollen bleiben, die nach dem Anhalten der Produktion für die Instandhaltung sorgen. Einem Teil der Belegschaft sollen Arbeitsplätze in anderen Werken angeboten werden, wo es offene Stellen gebe. "Und wir haben gut qualifizierte Leute - Schlosser, Elektriker, Gabelstaplerfahrer", ergänzt er. Lafarge werde mit anderen Unternehmen in der Region Kontakt aufnehmen, um sie zu vermitteln.

Der Betriebsratsvorsitzende bleibt skeptisch: "Wir haben schon drei Entlassungswellen hinter uns, die Jüngeren sind alle schon raus. Der Altersdurchschnitt liegt über 53 Jahre."

Landtagsabgeordnete Kerstin Bednarsky sowie die Stadtverordneten Jörg Renaud und Matthias Mnich von der Linken haben sich am Montag im Gespräch mit dem Betriebsrat über die Situation im Lübbenauer Werk informiert. Die Arbeitsplatzsituation in der Region sei schwierig, sie versuche, die von Schließungen Betroffenen zu unterstützten, so Kerstin Bednarsky. Jörg Renaud verwies darauf, dass nicht nur die 52 Lafarge-Mitarbeiter betroffen seien, sondern auch Arbeitsplätze in anderen Firmen, beispielsweise im Bereich der Logistik.

Lafarge Gips ist ein Hersteller von Gipsbaustoffen und Trockenbausystemen. Das Unternehmen beschäftigt nach eigenen Angaben mehr als 500 Mitarbeiter und betreibt neben Lübbenau drei Werke in Deutschland (Peitz, Lippendorf, Hartershofen) sowie eins im niederländischen Delfzijl.