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| 02:46 Uhr

Bauernverband für Glyphosat-Einsatz

Laut Bauernverband bringt der gezielte Einsatz des Unkrautvernichters Glyphosat in der bodentrockenen Lausitz nur positive Effekte.
Laut Bauernverband bringt der gezielte Einsatz des Unkrautvernichters Glyphosat in der bodentrockenen Lausitz nur positive Effekte. FOTO: dpa
Senftenberg/Vetschau. Der Bauernverband Südbrandenburg hat den Einsatz des Unkrautgiftes Glyphosat verteidigt. Der Vorsitzende Thomas Goebel spricht von positiven Effekten für den trockenen Boden der Lausitz. Scharfe Kritik kommt vom Grünen-Politiker Wilfried Böhmer. Jan Augustin

Der Vorsitzende des Bauernverbandes Südbrandenburg, Thomas Goebel, ist gegen ein Verbot des Unkrautvernichters Glyphosat. "Wir sind für eine weitere Zulassung", sagte er am Donnerstag auf Nachfrage. Der Ständige Ausschuss der EU verschob gestern die Entscheidung über eine weitere Genehmigung des umstrittenen Pflanzenschutzmittels in Europa. Bei einem Treffen von Vertretern der 28 Länder in Brüssel kam nicht die nötige Mehrheit zustande. Die aktuelle Zulassung gilt noch bis zum 30. Juni.

"Wir gehen davon aus, dass Glyphosat für den Menschen keinen Schaden anrichtet", sagte Goebel. Es gebe auch keinen wissenschaftlichen Beweis dafür. Sollte dieser erbracht werden, "nehmen wir auch Abstand". Glyphosat steht im Verdacht, krebserregend zu sein.

Die Landwirte in Südbrandenburg würden dennoch Maßnahmen ergreifen, um den Einsatz der Chemikalie zu reduzieren. Dazu gehört laut Goebel zum Beispiel der Einsatz von Untersaaten und Zwischenfrüchten. So werden etwa gezielt Gräser in bestehende Kulturen eingedrillt, um Unkraut zu unterdrücken. In seinem eigenen Betrieb habe er den Einsatz von Glyphosat in den letzten sieben Jahren um 90 Prozent auf 200 Liter pro Jahr reduziert. Die Südbrandenburger Landwirte seien auf der Suche nach weiteren Alternativen.

Der gezielte Einsatz von Glyphosat bringe gerade in der Lausitz mit ihrem trockenen Boden durchweg positive Effekte. Die Behandlung sei wasserschonender als das Pflügen und Grubbern der Erde. Das komme auch der Bodendiversität zugute. "Der Regenwurm fühlt sich wieder wohl bei uns", sagt Thomas Goebel, der selbst Landwirt in Göritz bei Vetschau ist. Durch die pfluglose Bearbeitung würde außerdem viel Diesel-Kraftstoff gespart.

Dass der Wirkstoff Glyphosat gut für die Natur sein soll, bewertet Wilfried Böhmer als Hohn. Der Grünen-Kreistagsabgeordnete im Landkreis Oberspreewald-Lausitz ist vom Gegenteil überzeugt. "Das hat verheerende Auswirkungen auf die Ökologie", sagt der Vetschauer. Durch Glyphosat werde jedes Unkrautpflänzchen zerstört - mit der Folge, dass erst Insekten und dann auch Vögel kein Futter mehr finden. Zudem komme freilich das gesundheitliche Risiko für den Menschen. Solange hier Unsicherheit bestehe, seien die Grünen gegen den Einsatz und die Verlängerung der Zulassung für Glyphosat, erklärt Wilfried Böhmer.

Zum Thema:
Glyphosat wird seit den 70er-Jahren in der Landwirtschaft eingesetzt. Die Chemikalie tötet Unkraut auf Feldern mit Raps, Mais und anderen Nutzpflanzen. Heute ist Glyphosat das mit Abstand am meisten eingesetzte Pestizid. In der deutschen Landwirtschaft wird der Unkrautbekämpfer zu drei verschiedenen Zeitpunkten verwendet: um die Aussaat herum, zwischen Ernte der Winterfrucht und Aussaat der Sommerfrucht und - stark eingeschränkt - vor der Ernte. Laut Wikipedia wird Glyphosat 2015 von mindestens 91 Chemieunternehmen in 20 Ländern hergestellt. Allein in China gibt es demnach 53 Hersteller.