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Bauer sucht Sitz im Kreistag

Andreas Kupfer will für die Freie Wählergruppe Bauern in den Kreistag einziehen.
Andreas Kupfer will für die Freie Wählergruppe Bauern in den Kreistag einziehen. FOTO: Steffen Rasche/str1
Lindenau. Die Freie Wählergruppe Bauern – Landwirtschaft, Umwelt, Natur tritt über den Bauernverband Südbrandenburg e. V. mit 25 Kandidaten für die Wahl zum Kreistag Oberspreewald-Lausitz an. Andreas Kupfer (47) ist einer von ihnen. Er ist ihr Spitzenkandidat für den Wahlkreis IV in Lauchhammer/Ortrand. Heidrun Seidel / hs

Munter springen die Kälbchen auf der Weide am Lindenauer Dorfrand umher. Höchstens zwei Monate sind sie alt. Das Frühjahr ist Kälbchenzeit, erklärt Andreas Kupfer. Da haben Landwirte ordentlich zu tun. Nahezu 70 bis 80 Prozent des erwarteten Nachwuchses sind bereits auf die Welt gekommen. Die restlichen werden in den nächsten Tagen erwartet. Wenn sich die Kälber auf der Weide ausgetobt haben und herangewachsen sind, gehen sie mit einem halben Lebensjahr zu den Mastbetrieben. "Wir liefern unsere Uckermärker, eine in Mecklenburg-Vorpommern in der 70er-Jahren speziell gezüchtete Fleisch-Rinderrasse, nach ganz Deutschland", so Kupfer. Der Leiter der Tierproduktion der Agrargenossenschaft Elster-Pulsnitz Frauendorf kennt sich aus. Er sei mit Leib und Seele Landwirt, sagt er, habe die Liebe zur Landwirtschaft in die Wiege gelegt bekommen und die Berufung mit dem Beruf des staatlich geprüften Landwirtschaftsmeisters und der Ausbildung in Betriebswirtschaft untermauert.

Soeben ist er mit Traktor und Anhänger zur Weide gekommen, um einen Bullen zu holen. Das anderthalb Tonnen schwere Tier soll an anderer Stelle im Bereich des Landwirtschaftsunternehmens, das unter anderem in Tettau, Lindenau und Frauendorf agiert, für Nachwuchs sorgen. Bei der Aufzucht von Fleischrindern geht das bei den Frauendorfern noch auf ganz natürlichem Wege: Bulle sucht Kuh. "Wer sich bei uns in den Ställen umschaut, kann sehen, dass Landwirtschaft in großen Einheiten durchaus vernünftig sein kann, es den Tieren gut geht, und das Fleisch dann auch gut schmeckt", so Kupfer. Auch bei 2000 Kühen? "Es kommt nicht auf die Größe an, sondern auf den Umgang mit den Tieren und die Bedingungen, unter denen sie aufwachsen."

Andreas Kupfer ärgert sich, wenn in Diskussionen die landwirtschaftliche Produktion verunglimpft wird. Auch deshalb hat er sich entschieden, sich selbst politisch einzubringen. "Ich will die ländliche Entwicklung in unserer Region mitgestalten", sagt er. Unabhängig von Parteien und deren Interessen hat der Bauernverband seine eigene Liste aufgestellt. Dabei liegt ihm eine facettenreiche Agrarwirtschaft im Interesse der Bodeneigentümer und -nutzer ebenso am Herzen wie die Identität der Dörfer, die erhalten bleiben soll - auch als Stätten der Agrarwirtschaft. Heimische Landwirtschaft, Garten- und Obstbau, Forst- und Fischereiwirtschaft gehören dazu, bringen zukunftsfähige Arbeitsplätze und Erwerbsmöglichkeiten, wirbt der Bauernverband. "Wir möchten selbst bestimmen können, was wir wo anbauen und wie die Fruchtfolge ist", sagt der Lindenauer. Die Landwirtschaft in Europa sei in Korsette gepresst, gegängelt von Reglementierungen oder Quoten. "Bei all diesen Vorschriften ist es nahezu unmöglich, rentabel zu wirtschaften", sagt der Landwirt, der seine Branche in die Abhängigkeit von Fördermitteln gedrängt sieht. Statt geförderter Monokultur geht es ihm um eine den örtlichen Bedingungen angepasste umweltgerechte Landnutzung.

Das sei auch im Interesse der jungen Generation. Darüber hinaus müsse ihr auch auf dem Land Bildung und Kultur zur Verfügung stehen, müssten Traditionen und Brauchtum gepflegt werden. Nur so entwickelt sich bei jungen Leuten, was er für sich selbst in Anspruch nimmt: aus Liebe zur Heimat sie auch mitgestalten und noch lebenswerter machen zu wollen.

Zum Thema:
Die Freie Wählergruppe Bauern - Landwirtschaft, Umwelt, Natur geht in den Kampf um Kreistagssitze. Laut Wahlprogramm will sie unter anderem: . . . eine vielfältige Landwirtschaft. Deshalb fordert sie den Schutz landwirtschaftlicher Flächen, um die geschaffenen Strukturen und die ländlichen Räume zu erhalten. . . . Bürokratieabbau in den Verwaltungen. Sie ist gegen überzogene Schutzgebietsausweisungen und wehrt sich gegen Wettbewerbsverzerrungen auf allen Ebenen. . . . eine den örtlichen Bedingungen angepasste umweltgerechte Landnutzung sichern und sich für die Erhöhung der regionalen Wertschöpfung einsetzen.hs