Von Torsten Richter-Zippack

Die Ernst-Thälmann-Straße kreuzt die Bahntrasse Cottbus - Ruhland. Aktuell passieren pro Tag zwischen 50 und 60 Züge den dortigen Bahnübergang, informiert Bahnsprecher Gisbert Gahler. Das entspricht durchschnittlich zweieinhalb Züge pro Stunde. Daher sind die insgesamt sechs Schranken häufig geschlossen. Und das meist über längere Zeit. Manchmal kommt erst nach vier Minuten der Zug. Das nervt die Senftenberger.

„Manchmal zerren die langen Schließzeiten schon an den Nerven, besonders wenn man es eilig hat“, kommentiert Alfred Ziegert, der mit seinem Fahrrad vor dem Bahnübergang wartet. „Einmal“, so erinnert er sich, „habe ich hier 20 Minuten gestanden. Da kam irgendwann ein sehr langer Güterzug, der ziemlich langsam fuhr.“ Ziegert muss mehrmals täglich das Nadelöhr in der Ernst-Thälmann-Straße passieren. „Ich wohne auf der einen Seite der Gleise, mein Garten befindet sich auf der anderen“, lautet seine Begründung.

Senftenberger lassen sich zu waghalsigen Manövern hinreißen

Auch Dagmar Pelz, ebenfalls Senftenbergerin, nervt das ewig lange Gewarte an den geschlossenen Bahnschranken. „Das Problem ist außerdem, dass manche die Geduld verlieren und den Übergang trotz des nahenden Zuges überqueren“, berichtet sie.

Allerdings dürfte sich an den Schließzeiten auch in Zukunft nicht viel ändern. „Um die Sicherheit für den Eisenbahnbetrieb und für die Straßenverkehrsteilnehmer zu gewährleisten, müssen die Schranken vor der Abfahrt der Züge sowohl in Brieske als auch in Senftenberg geschlossen gehalten werden“, erklärt Gisbert Gahler. „Da der Bahnhof Brieske rund drei Kilometer vom Bahnübergang entfernt ist, sind die Schließzeiten bei Zugfahrten aus dieser Richtung etwas länger. Eine Verkürzung ist leider nicht möglich“, fügt Gahler an.

Tunnellösung für Senftenberger Bahnübergang verworfen

Der Knotenpunkt Thälmann-Straße/Bahntrasse beschäftigt die Senftenberger Stadtverordneten indes schon seit vielen Jahren. Genau ein Jahrzehnt ist ins Land gegangen, als eine mit der Bahn vereinbarte und fertig geplante Tunnellösung vorlag. „Diese Variante hätte das Problem mit den Schließzeiten gelöst“, sagt Gahler. Im September 2014 hatten sich die Stadtverordneten jedoch mehrheitlich dagegen entschieden und stattdessen für die Montage einer Vollschrankenanlage plädiert. Diese Maßnahme befindet sich derzeit in der Planung. Die Umsetzung ist laut der Bahn ab dem Jahr 2021 eingeordnet. „Eine spürbare Verringerung der Schließzeiten wird damit nicht erwartet“, stellt Gahler klar.

Für eine nachträgliche Umsetzung des Tunnels gibt es indes keine Chance mehr. „Durch die Stadt Senftenberg wird dieses Projekt nicht weiter verfolgt“, bringt Rathaussprecher Andreas Groebe den Sachstand auf den Punkt.

In Senftenberg gibt es entlang der Cottbus-Großenhainer Bahn nur den einen Übergang in der Ernst-Thälmann-Straße. Bahnangaben zufolge existieren zwischen Cottbus und Ruhland aktuell elf Bahnübergänge. Diese sollen auch perspektivisch erhalten bleiben.