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| 09:51 Uhr

Barrieren türmen sich an jeder Ecke auf

Lauchhammer.. Die Begegnungsstätte des Wequa e. V. in Lauchhammer-Süd ist regelmäßiger Treffpunkt für Senioren und Menschen mit Behinderung. Dort treffen sie sich zu Vorträgen, Kaffee- oder Spielnachmittagen, aber auch, um die alltäglichen privaten Probleme loszuwerden. Petra Maser

Bärbel Glaser kann ein Lied davon singen. Die Behindertenbeauftragte der Stadt hat für die Betroffenen immer ein offenes Ohr und bemüht sich, ihnen bei der Überwindung der Barrieren des Alltags behilflich zu sein. Diese sind für Nichtbehinderte oft kaum wahrnehmbar, für einen Rollstuhlfahrer aber von existenzieller Bedeutung. "Nehmen Sie nur mal die Gehwege. Ihr Zustand macht einem gehbehinderten Menschen schon zu schaffen", spricht Bernd Zapke aus Erfahrung. Oft ragen die Gehwegplatten zentimeterhoch aus der Oberfläche, andere Wege seien gänzlich unbefestigt.

Ein großes Problem seien auch öffentliche Gebäude, weiß Klaus-Dieter Koschker. Mit seinem Rollstuhl könne er nur Geschäfte oder Restaurants betreten, die nicht ausschließlich über Stufen zu erreichen sind. Keine einzige Gaststätte in Lauchhammer sei wirklich behindertengerecht. Auch die Toiletten sind in den seltensten Fällen barrierefrei. Die Betroffenen wissen, dass es überall am Geld für Umbauten fehlt. Aber in anderen Städten werde ihrer Meinung nach mehr getan.

Bernd Zapke nennt als Beispiel die Kreisstadt Senftenberg, die sogar einen Stadtplan für die Behinderten herausgegeben habe. Dieser weise auf Einrichtungen mit der entsprechenden Zugänglichkeit für Menschen mit Handicap hin. Auch das Heidecenter in Schwarzheide sei in dieser Beziehung vorbildlich.

Wenn Klaus-Dieter Koschker in Lauchhammer einkaufen will, stößt er auf vielerlei Hindernisse: "Es geht schon los mit den Parkplätzen, die entweder nicht ausreichen oder von Nichtbehinderten belegt werden." Des Weiteren gäbe es zahlreiche Geschäfte, die keinen rollstuhlgerechten Eingang, ja nicht einmal ein Treppengeländer hätten. Dabei denkt er auch an die vielen alten Menschen, denen das Treppensteigen schwer fällt. Die behinderten Einwohner wünschen sich in solchen Fällen wenigstens eine Klingel, die in etwa 80 Zentimetern Höhe angebracht ist, damit sich ein Rollstuhlfahrer bemerkbar machen kann. Auch die Ware in den Regalen sei oftmals in Regionen angeordnet, die kein Behinderter jemals erreichen kann.

Stätten, die für gehbehinderte Menschen schwer oder gar nicht zugänglich sind, gäbe es in Lauchhammer reichlich: Gaststätten, Geschäfte, Kirchen, Friedhöfe, Arztpraxen, das Klinikum und das Vereinshaus gehören dazu. Manchmal aber sei es schon ein Problem, den gewünschten Ort überhaupt zu erreichen. Klaus-Dieter Koschker wohnt im Stadtteil Nord. Wenn er zur Sparkasse oder Post in Mitte möchte, fährt er mit seinem Rollstuhl zwar dort hin, kommt aber aufgrund der enormen Steigung in der Kleinleipischer, Butterberg- und Weinbergstraße nicht ohne Hilfe zurück.

Bärbel Glaser hat in den vergangenen Monaten viele dieser Probleme an entsprechender Stelle angesprochen. Im Stadtumbauprozess werde eine Reihe von Hinweisen bereits berücksichtigt, bestätigt die ehrenamtliche Behindertenbeauftragte. Bei der Zentrumssanierung wurde zum Beispiel auf abgesenkte Bordsteine geachtet. Aus Erfahrung weist sie darauf hin, dass in Lauchhammer immer mehr Senioren leben werden. Auch in deren Interesse sei die barrierefreie Gestaltung öffentlicher Straßen, Plätze und Einrichtungen erstrebenswert.

Einen interessanten Vorschlag haben die Betroffenen, um dies künftig zu erreichen: "Stadtplaner, Geschäftsinhaber und alle anderen Entscheidungsträger sollten einmal einen Tag im Rollstuhl verbringen, um selbst zu erfahren, welche Schwierigkeiten im wahrsten Sinne des Wortes aus dem Weg geräumt werden müssen."