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| 15:47 Uhr

Drei Heranwachsende aus Senftenberg vor der Jugendrichterin
Beachbar-Brandstifter angeklagt

 Bis auf die Grundmauern verkohlt: Die Aloha Beachbar in Niemtsch nach der verheerenden Brandnacht im September 2016. Die Bar ist inzwischen vom Betreiber, dem Wandelhof Schwarzheide, neu aufgebaut worden. Saisonstart in der Aloha-Bar ist am Männertag in zwei Wochen.
Bis auf die Grundmauern verkohlt: Die Aloha Beachbar in Niemtsch nach der verheerenden Brandnacht im September 2016. Die Bar ist inzwischen vom Betreiber, dem Wandelhof Schwarzheide, neu aufgebaut worden. Saisonstart in der Aloha-Bar ist am Männertag in zwei Wochen. FOTO: Manfreed Feller
Senftenberg/Niemtsch. Drei Heranwachsende aus Senftenberg werden beschuldigt, die Aloha-Beachbar in Niemtsch abgefackelt zu haben. Vor dem Amtsgericht gibt ein Brandstifter die Tat zu. Einen Plan will er aber nicht gehabt haben. Von Andrea Budich

Bis auf den letzten Strohhalm, Barhocker, Kühltisch und Bambus-Becher ist die Aloha Beachbar am Niemtscher Strand des Senftenberger Sees in einer Septembernacht vor knapp drei Jahren lichterloh in Flammen aufgegangen. Senftenberg war damals elektrisiert. Denn die Aloha-Bar war nach dem Feuer in der „Rostlaube“ und dem komplett ausgebrannten Imbisswagen am Landeplatz in Kleinkoschen bereits die dritte niedergebrannte Versorgungseinrichtung binnen vier Wochen und damit Teil einer kleinen Brandserie im Lausitzer Seenland. Imbiss- und Barbetreiber rund um den Senftenberger See haben die Angst nicht vergessen, die damals umging.

Während die  Ermittlungen  zur niedergebrannten „Rostlaube“ von der Kriminalpolizei ergebnislos  abgeschlossen wurden, stehen die mutmaßlichen Brandstifter der Aloha Beachbar  seit dieser Woche vor dem  Jugendschöffengericht des Amtsgerichtes Senftenberg.

Drei Heranwachsende aus Senftenberg, die zum Tatzeitpunkt 17, 18 und 19 Jahre alt waren, sind angeklagt,  aufgrund eines  gemeinsamen Tatplanes  das Schilf auf dem Strohdach der  Aloha Beachbar   mit Feuerzeugen in Brand gesetzt zu haben. Holzkunstruktion der Bar, Terrasse und Dach  brannten in der Folge komplett nieder.

Ein Beachbar-Brandstifter vor Amtsgericht Senftenberg geständig

„Mit der Brandruine war für uns die Saison gelaufen“, erinnert sich  Bärbel Jaworek vom Wandelhof Schwarzheide als Betreiber der Strandbar in Niemtsch. Der Wiederaufbau   war von zahlreichen Hilfsangeboten von Besuchern bis aus Dresden  tatkräftig unterstützt worden.  Unterm Strich aber  hat sich der Schaden auf  gute 25 000 Euro summiert.

Das zündelnde Trio hat sich jetzt vor dem Jugendschöffengericht unter Vorsitz der Richterin Grit Bergander zu verantworten. Alle drei haben bisher eine weiße Weste und standen noch nie vor einem Richter. Sie haben ordentliche Schulabschlüsse, sind in Ausbildung oder haben einen Job.

Der Älteste im Bunde,  Johannes*, ist der einzige, der  am Dienstagvormittag im großen Verhandlungssaal die Tat zugibt. Unter dem Einfluss einiger Bierchen habe er  ein Feuerzeug an das vom Dach herunter hängende Schilf gehalten. Einen Plan aber, so wie von der Staatsanwältin angeklagt, habe es nicht gegeben. „Das war ein Kurzschluss an einem chilligen Abend unterm Sternenhimmel in der Truppe“, sagt Johannes.

Die beiden anderen schweigen und lassen ihre Anwälte für sich sprechen. Felix* gibt zu, an jenem Abend an der Strandbar gewesen zu sein, streitet aber ab, das Dach in Brand gesetzt zu haben. Ganz im Gegenteil habe er versucht, die ersten kleineren Flammen mit seinem Bier zu ersticken.

Der Dritte im Bunde, Tom*, bestreitet jedwede Tatbeteiligung. Als Nichtraucher habe er nicht einmal ein Feuerzeug in der Tasche gehabt.

Amtsgericht Senftenberg vertagt Urteil über Beachbar-Brandstiftung

Was genau sich in der Brandnacht kurz vor 1 Uhr am Niemtscher Strand abgespielt hat, wer die Feuerzeuge ans Schilfdach gehalten hat und ob die Angeklagten ihre Hand tatsächlich im Spiel hatten, dazu konnten die zehn Zeugen am Dienstag nur bedingt zur Aufklärung beitragen.

Der zeitliche Abstand von fast drei Jahren hat die Erinnerungen deutlich getrübt. Zudem war der Tatort damals nur schwach beleuchtet und von mindestens einem Dutzend junger Leute bevölkert. Deshalb schütteln einige Zeugen wiederholt den Kopf, obwohl Richterin Grit Bergander immer wieder versucht nachzubohren, damit die Wahrheit ans Licht kommt.

Ein Urteil ist am Dienstag nicht gefallen. „Eine weitere Beweisaufnahme und Zeugenvernehmungen sind erforderlich“, bestätigt die Direktorin des Amtsgerichtes, Martina Müller. Ein neuer Verhandlungstermin muss daher angesetzt werden. Kann dem Trio die Brandstiftung nachgewiesen werden, dann erwartet die Täter nach dem Jugendrecht eine Haftstrafe, die zur Bewährung ausgesetzt wird. (*Namen geändert)

 Bis auf die Grundmauern verkohlt: Die Aloha Beachbar in Niemtsch nach der verheerenden Brandnacht im September 2016. Die Bar ist inzwischen vom Betreiber, dem Wandelhof Schwarzheide, neu aufgebaut worden. Saisonstart in der Aloha-Bar ist am Männertag in zwei Wochen.
Bis auf die Grundmauern verkohlt: Die Aloha Beachbar in Niemtsch nach der verheerenden Brandnacht im September 2016. Die Bar ist inzwischen vom Betreiber, dem Wandelhof Schwarzheide, neu aufgebaut worden. Saisonstart in der Aloha-Bar ist am Männertag in zwei Wochen. FOTO: Manfreed Feller