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Bauherren stehen auf Frauendorf

Glücklich: Jens Friedrich, Marcel Raack (Bauherr) und Vater Günter Raack (v. l.) haben jetzt den Ringanker im neuen Eigenheim gegossen.
Glücklich: Jens Friedrich, Marcel Raack (Bauherr) und Vater Günter Raack (v. l.) haben jetzt den Ringanker im neuen Eigenheim gegossen. FOTO: Uwe Hegewald/uhd1
Frauendorf. Der kleine Ort im Amt Ortrand zieht immer mehr junge Häuslebauer an. Doch droht ein Plan der Landesregierung, die Entwicklung im "Speckgürtel von Dresden" auszubremsen. Uwe Hegewald / uhd1

Ein Konvoi von Baufahrzeugen, der täglich in Richtung Frauendorf rollt, reißt nicht ab. "Momentan werkeln Handwerker an sechs neuen Gebäuden. Während ein Haus bezugsfertig ist, wird bei anderen gerade die Bodenplatte gegossen oder Richtfest gefeiert", beschreibt Bürgermeister Mirko Friedrich die Situation in Frauendorf. "Ein schönes Dorf. Ich habe hier den Kindergarten und die Grundschule besucht. Ernsthafte Absichten, irgendwann einmal fortzuziehen, gab es nie", sagt Marcel Raack. Am 1. September war Richtfest im Eigenheim an der Hauptstraße. Als günstig erwies sich, auf dem elterlichen Grundstück bauen zu dürfen. Vieles packt der handwerklich versierte 40-Jährige selbst an. Vater Günter Raack und Bekannte bringen sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten ein, damit der Termin bis zum gemeinsamen Einzug in Sichtweite bleibt. Mit "Baulöwe" Marcel Raack werden auch Lebensgefährtin Anja und Junior Alexander ins neue Domizil einziehen. "Bis zum ersten Schnee soll das Dach drauf sein", lässt er sich ein Zwischenziel entlocken.

Diesem ambitionierten Vorsatz folgt auch Anja Starke, die Vis-à-vis zu den Raacks ein Eigenheim errichten lässt. Nach einigen Lebensjahren in Stuttgart ist sie zu ihren Eltern in ihr Heimatdorf zurückgekehrt. Ihre Gründe: "Ein attraktives Umland, eine gute Dorf-Gemeinschaft mit rührigen Vereinen und auch ein wenig Heimweh" erklärt sie. Vermisst habe sie zudem die Produkte von Bäcker Günther, den sie "über alles liebt". "Frauendorf verfügt über eine extrem gute Verkehrslage. Bis zur Autobahnanschlussstelle A13 sind es nur vier Kilometer", ergänzt Papa Horst Starke, der seine Tochter in der Bauphase aktiv unterstützt. Selbst einziehen wird Anja Starke nicht: "Das Haus bekommt einen altersgerechten Zuschnitt und soll nach Fertigstellung an Interessierte vermietet werden", informiert sie.

Jens Winkler führt die günstigen Grundstückspreise an, die ihn und Lebensgefährtin Liane Just dazu bewogen haben, ihren Lebensmittelpunkt nach Frauendorf zu verlegen. "In Bayern hätten wir die hier erworbenen 3680 Quadratmeter nicht bezahlen können. Für ein neues Eigenheim mit Grundstück muss man in auserwählten Lagen 500 000 Euro hinblättern", so der in Süddeutschland arbeitende Noch-Weißwasseraner. Um nach geeignetem Bauland Ausschau zu halten, sei man "über die Dörfer gefahren" und in Frauendorf fündig geworden. Da es sich um eine im Jahr 2010 kommunal ausgewiesene Bauergänzungsfläche handelt, ist das Paar aufgefordert, einen Teil der Fläche mit großen einheimischen Laub- und Obstbäumen zu bepflanzen. "Dann wird Jens eben zum Hobby-Farmer", witzelt die aus Kmehlen stammende Liane Just.

Marco Schicketanz (31) und Lebensgefährtin Fanny Wendt (28) haben ihr Häuschen im mediterranen Baustil bereits 2016 bezogen und widmen sich jetzt der Umfeld-Gestaltung. "Im Heimatort Lindenau war keine, uns ansprechende Baufläche mehr verfügbar", begründet der 31-Jährige, der in Dresden als Kundenberater einer Krankenkasse tätig ist. Dabei verweist er auf die gute Anbindung zur sächsischen Landeshauptstadt: "Ich bin in 35 Minuten auf Arbeit." Durch Zufall haben wir erfahren, dass in Frauendorf noch Grundstücke zu haben sind. Ihres liege idyllisch am Waldesrand. Ein Glücksfall, so das Paar, das sich über die Heimatzeitung für die Unterstützung bei Mirko Friedrich bedankt. "Der Bürgermeister war vor und während der Bauphase immer ansprechbar", sagen die Neu-Frauendorfer.

"Wohnen im Grünen mit Gemeinschaftsgarantie" lautet der Slogan, mit dem die Gemeinde im Internet wirbt. "Es ist wichtig, das sich die jungen Leute hier niederlassen und investieren. So können wir der Demografie entgegenwirken", sagt Mirko Friedrich. Sicher trägt die Infrastruktur, die Vereine mit dem Kultur- und Sportangebot sowie die gute Lage zur Autobahn, dazu bei, erläutert das Gemeindeoberhaupt. Bis zum Dresdener Hauptbahnhof sind es von Frauendorf nur knapp 50, bis zum Flughafen sogar unter 40 Kilometer.

Wie Bürgermeister Mirko Friedrich gegenüber der RUNDSCHAU mitteilt, seien in Frauendorf noch begrenzt Bauflächen vorhanden. "Einige Privatpersonen halten sich jedoch Flächen zurück, um sie später eventuell interessierten Familienmitgliedern oder Bekannten zukommen zu lassen", so das Gemeindeoberhaupt. Was das Siegerdorf 2008 im OSL-Kreiswettbewerb "Unser Dorf hat Zukunft" ärgert, sind Überlegungen in Potsdam, den Bauboom an der Grenze zu Sachsen mit dem Landesentwicklungsplan auszubremsen. "Wir gehören nun mal zum Speckgürtel von Dresden und werden uns weiterhin bemühen, entsprechendes Bauland auszuweisen. Entwicklungschancen dürfen wir uns nicht verbauen lassen", sagt Mirko Friedrich kämpferisch.

Jens Winkler und Lebensgefährtin Liane Just müssen sich in den kommenden Wochen auf etwas mehr Stress einstellen. Obwohl der Bau ihres Eigenheimes von einer renommierten Baufirma ausgeführt wird, gilt es noch ausreichend baubegleitende Arbeiten zu verrichten. Als Lohn für die Mühen winken die eigenen vier Wände.
Jens Winkler und Lebensgefährtin Liane Just müssen sich in den kommenden Wochen auf etwas mehr Stress einstellen. Obwohl der Bau ihres Eigenheimes von einer renommierten Baufirma ausgeführt wird, gilt es noch ausreichend baubegleitende Arbeiten zu verrichten. Als Lohn für die Mühen winken die eigenen vier Wände. FOTO: Uwe Hegewald/uhd1