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| 10:42 Uhr

Zahl der Bücherzellen in der Lausitz wächst
Monis Bücherzelle beliebter Treff in Bahnsdorf

 Monika Hannusch ist stolz auf ihre Bücherzelle. Für die Dunkelheit gibt es sogar ein Leselicht.
Monika Hannusch ist stolz auf ihre Bücherzelle. Für die Dunkelheit gibt es sogar ein Leselicht. FOTO: Torsten Richter-Zippack
Bahnsdorf. Seit fünf Jahren wird in einer ausrangierten Telefonzelle in Bahnsdorf Lesestoff getauscht. Die Bücherzellen sind in der ganzen Lausitz im Kommen. Von Torsten Richter-Zippack

Rund 250 Bücher befinden sich derzeit in der Bücherzelle von Monika Hannusch in Bahnsdorf. Hinzu kommen ein paar CD’s. „Eigentlich könnte ich die alte ausrangierte Telefonzelle randvoll mit Büchern zustapeln. Ich habe selbst noch eine Menge. Darüber hinaus fragen die Leute aus dem Dorf, ob sie bei mir nicht ihre ausgelesenen Werke abgeben können, manchmal sogar kistenweise“, weiß Monika Hannusch aus Erfahrung.

Belletristik, Kinderbücher, Krimis und Raritäten

Das Repertoire reicht von Belletristik und Kinderbüchern bis zu Sach- und Fachbüchern. Besonders gefragt seien Krimis. Und manchmal fänden sich auch Raritäten ein, wie Monika Hannusch verrät. „Einmal hatte eine Frau ein Buch von Schauspieler Armin Mueller-Stahl gefunden, nach dem sie so lange gesucht hatte. Sie war dann überglücklich.“

Wo früher eine alte Linde stand

Selbst eine Station für Geocasher fehlt nicht. Natürlich in einem besonders dicken Buch versteckt und entsprechend präpariert.

Seit nunmehr fast fünf Jahren lädt „Moni’s Büchertausch“ in der Zollhausstraße in unmittelbarer Nähe zum Bahnübergang ein. „Früher stand an dieser Stelle unsere alte Linde. Wir haben lange versucht, den Baum zu retten, doch er war innen so hohl, dass der gefällt werden musste“, erinnert sich Hannusch. Doch auf den Fleck direkt an ihrem Hauseingang sollte etwas Neues hin, etwas, dass nicht alltäglich sei.

Das Bücherhäuschen glänzt in Weinrot

So wurde am ersten Advent 2014 die ausrangierte Telefonzelle aufgestellt. Woher diese stammt, will Monika Hannusch indes nicht verraten. Nur so viel: „Wir durften sie mit der Auflage aufstellen, ihr einen anderen Farbanstrich als den bisherigen in Pink und Weiß zu verpassen.“ Seitdem glänzt sie in mattem Weinrot. Ob es früher in Bahnsdorf eine richtige öffentliche Telefonzelle gab und falls ja, wo diese gestanden haben könnte, weiß Hannusch indes nicht mehr.

Anfangs hatte die Bücherzelle noch keinen Öffnungshaken wie jetzt. „Der kam erst später dazu, weil zuvor der Wind öfter die Tür aufriss“, begründet die Inhaberin. Inzwischen habe sich das kostenfreie Leseangebot in der Region herumgesprochen. „Ich begrüße manche Stammgäste“, sagt die Inhaberin. Diese kommen nicht nur aus Bahnsdorf, sondern ebenso aus Großräschen und Welzow.

Auch Touristen schauten öfter hinein. Kein Wunder, führt doch der Radweg nach Großräschen fast unmittelbar an der Bücherzelle vorbei. Seit dem Frühjahr wird darüber hinaus der Sedlitzer-See-Radweg aufgrund von Bauarbeiten über Bahnsdorf umgeleitet. So werfen noch mehr Radtouristen ein Blick in die Bücherzelle am Bahnübergang.

Monika Hannusch, geboren im benachbarten Allmosen, hatte als junge Frau wenig mit dem Lesen im Sinn. „Erst im Zuge einer Krankheit bin ich auf den Geschmack gekommen“, erinnert sich die 71-Jährige. Die gelernte Gärtnerin und Floristin, die später im Allmosener Konsum ihr Geld verdiente, bevorzugt indes Belletristik aus dem Konsalik-Verlag.

Seit dem Jahr 1988 lebt Monika Hannusch mit ihrem Mann in Bahnsdorf auf dem Gehöft ihres Großonkels. Inzwischen hat sich ihre Bücherzelle zu einem bekannten Infopunkt im Dorf gemausert. „Unseren Festkalender befestige ich direkt an der Eingangstür“, sagt die Seniorin. Und manchmal treffe man sich vor „Moni`s Büchertausch“ zu Klatsch und Tratsch. „Wie es eben auf dem Dorf so üblich ist“, resümiert Hannusch.