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| 02:54 Uhr

Bei den Reisen von Richard Löwenherz zittert die Familie in Klettwitz immer mit

Richard Löwenherz präsentierte seine zentralasiatischen Reiseerlebnisse in der Wendischen Kirche in Senftenberg.
Richard Löwenherz präsentierte seine zentralasiatischen Reiseerlebnisse in der Wendischen Kirche in Senftenberg. FOTO: T. Richter-Zippack/trt1
Senftenberg. Eine innere Sehnsucht nach Ursprünglichkeit sei es, die ihn immer wieder in weltabgeschiedene Gebiete treibt. Das sagt der Klettwitzer Richard Löwenherz. T. Richter-Zippack/trt1

Diese Regionen finde er allerdings weder in der Lausitz noch im Bayerischen Wald, sondern vor allem in der früheren Sowjetunion. Insbesondere die Weiten Sibiriens und die abgelegenen Hochgebirgsregionen Kirgisiens und Tadschikistans hätten es dem 34-Jährigen angetan.

Um diese Ursprünglichkeit hautnah zu erleben, reist Richard Löwenherz nicht etwa mit einer normalen Tourismusgruppe, sondern zumeist allein. Und zwar auf seinem Fahrrad. "Mich interessiert einfach, wie es in fremden Ländern so aussieht, wie die Menschen dort leben", begründet er seinen Antrieb.

Seine jüngsten Touren durch Zentralasien habe der Klettwitzer mit einem Zweirad bestritten, dass er auf einem mongolischen Basar für umgerechnet 68 Euro erstanden hatte. Hotelübernachtungen seien tabu, meist nächtige der Klettwitzer unter freiem Himmel. Wenn es zu kalt werden sollte, auch mal im Zelt. Rund 50 Kilogramm Gepäck führe er immer mit - über 4000 Meter hohe Bergpässe des Tienschan-Gebirges, durch reißende Flüsse und endlose Steppen.

Manchmal, so erzählt Richard Löwenherz, habe er über Wochen keinerlei Kontakt zu seiner Familie. Neuerdings führe er aber zumindest ein GPS-Gerät mit, das hin und wieder seine Position an den Computer zu Hause in Klettwitz sendet.

"Meine Leute haben sich inzwischen an die Touren gewöhnt", erzählt Richard Löwenherz. Dennoch zitterten die Angehörigen immer mit. Gerade Tadschikistan sei nicht unbedingt als allzu sicheres Reiseland bekannt. Die Freundin lasse der Klettwitzer während seiner extremen Fahrradreisen zu Hause. Stattdessen genieße sie "normale" Touren innerhalb von Europa.

Dass der 34-Jährige so gern auf Achse ist, scheint mit seinem Beruf zu tun zu haben. Schließlich habe er im Jahr 2012 sein Geografie-Studium an der Freien Universität Berlin abgeschlossen. Klar, dass es während der Diplomprüfung um Zentralasien ging. Inzwischen ist Richard Löwenherz in einem Berliner Unternehmen als Meteorologe tätig. "Wir fertigen die Vorhersagen für Radio- und Fernsehsender. Darüber hinaus wird der Winterdienst beraten", umreißt der junge Mann, der inzwischen dauerhaft in der Hauptstadt lebt, sein Tätigkeitsfeld.

Da er in Berlin über eine Teilzeitstelle als Meteorologe verfüge, sammele sich ausreichend Freizeit für die teilweise über Monate dauernden Touren an. Inzwischen müsse sich Richard Löwenherz das notwendige Geld nicht mehr wie zu Studentenzeiten vom Munde absparen, denn sein Verdienst sei angemessen.

In den ehemaligen Sowjetrepubliken würden 100 Euro im Monat locker zum Reisen und Leben ausreichen. Nicht zuletzt werde der Deutsche oft und gern zu den Einheimischen eingeladen, die ihn dann reichlich bewirten. "Die Gastfreundschaft ist eine äußerst angenehme Erfahrung", resümiert Richard Löwenherz.

Inzwischen führe er neben dem Fahrrad auch ein Schlauchboot und eine Bergsteiger-Ausrüstung mit. Denn in Südsibirien, wo er im Sommer dieses Jahres unterwegs gewesen ist, gebe es mitunter keine Landwege mehr.

Für die nächsten Jahre träumt der 34-jährige Wahl-Berliner von Reisen nach Jakutien und auf die entfernte Halbinsel Kamtschatka. Wahrscheinlich wieder allein. Wahrscheinlich wieder mit dem Fahrrad.