. Post vom Vermieter ist dieser Tage in mehr als 570 Schwarzheider Hausbriefkästen geflattert. Darin informiert die Sewoge Service- und Wohnungsunternehmen GmbH ihre Mieter über einen Eigentümerwechsel der BASF-Tochter zum 30. Juni 2012. Die Mutter hat ihr Kind an die arsago Real Estate II GmbH verkauft, einem bundesweit agierenden Immobilieninvestor, der derzeit mit Büros in Berlin, Frankfurt/Main und München rund 20 000 Wohnungen bundesweit bewirtschaftet. Auf seiner Homepage bezeichnet er sich als ein Eigenkapitalfonds "mit einem strategischen Investitionsansatz für den deutschen Wohnimmobilienmarkt".

Sorgen der Mieter

Das macht Peter Bischoff skeptisch, der in einem der Werkshäuser in Schwarzheide lebt. "Mir fallen da gleich die Wohnungsverkäufe der Stadt Dresden im Jahre 2006 ein", sagt er. Vor sechs Jahren waren dort 38 000 kommunale Wohnungen an einen Immobilienkonzern verkauft worden. Das hat zwar dem kommunalen Haushalt Schuldenfreiheit beschert, aber auch vielen Mietern einen Leidensweg, wie der "Spiegel" berichtete: Sie beschwerten sich über hohe Mieten, verfallende Häuser und Schimmelbefall.

Davor fürchten sich nun Mieter der bisherigen Schwarzheider Werkswohnungen. Diese waren mit der Gründung der einstigen Brabag ab Mitte der 30er-Jahre entstanden und mit dem Aufbau des Synthesewerkes erweitert worden. Die BASF hat sie mit dem Kauf des Synthesewerkes übernommen und 1992 als hundertprozentige Gesellschafterin die Sewoge gegründet. Der Wohnungsbestand ist nach Sewoge-Angaben seit Mitte der 90er-Jahre voll modernisiert worden. In den zurückliegenden fünf Jahren seien darüber hinaus 1,5 Millionen Euro in die Unterhaltung der Immobilien geflossen. Die Sewoge selbst schreibe deutlich schwarze Zahlen. Die Leerstandsquote tendiere gegen Null. "Warum wird nun mit dieser Tradition der Werkswohnungen in Schwarzheide gebrochen, in Ludwigshafen behält die BASF die Wohnungsgesellschaft Luwoge doch auch", will Peter Bischoff wissen. "Die BASF - the Chemical Company ist ein Unternehmen, das sich auf sein Kerngeschäft konzentriert”, erklärt Unternehmenssprecher Arne Petersen. Heute sei es nicht mehr nötig, dass das Unternehmen einen eigenen Wohnungsbestand habe, das Angebot an Wohnungen in Schwarzheide und Umgebung sei groß genug. Außerdem sei vereinbart, dass zukünftigen neuen Fachkräften auch Wohnungen aus diesem Bestand angeboten werden. Mit einem befürchteten Rückzug aus der Lausitz habe das nichts zu tun. "Die BASF hat nicht die Absicht, sich vom Standort Schwarzheide zurückziehen", sagt Petersen. In Ludwigshafen, so Luwoge-Sprecherin Anna Katharina Rapp, halte man die Werkswohnungen auch deshalb weiter vor, weil sie als Schaufenster für den Einsatz von BASF-Baustoffen dienen würden. Da böte Europas größter Standort mehr Vorzeige-Frequenz als Schwarzheide.

Keine Kündigungen

Ängste müssten die Schwarzheider Mieter nicht haben, stimmen beide Unternehmenssprecher überein. Im Kaufvertrag sei eine Sozialcharta für Mieter und Mitarbeiter vereinbart worden. Demnach könnten bestehende Mietverhältnisse während der Lebenszeit des Mieters nicht ordentlich gekündigt werden. Kündigungen aus Eigenbedarf sind ebenso ausgeschlossen wie mietsteigernde "Luxussanierungen", heißt es weiter.

Für die Mitarbeiter der Sewoge sei festgeschrieben, dass drei Jahre lang keine betriebsbedingten Kündigungen ausgesprochen werden dürfen. "In den Verhandlungen haben wir sehr viel Wert darauf gelegt, über die gesetzlichen Bestimmungen hinaus Vereinbarungen zu treffen, die den Mitarbeitern zusätzliche Sicherheit geben", sagt Matthias Hensel, Geschäftsführer von Sewoge und Luwoge.