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| 02:46 Uhr

Baumgräber und ein Engel für Sternenkinder

Baumgräber sind neu in Senftenbergs Bestattungskultur. Im Schatten der mächtigen Roteiche auf dem Waldfriedhof wird in diesem Jahr die Möglichkeit geschaffen, 20 Urnen beizusetzen. Die Gräber werden kreisförmig um den Baum angeordnet.
Baumgräber sind neu in Senftenbergs Bestattungskultur. Im Schatten der mächtigen Roteiche auf dem Waldfriedhof wird in diesem Jahr die Möglichkeit geschaffen, 20 Urnen beizusetzen. Die Gräber werden kreisförmig um den Baum angeordnet. FOTO: Andrea Budich
Senftenberg. Auf Senftenbergs Friedhöfen gibt es immer seltener Sarg-Bestattungen. Die meisten entscheiden sich für eine Urne. In Sachen letzter Ruhe ist einiges in Bewegung. Zum Wandel in der Bestattungskultur gehören neu die Baumgräber und individuell gestaltete Urnengemeinschaftsgräber. Andrea Budich

Keine Grabpflege, dafür Natur pur im Schatten der freistehenden Roteiche auf dem Waldfriedhof. Wer seine letzte Ruhe unter einem Baum finden möchte, hatte dazu bisher auf den von der Stadt Senftenberg verwalteten Friedhöfen der Kreisstadt keine Möglichkeit. Weil es immer wieder Nachfragen von Hinterbliebenen gab, soll es in diesem Jahr gleich mehrere neue Angebote in Sachen Bestattungskultur geben.

In der im Vorjahr beschlossenen Friedhofskonzeption wurde eine Reihe von Vorschlägen zu alternativen Bestattungsformen erarbeitet. Bis zum Jahr 2020 sollen sie umgesetzt sein. Auf dem Waldfriedhof wird schon in diesem Jahr einiges passieren. Senftenberg investiert 2016 rund 42 000 Euro, um dort neue Formen der Bestattung anzubieten. "Die letzte Ruhe unter einem Baum gehört dazu", erklärt Anja Anders. Als Sachbearbeiterin der Friedhofsverwaltung ist sie im Rathaus erste Ansprechpartnerin für die Hinterbliebenen. "Der Wunsch nach Baumbestattungen ist immer wieder an mich herangetragen worden", sagt sie. Unter der großen Roteiche gleich gegenüber der Feierhalle des Waldfriedhofes soll dafür Platz geschaffen werden. Alle Abstimmungen mit der Naturschutzbehörde sind bereits durch. Rund 20 Urnengräber werden kreisförmig um die Roteiche angeordnet. Jeweils mit einer kleinen Platte, auf der der Name des Verstorbenen eingraviert ist.

Viel Natur und keine aufwendige Grabpflege - mit diesem Konzept will die Friedhofsverwaltung den Wünschen der Hinterbliebenen entgegenkommen. "Früher lebten viele Generationen an einem Ort und eine gepflegte Grabstätte gehörte zum guten Ton", erklärt Ramona Donath, Sachgebietsleiterin Ordnung. Das hat sich inzwischen auch in Senftenberg geändert. Familien leben nicht mehr dauerhaft an einem Ort und der Bezug zum Grab kann oft nicht mehr aufrechterhalten werden. "Stark nachgefragt sind daher Grabstellen, bei denen die Stadt die Pflege übernimmt", bestätigt Anja Anders. Dabei geht der Trend inzwischen weg von der anonymen, sehr großflächigen "grünen Wiese", bei der die Hinterbliebenen keinen konkreten Anlaufpunkt zum Trauern und Verweilen haben. Auf dem Waldfriedhof gibt es zwei "grüne Wiesen", im Amtsdeutsch Urnengemeinschaftsanlagen genannt. Eine davon ist bereits voll belegt. Die zweite soll in diesem Jahr neu gestaltet werden. Zur optischen Aufwertung durch Bepflanzung und Wegebau kommen auch Stelen mit eingravierten Namen der Verstorbenen.

Zusätzlich angeboten wird künftig auf dem Waldfriedhof eine Urnengemeinschaftsgrabstätte mit 15 bis 20 Grabstellen. Als Dreieck oder Viereck angelegt mit Stele oder Stein in der Mitte. Die Pflege übernimmt komplett die Stadt. Die Angehörigen können an der Beisetzung teilnehmen und haben später einen Anlaufpunkt zum Trauern. "Diese kleinteilige, individuelle Form haben uns besonders die Bestatter ans Herz gelegt", sagt Anders. In diesem Jahr wird damit neu gestartet. 2017 kann bei Bedarf die zweite Urnengemeinschaftsgrabstätte nach diesem Vorbild eröffnet werden.

Die meisten Hinterbliebenen entscheiden sich in der Kreisstadt Senftenberg ohnehin für eine Urne. Sarg-Bestattungen gab es in dem vorigen Jahr nur sechs.

Die "grünen Wiesen" sollen in den nächsten Jahren auch auf den kleinen Friedhöfen in Brieske-Dorf, Niemtsch, Peickwitz und Hosena umgestaltet werden. Auch dort soll es dann Platten oder Stelen mit den Namen der Verstorbenen geben. Auf allen Friedhöfen werden die Bänke ausgetauscht und alte Wasserstellen ersetzt. Auf dem Friedhof in Niemtsch wird der Zaun komplett erneuert.

Neu auf dem Waldfriedhof ist auch ein Engel, der über die Gräber der Sternenkinder wacht. Die Statue ist von Kerstin und Frank Weidner aus Senftenberg gespendet worden. Initiatorin Kerstin Weidner verbindet mit dem Engel liebe Erinnerungen an ihre verstorbene Mutter. "Mir ist es ein Herzensbedürfnis, auch anderen an der Schönheit des Engels teilhaben zu lassen, der so viel Trost und Kraft spendet", erklärt sie. Gemeinsam mit der Stadt sind die Kindergräber als Standort ausgewählt worden, um auch dort einen Ort des Innehaltens zu schaffen.

Zuwachs soll es bis zum Juni auch noch an anderer Stelle auf dem Waldfriedhof geben. Aufgestellt wird ein Denkmal für die Gefallenen des Zweiten Weltkrieges aus dem Ortsteil Reppist. "Zwei ehemalige Reppister engagieren sich dafür und haben fleißig Spenden gesammelt", bestätigt Anja Anders. Die dafür vorgesehene Fläche ist bereits vorbereitet worden.

Für die Kindergrabstätte auf dem Waldfriedhof haben Kerstin und Frank Weidner eine Engels-Statue (hinten) gespendet.
Für die Kindergrabstätte auf dem Waldfriedhof haben Kerstin und Frank Weidner eine Engels-Statue (hinten) gespendet. FOTO: Budich