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| 02:32 Uhr

Bayer macht Tempo in der Lausitz

Josef Meier (68) brennt für den Motorsport und den Lausitzring.
Josef Meier (68) brennt für den Motorsport und den Lausitzring. FOTO: Andrea Stern/Lausitzring
Klettwitz. Ein herber Verlust hat Lausitzring-Chef Josef Meier (68) in Pfaffenberg einst total ausgebremst und bis heute auf Hochtouren gebracht. Kathleen Weser

"Der Drang, mobil zu sein, hatte mich - wie viele Jugendliche - im zarten Alter von etwa 15 Jahren auch ergriffen", bestätigt Josef Meier lachend. Mit Freunden hat der Mann, der heute in der Lausitz Tempo macht, damals in den Scheunen abgestellte Motorräder der Baujahre vor und während des Krieges entdeckt und den Besitzern mit Erfolg abgeschwatzt. "Wir haben sie fahrtüchtig und die Feld- und Waldwege unsicher gemacht", erzählt er. Die Ordnungshüter seien deshalb auch zu zahlreichen Elternbesuchen erschienen. Drakonische Strafen wegen des wilden Fahrens ohne Führerschein seien zu der Zeit zwar nicht wirklich zu befürchten gewesen. "Doch eines Tages hatte mein Vater alle meine Fahrzeuge dem Schrotthändler übergeben", berichtet Josef Meier. Dies habe er aber doch verkraftet, bestätigt der bodenständige Bayer heute sichtlich vergnügt. Wenig später habe er den Führerschein abgelegt und sei mit einem zugelassenen Zweirad in der Spur gewesen. Nach der Lehre zum Kraftfahrzeugmechaniker bei Mercedes in Regensburg hat Josef Meier für das Fachabitur noch einmal die Schulbank gedrückt und dann Maschinenbau studiert. Hoch hinaus ging es für ihn zum Einstieg ins Arbeitsleben. Als Entwicklungsingenieur hat der Tüftler beim Triebwerkhersteller MTU in München angefangen. Doch die knatternde Zündapp mit dem Fahrtwind frischer Landluft um die Nase ist dem Niederbayern näher geblieben als die Phantom-Flugzeuge, deren Brennsysteme er hier mit entwickelt hat. Meier wechselte zur Firma Fendt, ein namhafter Landmaschinenhersteller, der damals die Zündapp auf dem deutschen Markt neu etablieren wollte. Und nach einem Zwischenstopp bei BMW hat er dann den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt - mit einem Motorradgeschäft, das bis heute läuft. Als Gutachter hat der Bayer, der in heimatlichen Gefilden nach wie vor in Garten und Gewächshaus seine Gurken und Paprika mit Freude selbst anbaut, frisierte Zweiräder legal auf die Straßen gebracht. Groß geworden ist der Techniker mit Bausätzen, die das Tempo von Motorrädern TÜV-gerecht drosseln. "Wir haben als Händler auch gebrauchte Fahrzeuge an junge Leute mit schmalem Geldbeutel verkauft. Viele Fahranfänger aber durften ihr Traumgefährt gar nicht führen", erklärt er. Das hat Josef Meier mit geändert. Das Geschäftsmodell ist eine Erfolgsgeschichte, mit der sich der Motorsport-Enthusiast auch im Rennzirkus große Träume erfüllen konnte. Im Rennsportteam, das Meier mit aus der Taufe gehoben hat, startete beispielsweise Michael Rudroff - zuerst auf einer Suzuki RG 500 Gamma als Neuling - furios durch. Mit den unternehmerischen Erfolgen haben Meier und Partner bei den Motorradherstellern auf sich aufmerksam gemacht.

Im Eröffnungsjahr des Lausitzringes ist Josef Meier mit seinem Team zur ersten Rennveranstaltung auf der nagelneuen Rennstrecke angereist. "Es hat stark geregnet. Denn in der Lausitz ist es immer schön, außer zu Veranstaltungen", stellt er fest.

"Aus dem Bauch heraus" haben sich die Geschäftspartner aus Bayern schließlich vor nunmehr zehn Jahren entschlossen, am Bieterverfahren um den Betrieb des Lausitzringes in Folge der Insolvenz und anderer Turbulenzen teilzunehmen. "Wir waren spät dran", erzählt Meier, "aber überzeugend". Im Grundvertrauen auf die Prognose, in der Lausitz gebe es im Januar keinen Schnee, haben die Bayern den Ring zum Start des Jahres 2008 übernommen. "Wir hatten sofort mit einem halben Meter Neuschnee zu kämpfen, nachdem hier drei Jahre zuvor der Winter praktisch völlig ausgeblieben war", sagt er. Auch den Schnee habe er also mitgebracht - und mit Unternehmergeist sofort die Idee geboren, den Lausitzring als lokales Langlauf-Terrain zu erschließen. "Aber seit wir das Loipenspurgerät gekauft haben, hat es in der Lausitz auch nicht mehr geschneit", bestätigt Josef Meier - alles andere als ernsthaft mit dem Wetter hadernd. Der Ring-Chef ist Optimist und Realist, spontan und bedacht, umtriebig und grundsolide. Sein Erfolg ist hart erarbeitet, Schritt für Schritt. Das ist auch das Rezept für den Lausitzring, auf dem am Wochenende mit den Deutschen Tourenwagen-Masters (DTM) und den ADAC GT Masters zwei Top-Rennen starten.