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| 13:56 Uhr

Lauchhammers Bürgermeister gewinnt Auktion
Drei, zwei, eins – Bahnhof meins

 Im Auftrag der Stadt hat Bürgermeister Roland Pohlenz das Bahnhofsgebäude in Lauchhammer-West ersteigert.
Im Auftrag der Stadt hat Bürgermeister Roland Pohlenz das Bahnhofsgebäude in Lauchhammer-West ersteigert. FOTO: Mirko Sattler
Lauchhammer/Senftenberg . Bürgermeister Roland Pohlenz hat das marode Bahnhofsgebäude in Lauchhammer-West ersteigert. Es soll jetzt bald abgerissen werden. Der vorherige Eigentümer ist ein zwielichtiger Investor mit Schulden. Von Jan Augustin

Leichtes Spiel für das Stadtoberhaupt von Lauchhammer: Konkurrenzlos hat Roland Pohlenz die Zwangsversteigerung für das Bahnhofsgebäude in Lauchhammer-West gewonnen. Außer ihm wirft mangels Anwesenden im Amtsgericht Senftenberg niemand seinen Bieter-Hut in den Ring.

Die halbe Pflicht-Warte-Stunde vergeht wie im Fluge. Dann ist es amtlich: Die Kommune ist neue Eigentümerin des maroden, etwa im Jahr 1900 errichteten Gebäudes. Für das Mindestgebot von 7600 Euro hat das Haus seinen Besitzer gewechselt.

Ebenfalls bei einer Auktion hatte der ehemalige Eigentümer das Bauwerk vor sechs Jahren für etwa 2000 Euro erworben. Seitdem aber ist nicht viel passiert.

„Er hat großes angekündigt. Ich hatte von Anfang an Bedenken“, erinnert sich Roland Pohlenz an ein Treffen mit ihm kurz nach dem Versteigerungs-Termin, von dem die Stadt damals keine Kenntnis gehabt haben will.

Vorheriger Eigentümer vom Bahnhof Lauchhammer häufte Schulden an

Ein Fachgeschäft für Campingartikel und Wohnungen habe der Eigentümer angekündigt. Auf einen Bauantrag hat die Stadt in den vergangenen Jahren aber genauso vergeblich gewartet wie auf die Zahlung von Grundsteuern.

3400 Euro hoch sollen die Schulden sein. Deshalb hat die Stadt Lauchhammer auch das Verfahren für eine Zwangsversteigerung beantragt. Und war damit nicht der Einzige.

 Der Vorplatz am Lauchhammeraner Bahnhof ist schon schick - auch dank Städtebaufördermittel.
Der Vorplatz am Lauchhammeraner Bahnhof ist schon schick - auch dank Städtebaufördermittel. FOTO: Mirko Sattler

Auch der thüringische Landkreis Sonneberg hat einen solchen Gerichtsprozess angestrengt und schließlich durchgebracht. Und auch hier hat der vermeintliche Investor einen Berg Schulden angehäuft: rund 32 000 Euro.

„Unsere seit geraumer Zeit offenen Forderungen rühren von einer notwendigen Ersatzvornahme zur Verkehrssicherung an einem Gebäude in Sonneberg-Oberlind her, welches ebenfalls Eigentum des Schuldners war“, bestätigt Landkreis-Sprecher Michael Volk auf RUNDSCHAU-Nachfrage.

Schandfleck von Lauchhammer soll bald verschwinden

Das zweistöckige Bahnhofsgebäude in Lauchhammer soll nun nach den Vorstellungen von Bürgermeister Roland Pohlenz schnellstmöglich von der Bildfläche verschwinden. „Das ist ein Schandfleck“, betont er. Im Versteigerungsprospekt wird dem Haus ein „schlechter baulicher Zustand mit Modernisierungs-, Reparatur- und Instandhaltungsbedarf“ attestiert.

Für die Stadt Lauchhammer sei ein schneller Baustart wünschenswert. Reisende, die die alle 45 Minuten fahrende S-Bahn von und nach Leipzig nutzen, werden in Lauchhammer zwar von einem mit Städtebaufördermitteln schick sanierten Bus-Vorplatz empfangen. Zuvor aber müssen sie an dem zweistöckigen Hausungetüm vorbei, von dem der dreckige, grau-braune Putz abfällt.

Voraussetzung für einen Abriss ist allerdings, dass die Deutsche Bahn bei ihren bisherigen Planungen für den in Lauchhammer einzigen Haltepunkt bleibt. Zuletzt hatte die Bahn große Umbaupläne angekündigt. So sollen nicht nur die Gleise modernisiert, sondern auch eine Brücke über die Bahnsteige gebaut werden.

Derzeit müssen Fahrgäste in waghalsiger Manier über die Gleise laufen, um auf den richtigen Bahnsteig zu gelangen. Eine Anfrage beim Pressesprecher der Bahn, ob sich an den Plänen etwas ändert und wann diese umgesetzt werden, blieb bisher unbeantwortet.