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| 08:10 Uhr

Ärger über Senftenberger Bahnhof
Eingangstor zum Seenland bietet traurigen Anblick

 Der Bahnhof Senftenberg ist nach wie vor ein aktiver Verkehrskontenpunkt. Das denkmalgeschützte Gebäude ist ungenutzt.
Der Bahnhof Senftenberg ist nach wie vor ein aktiver Verkehrskontenpunkt. Das denkmalgeschützte Gebäude ist ungenutzt. FOTO: Rasche FOTOGRAFIE / Steffen Rasche
Senftenberg. Begeistert zeigten sich die Besucher des Fontane-Spektakels in Senftenberg. Wenig begeistert waren sie allerdings vom Anblick des Bahnhofs. Ideen haben die Gäste einige. Toiletten wären ein Anfang. Von Rita Seyfert

Mit dem Fontane-Spektakel rund um den Bahnhof rückt ein Senftenberger Schandfleck wieder ins Blickfeld. Das denkmalgeschütze Ensemble, das Bahnhofsgebäude, das Umfeld mit dem alten Güterbahnhof und der Wasserturm, verfallen seit Jahren.

Die Besucher der Fontane-Premiere haben schrille Ideen für den Bahnhof, der für die wirtschaftliche Entwicklung der Lausitz von großer Bedeutung war und heute ein Eingangstor zum Lausitzer Seenland ist. Von der „Großraum-Disko“ bis zum „Swingerklub“ ist alles vorstellbar für die Theater-Besucher an Fontanes Zug. Ein Eisenbahnmodellklub für die Generation  Ü 70, eine Dönerladen-Meile und ein Barber-Shop sind unter den Vorschlägen. Ernster wird es mit einer Touristen-Information im Bahnhofsumfeld.

Senftenberger Bahnhof ist eine Schande

Denn einig sind sich die nicht repräsentativ befragten Senftenberger und Gäste der Stadt darin: „Als Tor ins Lausitzer Seenland bietet der Senftenberger Bahnhof bislang ein eher trauriges Bild.“ Überall werde der Tourismus an der neuen Seenplatte in der Bergbaufolgelandschaft angekurbelt, aber den ankommenden Gästen vor Ort biete sich „ein Anblick des Schreckens“.

Regisseur Tilo Esche (53) kann sich beispielsweise einen Outdoorladen sehr gut vorstellen. Zuerst würde er allerdings Toiletten installieren, damit das Gelände überhaupt erst einmal für andere attraktiv wird. Die Berufspendler unter den Befragten sind ganz seiner Meinung. Wenigstens ein WC würde für den Anfang vollkommen reichen, sagen sie. Regelmäßig erleichterten sich Passanten in den Durchgängen. Der strenge Geruch sei mitunter kaum erträglich. Auch die Senftenbergerin Ines Strobel (56) sieht das so: „Ein bisschen mehr Farbe und eine Toilette wären schon mal ein guter Anfang“, sagt sie. Was die Idee einer Begegnungsstätte angeht, hat sie aber eher wenig Hoffnung. Senftenberg sei eben „nur eine kleine Kreisstadt“ und „nicht Dresden oder Leipzig“, wie sie sagt. Außerdem müsste der Senftenberger Bahnhof dafür mehr im Zentrum statt am Rand liegen.

Bahnhofsumfeld ist Chefsache

Als „Schandfleck“ hat auch Bürgermeister Andreas Fredrich (SPD) den Bahnhof und dessen Umfeld kürzlich bezeichnet. Das Ensemble wirke nicht gerade einladend und sei dem Tourismus abträglich. Aus diesem Grund soll zumindest das Umfeld des Verkehrsknotens jetzt Chefsache werden. Zuletzt hatte die Stadt hier Grundstücke und Wasserturm erworben.