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| 16:14 Uhr

Straßenausbau in Hörlitz beschäftigt jetzt Anwälte
Baustellen-Krach um Zentimeter

Beim Vor-Ort-Termin auf der Baustelle kochen die Emotionen der Anwohner zur neuen Höhenlage der vormals nicht geradlinigen Kreuzstraße über.
Beim Vor-Ort-Termin auf der Baustelle kochen die Emotionen der Anwohner zur neuen Höhenlage der vormals nicht geradlinigen Kreuzstraße über. FOTO: Rasche FOTOGRAFIE / Steffen Rasche
Hörlitz. Asphalt ist eingefahren, Straßenausbau-Streit eskaliert in der Hörlitzer Kreuzstraße um Höhenunterschiede und Gefälle. Kompromiss ist gescheitert, Klageweg ist eingeschlagen. Von Andrea Budich

14,5 Zentimeter. Sie sind die magische Zahl, um die sich der Baustellen-Streit entlang der Hörlitzer Kreuzstraße dreht. Sieben Meter Höhenunterschied auf einer Länge von 350 Metern - für Lausitzer Verhältnisse handelt es sich um eine ziemlich abschüssige Piste, erbaut Mitte der 1930er-Jahre. Wenn so eine alte Straße mit Knicken, Absätzen und Kanten neu aufgebaut wird, dann wächst sie meistens in den Himmel. In Hörlitz ist das umgekehrt.

Wenn Thomas Nützsche auf seinen Zaunsockel, seine Grundstückspforte und Zufahrt schaut, bekommt es der gestandene Feuerwehrmann mit der Angst zu tun. Der Zaun hängt in der Luft, der Tritt zu seiner Eingangstür auch. Die Zufahrt hat soviel Gefälle, dass ihm schwindelig wird. „Ein hässlicher Gehweg, an dem nichts passt und die Borde zehn Zentimeter zu tief eingebaut sind“, schimpft er. Bei seinen Nachbarn Olaf Lindenberg und Hendrik Lebelt sieht es nicht viel besser aus. „Wenn das so bleibt, rutscht der Zaun ab“, befürchten sie.

Die Nachbarn an der oberen Kreuzstraße sind sich einig: Die neu aufgebaute Straße vor ihren Haustüren liegt zu tief. Exakt jene 14,5 Zentimeter zu tief, die oben an der Kuppe abgetragen wurden. Das haben eigene Messreihen mehrfach bestätigt.

Der Baustellen-Streit um Zentimeter hat sich seit Anfang Juni hochgeschaukelt und ist in dieser Woche bei einem großen mehrstündigen Vor-Ort-Termin mit allen Beteiligten explodiert. Während die Kritiker den Bau am liebsten auf der Stelle gestoppt und den Asphalteinbau abgeblasen hätten, um Schlimmeres zu verhindern, bleiben die Gemeinde als Bauherrin und das zuständige Planungsbüro aus Senftenberg ganz ruhig.

Eine Zusicherung, dass die Höhenlage der Straße erhalten bleibt, habe es nicht gegeben, bestätigt Schipkaus Bauamtsleiter Martin Konzag. „Wenn die buckelige alte Kreuzstraße nach heutigen technischen Vorgaben trassiert wird, sind Anpassungen unumgänglich“, argumentiert der Bauamtsleiter. Aus seiner Sicht wäre es auch nicht vermittelbar, wenn die Gemeinde die Straße für 520 000 Euro Baukosten grundhaft ausbaut und dabei die buckelige alte Höhenlage mit Knicken und Absätzen exakt wieder herstellt. „Die Straße wird selbstverständlich anders aussehen als zuvor“, resümiert Konzag.

Mit Blick auf die Projektunterlagen bestätigt auch Planer und Bauüberwacher Thomas Berner, dass es bei solchen Planungen „immer Kompromisse geben muss“. Oberste Priorität für ihn hatten die festen Zufahrten, deren Höhe man nicht mehr verändern könne. Was den Höhenbestand betrifft, so sei dieser nahezu geblieben, wenngleich die Aufgabe bestand, die Fahrbahn-Unebenheiten möglichst auszugleichen und zu verbessern. Teilweise gibt es daher Auf- und Abträge. Zwei bis sieben Zentimeter liegen für den Planer in einem vertretbaren Bereich.

Ob alles hält, die Zufahrten befahrbar sind und ob es am Ende auch gut aussieht, das werden die Bewohner spätestens am 16. Juli sehen, wenn die Straße für den Verkehr wieder freigegeben wird. Thomas Nützsche bleibt nach dem Asphalteinbau am Freitag indes nur noch der Klageweg. Sein Anwalt hat die Projektunterlagen bereits bei der Gemeinde zur Einsicht angefordert.

Am Donnerstag und Freitag sind vollendete Tatsachen geschaffen worden: Trag- und Deckschicht des Asphalts sind eingefahren.
Am Donnerstag und Freitag sind vollendete Tatsachen geschaffen worden: Trag- und Deckschicht des Asphalts sind eingefahren. FOTO: Rasche FOTOGRAFIE / Steffen Rasche